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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 36 (1854) · p. Seite 143

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
36 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 143 (sequence 3)
Language
German
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t US und zwang nudj, einer feierlichen Prozesston zu folgm. Man kam aueiner Kirche^ wo das TodeSuriheil verhängt wurde; dann wurden wir auf einem öffentlichen großen Platze aufgestellt, auf besten einer Seite eine Aft Bühne für die Eingeladenen, auf der andern ein, Schauplatz für die Lerurlheiitrn war. Wir kamen gefesselt und geluebelt barfuß, und von Priestern und Büßeryi aller Farben umgeben. Ich glaubte zum Tode geführt: zu werden, und war glücklich in dem Gedanken, daß,nun die Zeit meiner Leiben geendet fei. Aber nach einer Predigt, die uns ein Mönch hielt, laS man unS unser Urtbeil vor, und ich erfuhr, daß ich verdammt werden sollte,!daS Leben in emem Kloster zuzubringen und daS Gelübde der Zurückgezogenheit in der Armuth abzulegeu hätte i endlich daß alles Bermögen meiner Familie von der Inquisition in Beschlag genommen sei. Zwanzig Schritte vor mir ging ein Greis wankenden TrineS. Seine zitternde Hand hiett fchwankind eine gelbe Wachskerze. Sein weißes Haar bedeckte die tief gerunzelte,/Stirne. Es schien mir. als müßte ich dtefe mageren GesichiSzüge kennen. Al eii. denket Euch meinen Schrecken, als ich bei besten laut v digtem LoveSurtheil den Namen Cesar Orobi > Cs war mein Barer, und in nicht viel weniger >lS zwei Jahren war er zum Greise geworden. Die Una nschen ließen unS nicht vas Vergnügen, unS noch jum Male zu umarmen. Er wurde auf einen für ik stimmten Scheiterhaufen geführt, wo er mit lauter Stimme rie>: „„Ich verdiene den Tod, denn ich habe gegen die Smnme meines Gewissens, ven Glauben meinfr verleugnet. Ich bin ein Jude und sterbe als Jüd Gott mir verzeihe. Und Du, mein Sohn! vergiß daß Vit Religion Moses allein die wahre ist, und dap wir zu feiner Zeit vereinigt werden können.'^" diesem Worte erstickte die Flamme seine Stimme, und eö verschwand vor meinen Augen." „In dem Kloster, wohin ich gebracht wurde, war ich drei Monate lang wie närrisch, und als ich an Kräften und Geist wieder gesundete, faßte ich den Entschluß, in ein fremveö Land zu stiehen, wo ich nach dem letzten Willen meines BaterS zur jüdischen Religion mich bekennen könnte. Ich gab mir das Ansehen einrS zufriedenen Dulders und erheuchelte einen großen ReligionSdifer. »so daß ^ich nach dem Ende von zweien Jahren solchen ZwangeS das Amt erhielt, in der Stadt Almosen für daS Kloster einzusammeln. Während mehrerer Wochen bereitete ich mich nun zu einer heimlichen Fluchs vor, unv war an einem Morgen endlich so glücklich, in weltlichen Kleidern Madrid zu entfliehen. Ich nahm den Weg. nach Portugal, -und nach einer langen unv ermüdenden Reise, wo im von der Sonnenhitze fast verbrannte, und von Durst und Staub ' fast vernichtet wurde, kam ich in Lissabon an. I Die Inquisition war zu mächtig' in Vieser Stadt, als vaß tö den Muth haben durfte, mich lange in dieser aufzuyalten. Die Verwandten^meiner Familie, die ich dorr end, sammelten mir eine bedeutende Geldsumme, um »ich nach England zu schicken. Wir waren auf dem Prncte. mit den Manosen und Mitreisenden in Unterhallu»; zu treten, als