Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 32 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 2)
- Language
- German
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US - ..Ma«d Zeit; er tt I war einer der ersten Sprachkundigen unserer lßie die meisten lebenden und tvdten Sprachen ^ber Welt, ind wa^/übrigenS noch ein sehr bewandler Historiker, M dirmck^Zurist, Theolog u. s. w. Irr der Philo» fophie war Platy sein Orakel; diesen wußte er beinahe au-wendig, und citirre ibn oft in .feinen gelehrten Gesprächen. Zm praktischen Lebm nahm er sich aber den Cvmker TiogrneS zum Muster. Seine Garderobe bestand aus einem alten Eoldatenkinel und einem Paar alter Ueberschuber Er nährte sich fast ausschließlich von Com» mißbrod, welchem er. manchmal einige rohe Kräuter oder Wurzeln b «fügte; gekochte Speisen aß er in Paris nie. Er beizte jich nie ein. Sein HauSgeräth bestand auS -einem Hölzer rey Annstuhl. auS einem Schämet, einem Tisch von Zimml rmannSarbeit, einem kleinen Schranke, worin er feine st ücher und Schriften aufbewahrrr; aus einem Brett mit einem Strohsack, einem Tintenfaß, einem Scherben, der fan einer Lampe diente, zwei Wafferkrbgen und einer Schi« fertafel, auf welche er vorzüglich mathematische Bereckaunc en ansteßlte, um an Papier zu sparen,. Er unterrichten wöchentlich in der griechischen Sprache eine Stunde, v e et sich mir 2*', Franken bezahlen ließ, und baS reichte zu seinem Unterhalte hin. Im Umgänge war er freundlich und gutmülhig, doch. nicht ohne einen.gewissen'Stolz, den man unter seinen Lumpen nicht gesucht bäue.! MandÄ ließ nichts drucken; feine hinterlaffmen Manuscrlpte sind schwer zu entziffern, da in denselben -die Zdiome der heterogensten Sprachen divergiren. Ein solches Leben hat übrigens etwas Rührendes. MandelliS' Fehler waren von einer Art. die wenig Nachfolger finden' wird., und ftine guten Eigenschaften bildeten einen schneirendeft Contrast mir dem, waS man'in einer habsüchtigen, ünd marktschreierischen' Zeit nur allzuoft in der liremrischen Welt vorsindek. Der Familienname MandeltiS war eigentlich Mandel, weis aber in Preßburg mehrere diesen. Namen fßbrken, so ' nahjn M« ndelliS' Vater den Namen DuckeS an. .Mandel in jeder 4 itiji&t originell und bizarr, legre sich hinwieder ^ven Nam n Mandel' nur der Veränderung' in Mandell> bei?' Doch.*?ören wir nun. was wir sonst von seinem Leben laufe, wissen. Tavid Mandel war zu Preßburg von. anze'ehenen und wohlhabenden Eltern geboren! Sem Da er. der ein frommer, ralmudisch-gelehrter Mann warh gab! ihm, »er unter Kindern das älteste,-eine Erziehung, i >ie sie. damals üblich war. Ein fleißige- Srudiren^des - aluiudS füllte die ganze Zeit seiner Lebrstunden auch die chon ln seiner ftübesten Kindheit begönnen, und er vttwrndere sie mir solchem Eifer und Fleiße, daß sein Daler sich veranlaßt sab, den 12jährigen David ohne besondere Apffichr nach Rackendorff, einem Torfe einige Etunden von Preßburg. zu schicken, damit er bei dem dortigen Rabl i seine ralmudifchen Studien fortsetze. Don Natur war Daviv sowohl mir einer starken Fassungskraft, als mit tinem guten Gedächtnisse 'begabt, und er machte in der reuen Sphäre bedeutende Fortschritte. Er blieb aber nur ein gavr in Rackendorff, und kehrte auf den Wunsch ieineL-EItern nach Preßburg zurück, wo er jedoch nich: lange verweilte, denn es hemächttgte sich seiner ein Trar g «üch