Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 29 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 «- zusa nrnen. »ies r 3tucn auf bciotn -3,iK» ves Zchneestr, meS ^ft 106)—200 > der stärksten. ältesten Bäume niedxr,' bebt Mei schen u»d Tdiere auf und schleudert str in di, Tjefe, zerbricht im Tbale noch weit van seinem Lagerplätze vre gewlltiqsten Nuß- und Aepselbäume unv Abotne, legt schnere Fr.ac,rwagen aus die Zeile und reißt ganze Ställe Doch ist^. diese Luskflreichung ziemlich eng abg grenzt ui b außerhalb idrer scharfgezogenen Liniri schwankt fein Blatt. Wunderbare Zchicksale zeichnen solide Lawinen in vaS mbnolone Lebeu ver Bergbewobnrf. . Bald verhallen sie ganze Weiler in nächtlicher Stunde^ and die Leut! sind ri haushDben Zchneenraffen begraben!und ersticke ehe si^ recht errvachen. Manchmal reiße» > sie vie Häubchen wie Kartenblätter wirbelnd;n vie Höbe, unv die Kewobnec 'werden mir heiler Haur abseits in den Schwee gefckl ^den. Heufchubhen sind 50) Zchi itte weit vurck Sie Lu t über Bache getragen und unversehrt mit dem ganzen Heustock auf der anderit Tbalfeite abgesetzt Worten. Bon Verschüttungen und wunderbaren lliettungen der -öenscheu! sind,» sich in allen Ködern Tbäle n altere unv üngere iradilionen. Begreistjch stnv die Ti iere. die in d'r Nabe des Lawinen- oder LftsrstromeS geblieben, .auch Zpielba e desselben. kleine Bögelchen und große Rabra werde r hoch durch die Luft geschleudert: seltner reißt k?r Sch »eestur; eine Gemse mit. Man sagt diesen klug«> Thierei nach, ne vermeiden zur Zeit der?awinen: drüch sorgsall die gefährlichen Gegenden; doch kommen im Frühling ilcht selten Gemsengerippe im Law>nenschnee zum Übrscheir. Mehr als die Witterung der Lawinen» gefatz magste aber ldr Trieb, vie Sonnenseite des Gebirge zu mei »en, vor dem Tode-schützen. Mit de« Winde oerbkl itet nch!auch eine große Masse VeS zu Stßub aufgelöst» n Zchn es mit wunderbar durchdringende Kraft nach er Tiefe Solcher Staublawinenschnee dr» ngt durch die fe nsten R tzchen massenweise «n vie Häuser und seht sich ir die wolenen Kleider so fest, daß,er>uröauS nicht auSge ürstel nerven kann. t < Ärur dlawinew entstehen später, als die eben bezeiichikeien, i r Frühling bis in den Vorsommer hinein; die „ldßern gchen ziemlich regelmäßig an östlichen Gebirgstt» ingen zn ischen 10 und 12 Uhr Mittags,!an westliche» zwischen 3 und 6 Ubr Mittags, und ar; tzörvlicken bis sie in den Abend hinein zu Thal. Der Köln in den Höben oder anhaltende Sonnenwärme löst groß^ Schneefelder »vn vielen raufend Ouadrakfuß aus, unt^rfrißt sie theilwe se, zieh« Wafferrinnen durch sie. und erreicht ihre Untrt-lj;e so. d, ß bei geringer Veranlassung ganz^ Strecken gleich;, lig inS putschen kommen. Die liefern Schsieeselder bä> gen sich an, lösen sich leicht vom erweichten, ftßwellenden Boven; Alles ballt sich zusammen. reißt überall nru.i ^hneefel v mir, nimmt Erbe, Schult, Steine, Blö^e fort un > donnert ebenfalls stromartig, aber in bichttre, Masten, über die Felsavänv? oder durch die grwöb»licl en Kurt seu und Lawinenzüge in die Tiefe. Diese Gebilde stieben, weil sie aus feuchten Schneec»»glomeralen best hen unk nch im Gange fester ballen uln» Drän: gen, n cht so reichlich in vie Luft auf wie di^ trocknen Staubla vinen, deren Millionen Iraubperlen - die Atmosphäre l lickten» erfüllen, verursachen darum auch keinen