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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 32 (1854) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
32 (1854)
Date
1854-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Zur JSefefjrtfng und Unterhaltung auf jüdischem Zekiele. HeraXgegeb^i von __ Rabbiner Dr. Ludwist P^ilippsou in Magdeburg. sRo. 33. I8S4.I Bvn titfrt (rj4>riBt ®i»d'»ntlid'[tlnf Summa. Pkti» t»«?abr* «an««! Iblr. "% Par! *», t>u<bb«nMtiiiA«n. fcN*t(r unb z«iiuog«trrckiru'ii,n. n»lvn,n »n. Wie lange noch! Wie lange noch willst Du Dich Deiner selbst schämen. Jude? Wir lange noch bei dem Namesi ..Jude" erzittern, oder die GLamröthe auf Deine langen steigen lassen, wenn in Gegenwart eine- Christen vevJllven oder de- Jüdischen erwähnt wird? Wie lange noch inivie Lippe beißen, oder „Echt! Echt!" rufen, wenn Deine Minder in Anwesenheit, sei eselbst eine» christlichen Diestftborea, also selbst solcher Nichtjuden, dir Dein Brod effrst und in Deinem Lohne stehen, irgend einejüdischen Brauches, eines hebräischen Wortes, oder sonst eines Dinges, das an Judenthum erinnert, Erwähnung lhnn? 'lpie lange noch zum Tode erschrecken, wenn - Jemand im Waggon oder. Postwagen, im Gasthofe oder am Dergnüglmg-platze Dich als Juden erkennt und begrüßt? . . . Pas nenne ich Charakterstärke, das Glaubeastreue, das Unbefangenheit — sich dessen zu schämen, waS uns baS Theuerste, Heiligste sein muß, worauf allein wir mit Recht stvlz^sein können — zu dem Volke zu gehören, welche- — saget. waS Ihr wollet — zum höchsten Berufe unter den Völkern der Erde berufen worden, Lehrer der Menschheit zu werden, daß sie allesammt sein« Sprache sprechen, durch seine Schriften ihre Binder erziehen, seine Geschichte mehr als die eigene erlernen. ,feine Gesetze als die heiligsten beachten, seine Feste seicr^. nach seinem Geiste ringen .... darüber zu errötheo, wovon man doch nicht lassen will und kann, wovon zu lassen Sünde an Gott und der Wahrheit wäre tV. . und warum? um der blinden Vorurtheile Andrer wellen?.... und wie könntest Du allein diesen Vorurtbeilerp begegnen und m der Thal brechen helfen? Durch Dein? Unbefangenheit. durch Charakterfestigkeit, durch Offenheit . Jude, nur Indern Du Dich selbst ehrest, wachst Du Dich ehrbar ü-id wirst geehrt! . . . Hiebe, vor denen Du Dich verstellest und scheuest, ste wissen es doch, daß Du ein Jude bist, ste sehen es an Deinen Zügen, sie hörest es an Deiner Stimme, täusche niftt, daß Du ste täuschest) und stehe, indem Du Dich ak-Juden zu verbergen suchst, brandmarkst Du Dich selbst als etwas Berachtenswerthes. und nun verachten sie Dich; so Du aber ruhig, nicht zudringlich, bescheiden, gemessen hhsiich, aber selbstbewußt, männlich, mäßig, anständig, fein Dich benimmst, und dabei, ohne ihn zur Schau zu tragen, auch den Juden nicht verbirgst und verleugnest — |.— daun werden sie Dich sehr achten! .... David Mandel. i l » jüdischer D i o - e.n e « 7/. j Am 22. Decemher 1836 sah man in Paris eine» Mann, fünfzig' und rinige Jahre alt. mft zwei Krüge» an die Seine gehen, um ste für feinen Trinkbedarf Mit Wasser zu füllen. ES war di,S nichts Außerordentliche-, denn titele Männer füllen sich die Krüge mit Eeinewaffer, und itamentlich diesen Mann sah man dieses Geschäft, schon viele Jahre, tägllch vollführen. Das ganze Etabtv ertel iannre ihn, die''Gebildeten des Ollarners nanyten ihn ^en ungarischen DihgeneS, die Masse „den Wilden vom Zeughause." renn er wohnte lange Zerr im allen Zeughauses Am gedachten Tage, als dieserDiogenesseineKrüge^üllte. stützte er stch dabei än einen nicht befestigten Kahn, der vom Ufer wich Und den Mann mit in die Wogen riß. wo er sein Grab fand . Der Mann hieß David Mandel. Schon fang«!hat»e er die Aufmerksamkeit, vielleicht wider Willen, aus sich gezogen. <£in Engländer berichtete im Mai 1827 in pfowt eng^isch/n Jlfftfchrist über ihn folgendermaßen: „Franz v. Teff^ik suchte den Sonderling mit großer >Mühe in Paris aus. unv" fand ihn im Arsenalgebäude in einem unrer den Treppen angebrachten engen, höchst armseligen Slübchew. Sein Aeußeres war im hohen Grave vernachlässigt'. waS Teffedik von ibm herau-brbngen konnte, besteht »dein, daß er Ignaz oder richtiger David Mandel heiße, daß er etwa zwei Jahre lang in Preßburg gewohnt, und in^Derlin zwei Jahre lang in die Schule gegangen. , Er gab vor. feines Geburt-ottenur dunkel sich erinnern zu können, eben so auch seines Zunamens; man heiße ihn aber in Paris: Mandel. Er habe fein Vaterland verlassen, .um die Welt zu besehen. Französisch, deutsch, lateinisch sprach er gut. Ungarisch konnte er nicht reden, er verstand aber den Sprechenden. Des Persischen und Arabischen rühmte er sich ungleich besser kundig zu sein, als de- Deutschen^ ja sogar mit der San-critfprache soll er. sich viel beschäftigt haben. Auch das Russische war ist«'" bekannt; er sprach und schrieb e-^ Mit der Sternküade befaßte er sich' am liebsten, und rechnete viel. In früheren Jabren verdiente , er sich einiges Geld durch Unterricht, den er im Arabischen gab; davon zog er 800 Franken Interesse aus dem Lanvesärarium, und lebte davon; sagte aber, kan« l00 Franken jährlich verzehren zu können. Teffedik hält ihn für einen Juden aus Preßburg." Leute, die ihn längere ZGbeobachtet haßen, schildern ihn und seine Lebensweise in folgender Art: *) Nach de» .'.Jüdische, Platarch." Wir,. 1818. G. 138.

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