Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 29 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt Zur Lksehrung und Unterhqttung aus jüdischem^gebiele. HerzuS-egebe, vos^ Rabbiner Vr. Äudwifl Philippsou in Magdeburg. sNo SS. 1854J 1)011 0i«irr ■{ritiibrifs t nhfir-t ^red’fniii^ «iitr Nummer. Piei» re« Aatzrt Ldli. Kirrt,> il>r , nur -Irituii ««rrrr^tienni nrdche« Bestell»»»»»! 4«. ini trocheniil^ eine Nummer. Piei» re« Aatzr- . ■* ‘ tA . , , 4 Ngr *D« fud<bdnMun«(n. Poftamrer I I jflnrfl. .V ünBllllil I TfMttfnfti nrbäen BesteUouue» 4«. * w " 8 'J **J ■-W2 rsm-rns? r: rscn:« wr^ Und Gott sah Alles, was er gemacht und siehe! es war sehr gut. , IV. r | . Wrr baden schon in Nr. 18. b. Bl. ein Beispiel aus der Alpenwelt an -dem schrecklichen Fön gebracht, wie auch die furchtbarsten Naturerscheinungen zum Besten der Wesen gereichen, wie da. wo sich dem zaghaften Menschen vie furchtbare Majestät Gottes offenbart, dennoch in ver Tiefe, in den Folgen nur die segnende Liebe GotleS erscheint — wir bringen auS derselben Landschaft (der Schweiz) noch ein anderes heran. 4. Pie Aawine (der Schneesturz). Sieh! ein Starker, Gewaltiger vom Hrnn, »ie Hagel» wetter. verderblicher Sturm, wie WeNer gewaltiger, »viheoder Wasser, stürzt sie zur Erbe mit Macht! Zefch. *48. t. i Sr giebet Schnee wie Wolle, streut Reif wie Asche, wirst v>« wie Stücke, vor feinem Frost wer kan» bestehen? Er schickt sein Wort und wacht sie schmelzeu; läßt sei« neu Wind web'v. Wasser rieseln. Psalm 447, 46—18. Zu den eigenFdümIlchsten Erscheinungen der Alpen» lanrschaft gehören die Laviaen, diese ungeheurest. donnernden Schneeströme. deren Majestät eben so groß ist, als die Furchtbarkeit ihrer Gewalt. Sie kehlen regelmäßig wieder, hoben ibre bestimmten Züge u»d Gäinge, ihre Ressel, in Fenen sie ausgehoben werden, ihre Lager- 'Tcl-tkr, wo die bewegten Massen zur Ruhe kommen. Eia großer Theil der Alpen bedient sich dieser Ranöse. umfich stellenweise ungeheurer Schneegebiete zu entledigen, und zwar mit einer Regelmäßigkeit, die sich nach Woche», ja nach Lagen berechnen läßt; genaue Beobachter können oft die Stunde bezeichnen, wo die Lawine kommen wird. Die Formen Vieser Schneestürze sind mannigfach. Die Entstehung der Lawinen ist durch den Aufbau, und die Böschung ver Gebirge, durch die angehäüften Schpeemaffen, durch die 4empegarur und eine Menge kleiner Veranlassungen bedingt. Man unterscheidet S taub» unv^Grundiawinen. Die Staublawinen find gefährlicher, gewolti ger, unregelmäßiger. Sie treten nur im Winter und ersten Vorfrühling aus und entstehen, wenn auf eine feste, harte Schneedecke große Lasten neuen, körnigen, losen Schnees fallen, l .Dieser bat. wenn die Abhänge etwasteil sind, keinen Halt auf jenem: daS Einstürzen eines kleinen Gchneegesimse» in der Höhe, der Tritt einer Gemse, eines Hasen, ja das SchneebällMe«, daS »0n eine» Strauche fällt unv forirollr. oder irgend eine Lufterschütterung, bringt dieganze neue obere Sckneefelv in Gang; es rutscht erst latigsam in einem Stückr fon. reißt! dann die lieferen^ Äafsen mit. überwallt, stiebt auf. tbeilt sich. Das Drönen der Masse durch die klare Luft und der entstehende Windzug führt von allen Seitpsthalvrn neue Tbeilstürze herbei. Mit rasender Eile, immer furchtbarerer W»Lt und dröhnendem Gepolter stnrzi der Hauptstro« der Tieft zu hat schon die 'Holzgegend als breite, hochgethürmte lIturmfluih erreicht, reißt Steine. Büsche mir sich und bticht krachend in den Wald Du siehst nichts ,«ls donnernde und sprühende Nebel; unendliche Schneestaubwol» fnt verhüllen den Gang des Stromes, dessen ganze Bahn raucht; aber die Bäume krachen. daS FelSgesteS bebt, die Zinnen ballen im Donner des Sturmes lange, bange Minuten nach, — noch rn Schlag und zitterndes, knirschendes, dumpfes, unaussprechliches Gepolter.-— dann ist eS still. Eins schneidender Luftzug har den stolzen Gang der Lawine begleitet. Du schaust ihr nach; geradeaus, über zwei Stunden lang. Hunderte von Schritten breit liegt ihr frjsches-Ranalbett durch Alprnweiden, Wilder. Wiesen, bis an den Bach tief unten im Thal; noch rollen einzelne Ballen und rutschen kleine Stürze nach, noch schwankt der durchbrochene Hochwald im Winde vn Dnheererin. Vom Thale aus gesehen ist die Raia> strophe malnischer; doch entdeckt man selten die Anfänge. Der sich ausbrritende. mit Riesenkräften wachsende, wass^rfallgleich übn die Felswände stürzende, hochausrauchendr Strom,' wie er sich oft theilt und Wieder vneinigt. vie Seitenarme, aufnimmt, ein wallendes, fiuthendes, glLazendes Meer in pfeilschnelle» Schüsse mit allen weitreichenden Seitenwirkungur. gewährt ein unaussprechlich großartiges IBild. Wenige Minuten und die Tochter, der Hoch» alp liegt nach einem schauerlichen Tanze friedlich und bewegungslos in der Thalwanne. Vier- bis fünftausend Fuß hat ste im siegreichen Donnergange zurückgelegt und chren Leib majestSifch in die fliegenden weißen Gewänder gehüll«, um bald i« Schooße des Thalbettemit gklLüen Gliedern zu ruhen. . Der Bewohner der Ebene macht sich selten kinen rrch- Ligen Begriff von den wunderbaren Stormbewegimgea. von denen eine solche Staublawine begleitet wird. Der Luftzug strömt stoß- oder schußweise rechts und links et» lliche Hunden Schritt, weit neben dem Lawinenzug, schießt über in seiner ganzen Breite unten über dft liegenbleibende Schneemaffe hinaus, prallt oft an der gegenüberliegenden Bergwand an. oder verliert sich in der Werte des Thales, wo er noch aus «ine halb» Stunde weit dto Fenster und Thüren per Wohnungen erschüttert und die amine von den Dächern' hebt. In den Wildern reißt Kami