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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 34 (1854) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
34 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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184 eänkebrten, in der Gegend gelegen, die noch heute den. Namen führt: /.Iuvenherrn-Gracht.". Hie tiaten vor» stchrig, eingehüllt in einen großen Mantel, ein und kacken nur, nach mancher Anstrengung, um der Wulh des WindcS zu widerstehen und nicht in den Kanal zu fallen, her von neben einander stehenden Bäumen ein« efaßt war, -ck'oblbehalten in der Schenke au. .Eia ranjger Oel», Dachbolderbeeren. und Punschgeruch empfing ne bei ibckm Eintritte. ÄLch'dem sie ibren durchnäßt, n Mantel hingelegt, und sich bemühten, ibn an einem von Feuer herbtheteu Ofen zu trocknen, erhoben sich die Trink-r und erkan«ten unter den Ankommenden ihren. Frednd. Ban- Kleis, den Eigentbümer der Schenke Absaloo. .Er war «iS in der Lbat. der Meister Van'-Kleif, der einen Arzt für seine Frau Dobvgesucht batte, die von e ner starken Heroen.Krankheit beimgesucht war, und da est seinen ger'Ähnlichen Doctor nicht fand, entschloß sich der bravt l öirth, einen Arzt zu erwerben, der. erst seitkurzem'auS «Spanien angekommen war und sich Don 4 alt.bgfar i)robio nannte. AIS der Wirth und der Do ror in das ».immer der Kranken eingetreten waren, fuhren die Trinkr mit Spiel und Unterhaltung ungestört fort. Die k öirtbschafr des--Ban - Kleis wurde sehr eiten anders, als von.den Israeliten besucht, welche durch deft < leist der Na-tionalitär einem Glaubensgenossen den Dorj tg geben wollten. Und Holland, LaS sich von jeher durch de GewiffenStreihrir au-zeicknete, welche sie dien Anbäng>rn dcS mosaischen Gesetzes bewilligte, zählte! zu dieser i eit mehrere israelitische Gemeinden.. die sich durch ihren g eiLtbu» und ihr gute- Betragen rühmlich ^bervorthat ». Besonders die ri'raelinsche Gemeinde zu Amsterdam blühte seit mehreren Jahrhunderten Um deck Vorwurf d'r Faulheit zu begegnen, welche man sonst sh ungerecht dm Israeliten macht, beschäftigten sie ihre Ksnber lange - fit mit den barten Arbeiten der Seehäfen!, mit den r lubestrn unv schwersten Handtierungens. 4. . Au ein ft solche» Klaffe gehörten die zahlreichen Trinker, die am 4 benve i« E"- Schenke vom Absalom zusackmenkame«. ^br gegenwärtiges Gespräch betraf die Opfer,! welche sie il rer Religion zu. bringe» hatten. ,.3ch," sagth ein dicker 8 ruchthändler mit enormem Bauch, eitlem illumrnirlen. Gest ht und einem dicken Kablkopf, „ich erinnere mich an ei- I n m Feiertage in einem Schubkarren Früchte gehabt zu f” h»den, welche Zu verderben ansingen, und bäte sie noch v rtausen können, als,ich den Svnagogenviener rufen und d e Sabbarbgebeje beginnen Höne, ich ließ sogleich den ° S erkauf gehen, könnte die Früchte aber später mch» mehr -ck «bringen, und so erlitt ich wegen meiner Religion einen b deutenden Verlust." — „Ich," begann ein Anderer. var in einem Braubäuse beschäftigt, als d« . PeffaL- M ankam. unv da ich nicht meine Arbeit fortsetzen wollte, »it einer. Arbeit, die Säuerung brauchte, ließ .ich mich nieder foaschicken." — ..Ich," sagte ein Tutzer. „war a s Reise» und konnte keine Nahrung finden,! die nach bin jüdisches Vorschriften bereitet war; ich nährte mich m l Brod,' Wasser und Eiern vierzebn Tage l«ng, und," fügte dr mit einem tiefen Seufzer hinzu, „ich jade währe ch dieser Zeit nicht einmal Käse gegessen." -- „Weiter ni jtS'i" antwortete eine große magere gelbe Figur mit la yen knochigen Armen und schwarzem Haarl »Höret, mir an einem Jomkippurabend geschehen. Ich kam gerade auS der Synagoge, als ich einen Bürgermeister in der Chaise zu seinen zwei Bedienten sagen hörte: „fahret nicht durch die Zudenstraße.