man auf Religion zu sprechen kam, und ich erklärte, daß ich Jude wäre. Man warf 'mix um einen verächtlichen Blick zu, unv behelligte mich mit ckein er-Frage «ehr. Aber am folgenden Tage wurden wir hon einem erkünhörte. letzten n be- Väter daß nicht, mache, Bei heftigen Sturm angefallen, und die a^srührerischrn Matrosen erklärten, daß eia Jude am Borve und diehie Ursache de- Sturmesei, der in jedem Augenblick da» Schiff zu zerschmettern drohte. Der Ktzpitän und einige Matrosen machten zwar Gegenvorstellungen, aber die Windstöße wurden immer starker, die Wellen hoben sich wachsend zur größten Höhe, dft Donnerschläge krachte» mü ungemeiner Heftigkeit,. Die Matrosen erhoben' fichj auf's Nsue und behaupteten, daß, so lange der Jute auf^be» Schiffe, nicht die geringste Rettung-Hoffnung vorhandensei. Trotz meinen Bitten und meinen Anerbietungen ergriffen ste mich- und warfen mich i»'S Meer. Glücklicher Weise hatte der Kapital!» zur selben Ziit einen Hühnerkäßg hinein geworfen. <m, den ich mich mit aller Kraft, klcmmerte. Nach einigen Stunden schrecklichen Kgmpfeurd fürchterlichet Todesangst empfahl ich! meine Seele dem G»tt Israels und dachte, daß eS nun Um mich geschehen ftij. Bei meinem Wiedererwachen befand ich mich an einet Hängematte, getrocknet. erwärmt und wieder hergestellt. Eine holländische Flotte hatte mich aufgefangeu, und ich mußte den Finger GotteS erkennen, da 'ich hörte, daß daS porrugüstfche Schiff, welchemich so unmenschlich behandelte, Leut« und Güter verloren hätte, so daß auch nicht Einer von Allen. die sie mit sich führten, dem Schiffbrach« entkam. Ich kam glücklich in Holland an, bin seil einem Monat zu Amsterdam, wo ich mir vorgenomme« ha w, die' ärztliche Kunst auSzuüben, und wo ich als Jude lebe, und so .glücklich gewesen bin. Euch durch mein-Beispi l zu überzeugen, daß die äußerliche Macht eine gefährliche Hülfe der Religion fti,~nnb daß unS Israeliten string verboten ist, GlaubenSzwang gegen Andersdenkend« zu üben, wenn, wir der Uebel gedenken, die der FanatiSmrS für unS verursachte." In diesem Augenblicke wurde angezeigt, daß Boby die Arznei deS DoctorS eingenommen habe^ und wieder völlig hergestellt,sei. Dan Kleis dankt« dem Arzt lebhaft un) wollte ihm eine Belohnung geben, die er anzunehmen fich weigerte. Die Zuhörer, voll Achtung gegen den vo» so vielem Unglücke heimgesuchlen Glaubensgenossen un > bessert Mutb erkühnten sich kaum vor ihm zu^leden, un) da es in dieser Nacht sehr finster var, so beMteten ste ihn nach Hause, damit er in der ftinsteynß nicht in Gifabr komme, in einen der zahlreichen KtniNe zu fallen, die ihre Wellen um die gut Stad^ Amsterdam warfen. Don Balthasar Orobio würde Jude, und übte ehrervoll die Kunst der Medicin. Er zeichnete fick immer buch seine Wohlthatigkeit gegen die Armen, und seine Drldung gegen die religiösen Ansichten Andersdenkender au Er starb im Jahre 1687 in Amsterdam, allgemein g«<chtet und betrauert. . Die zu Gott ist des größten Opfers fähig. > Menachsth 39. 2. heißt eS: A^S MoftS in die Höhe stieg? zeigte chm der Heilige, gelobt fei er, Rabbi Mba, der so viele Erklärungen im Gesetz entwickelt. Da sagte LosaS: ,^Hexr der Mel»! bast Du mir sein Wttken gezeigt, laß mich auch seinen Lohn sehen." Da wurde ihm gezeigt,' wie man dem Akiba daS Fleisch, mit eiser-

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