Kenntnissen und Bildung, so, daß et. »bne Dorwisfen seiner Eltern, seine Heimakh verließ. Sein, erster Ausflug war nach Triesch in Mähren. AuS einem Brief in hebräischer Sprache geschrieben (1798),. »er große stilistische Meisterschaft verrätb. ist schon ein teftigeS Sehnen, etwas Großezu leisten, unverkennbar, so wie wir ebenfalls darin die Anzeige an seine Eltern lesen, daß er gesonnen sei, nach Prag zu gehen, wo damals der Hauptsitz hebräischer Bildung war, und wo wir ihn wlrNich schon 1799 treffen. Aus einem Briefe, den er auS dieser Stadt schrieb,, und der voll von talmudischer Sophistck ist. ersteht man seine phantastischen Pläne, unter denen die Erwerbung von Wissenschaften dke Hauptrolle spielte. Ueber diese vergaß er Alles, sogar sich selbst. Zu diesem Briefe lag ein Zettelchen an seinen Vater. in welchem er ibn um etwa- Geld bittet. Wir geben dasselbe hier in einer Uebersetzung. weil es zur Charakteristik seines damaligen Treibens beiträgt. ES lautet: ..Nicht Geld zu sammeln verließ ich daS HauS, sondern auS Durst, meine lechzende Seele zu stillen. Gott sei gelobt. viel Wissenschaft' habe ich mir zugeeignet, wenn auch noch nickt genugaber eS ist noch nicht aller Tage Ende." Aber in Prag blieb er nicht lange, denn schon 1800 finden wir ihn in Tirschruzel in Südpreußen. wo er eiyen Landsmann fand. 3n einem Briese, den er von da auS schrieb, sagt er selbst, daß ibn die Lust, ftemde Länder zu sehen, unaufhörlich antreibe. obwohl er damals noch keine bestimmte Richtung hotte. In einem andern Brief «n seine Eltern, ftirichl Mandelli, nachdem er sie über sein, ihnen zwecklos scheineodeS Treiben zu beruhigen sucht, und ^gleich etwas Geld von ihnen erbittet, folgende merkwürdige, sein ganzes Wesen bezeichnende Worte auS: , ,.Zck habe Grundsätze, nach denen ich hanole . . . nur einen Fehler verspüre -ich in mir. der sich schon alS Trieb in meine Zugend^eingeschlichen hat. dieser Fehler beißt Ruhmsucht. Schon als Kind fühlte ich ein mächtige- Verlangen, mich vor meinen Mitschülern hervorzuthun, ich lechze nach Ruhm, ich dürste nach Auszeichnung!" Hier reifte der Entschluß in ihm, nach dem von seinem AufenthaltSorre nicht sehr entfernten großen Berlin zu gehen, um dort seinen Plan zu verfolgen. Zn demselben Briefe schreibt er an seinen jüngern Bruder: „Jetzt hast Du noch Gelegenheit mich zu sprechen, weiter nicht; — arbeite ich «einen Plan, durch, so darfst Du mich nicht Hindern; geschieht daS Gegentheil, so kannst Du mich nicht wieder sprechen; ick stiebe in einen witfernlen Welttheil, und Du stehst Deinen Bruder nie wieder. Ich kann Dir nie mehr schreiben." Tie möglichst genaue Benützung der Zeit, die sich später bis zur abgöttischen Verehrung steigerte, spricht sich hier schon auS. ..Ich grüße Euch Alle" — vaS find feine eigenen Worte —• „meine Freunde, ich sage die Wahrbett. ich möchte Jedem besonders Ehre bezeugen, aber die kostbarste Zeit!" — Von seinem Treiben und Sweben m Berlin wissen wir wenig zu erzählen, nur daß er in einem Brief von 1803 voll wartoer kindlicher Liebe seinen Vater über die damaligen schlimmen Familienverhältntffe, sehr llebevoll tröstet, und daß von Zeit zu Zeit auS ftinefai Schreiben eine rührende Reue auftaucht, daß er das väterliche Haus heimlich verlassen. AuS einem Briefe auS Berlin vom Jahre 1804, der unS wohl auch wenig Ausschluß über seine Verhältnisse giebt, erseben wir, r