- Diese Hunde haben einen Festtag, ich will diesen Abend nichtmit ihnen zu thun haben." Da sagte ick mir: Warte, altes HäringSgerippe, warte, ich will Dir Deine Beleidigung bezahlen! Ich schlich mich darauf ganz leise hinter meinem Mann her, und glS sie an daS finstere Ufer eineS rieselnden Bachekamen, da packte ich die Chaise an und schleuderte sie in den Schlamm . und mit ihr den Bürgermeister und seine Bedienten." Einlängs- Beisall-gelächter folgte dieser Rede und der Held schwang stolz seine nervenreiche« Arme und ging mit einer rriumphirenden Miene in dem von Rauch erfüllten Saal herum, als zum Erstaunen Aller eine Stimme, deutlich und entschlossen au-rief: „Und Ihr habt sehr unrecht, gethan." Auf diese- Wort erhob stch» in der Versammlung ein großes Gelärm. „Wer hat die»' seS gesagt?" schrie man von allen Seiten. „Ich," antwortete ruhig ein Mann, welcher seit einigen AugenhOken sich zu wärmen beschäftigt und von den TrinkMMiicht bemerkt worden war, und als er sich anschickte, Behauptung zu wiederholen, erkannte man in ihm den Do» Balthasar Orobio, jenen Arzt, den Dan «Kleis herbeige» boll. Er war ein Mann von hoher Statur, von edler Haltung und erhabenen Gesicht-zügen, sein Haar war schön schwarz, sein Knebelbart gehörig gestaltet, seine Adern hervorragend, die Farbe seine- Gesichte- und besondersein Accent bewies, wenn eunS nicht schon bekannt gewesen wäre, daß er ein Spanier war. Als er sah, daß man ihn hören wollte und da- Erstaunen bereitder Unzuftiedenheit Platz machte, sprach er mit Energie: „Die Gewalttbat gegen einen Menschen, der nicht unserereligiösen Glaubenist, kann niemals gebilligt werden von Demjenigen, der wahrhaft religiös ist. Sonst gelte die" Gewalt der Starken gegen die Schwachen und die Allmacht der Äehrheir gegen die Minderheit; sie dürften den Klauben ^.iederreißen, ihn berabwürdigen zu einer gemeinen Maare, welche' man kaufen und verkaufen kann; sie dürften die Religion, diese Sprache de- Gewissen-, zu einer pestartigen Krankheit umschaffen, welche denjenigen, die davon angegriffen sind, verpflichtet, sich zu verberge» au- Furcht, verfolgt, heimlich auf die Seite gebracht, und selbst getödtet zu werhen." Don Balthasarsah. daß seiNeZuhörer von der Feierlichkeit seiner Sprache bewegt waren, setzte siÄ nun ruhig an da- Feuer, um stch völlig zu' trocknen unv die Weiterau-einandersetzung seiner Worte wurde eben gefordert, al- Van-Kleif eintrat, einen großen Becher warmen Weine- »ragend, auf dessen - Oberfläche eine Rinde von Zitronen schwamm, die einen Zimmtgeruch harte. „Trinket mir diese-," sagte er zum Doctor, „es dient Euch zum Erwärmen, und da Ihr da- Erwachen meiner armen Frau abwarten ihollt, so erzählt unS einige Dinge, da Ihr doch so weit von unS hergekommen. Die .Erzählung 'wird unS die Zeit vertreiben, und mir erlauben, die Arzenei zu bereiten, die Ihr für meine Poby verordnet habt," (Fortfetzvug folgt.) )

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