beveuken »en Luft »ruck unv schaden nur durch ibbe' eigene. Bahn, i wem sie. auf derselben eine Maste von vr»e aufwühlen, oder auch, doch seltner als die Staublgwinen, .verheerende Bahnen durch die Hochwälder brechen. Sie führen immer viele TiSmaffen mit und sehen schmutzigtrübe auS. In der Regel gleichen sie weniger einem kolvffalen Schneeballe als einer haushohen Schneewand. Wie viele Taufende von Jnsecteneiern. Larven, Würmern, Alpenpflanzensamen, die sich in» Sommer und Herbste im Bene bes Lawinenzuges harmlos ang,siedelt, werden so plötzlich durch eine oder zwei Regionen getragen und im Tbale abgesetzt, wo sie sich im Sommer doch noch entwickeln. Die Geschiebe schmelzen' im Kessel oder auf der Weide, wo sie stehen geblieben und 30—40 Fuß hoch aufgekhürmte Schneemeere bilden, gar langsam, oft erst im Juli; und im nächsten. Jahre blühen daselbst ganze Colonieen berabgeflößter Alpenpflänzchen. Oft bleiben die Massen in einem Bachbette stecken. Der Bach thaut auf, bildet einen kleinen See, bis er sich durch die 50—80 Fuß breite Schneemauer durchgesreffen und stürzt sich überschwemmend-inS Thal. Ist'die Witterung kalt, oder liegt der Thalgrund hoch und schattig, so bleibt nicht selten die durchgefreffene Schneeinaffe als brückenartiges Gewölbe, das gefahrlos überschritten wird, das ganze Jahr durch über dem Bach, stehen und stürzt gelegentlich im nächsten Frühsahr zusammen. Don der Festigkeit desim Tbale unten anlangenden LawinenschneeS bat man merkwürdige Beweise erhalten. Tie Masse ist so durchgeballl, gerüttelt, geknetet, daß sie zu einem ilisenharlen Kitt wird. Ein Bergmann, der auf dein Splügen von einer. Lawine inS Tbal geworfen wurve, aber unversehrt blieb, vermochte eS mit aller Gewalt nicht, seinen zür Hälfte im Schnee stecken gebliebenen Mantel auS dieser Kirtmaffe bera'uszurnßeilT' DaS außerordentlich langsame Schmelzen der Lawinentrümmer wird unter solchen Derhälkniffen leicht begreiflich. Weniger begreiflich ist die andere Erscheinung, daß die in solchem Schnee Begrabenen in ihrer Tiefe jede- Wort, das von den sie Auffuchenden gesprochen wird, deutlich vernehmen, währendihr angestrengteste- Rusen auch nicht einmal durch eine etliche Fuß dicke Hülle zu »ringen vermag. Neben diesen, großen Lawinen bilven sich vo» Januar hiS April in allen Alpen zahllose kleiner^, meist Staublawinchen auS losem Schneegeschiebe. Sie bangen plötzlich wie Schleier an den Felsenwänden, sammeln sich auf einem GraSbande wieder und stürzen sich aussprudelnd »och über eine Gallerie hinunter. Wir haben schon gleichzeitig an Eine« Bergstock rin halbes Dutzend solcher donnernder Schneesalle gesehen. Es ist dieso eine eigene Art.' wie ver Frühling in den Alpen sich einzuläuten pflegt, ein heimathiicheS, fröhliches Naturschaui'pirl. daß die Kinder des Tbalesich gar nicht daran gewöhnen wollen, einen^Frühling ohne jene rauschenden Silberbänber kommen zu sehen. Unv dennoch sind vle Lawinen von unberechenbar segenSreich.en Folgen für die Schweiz. Nichtbefördert nämlich mehr die Möglichkeit«» Frühling-vegetation in den Höhen als d'rse Art der Entfernung von zahllosen Millionen Lentnern Schnee-. Müßten alle diese Massen, von deren Umfang man sich nur selten einen richtigen Begriff macht, langsam wrggeschmolzen werden, so dauerte dieS wohl tief bis in den Sommer hinein. An manchem schattigen Gelände ginge der