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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 27 (1854) · p. Seite 106

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
27 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 106 (sequence 2)
Language
German
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Vaterber; > rollen lang im über seine bleichen Wangen.. Plötzlich erhob achiunge trüben Bet durch da- Linder, die wenigen Pl inuten kl Mann begi aßke uni rra: „Liebe Vergissest >u ganz k,n Lein, bot und rienke an ver. Krau, venfe ich in der <Ir inerung ^Lesterionen Worte zu w.lNdte ne für die Fa Se'undh«tzt untergräbst? O. David, schone Dich unsere Linder." — „An unsere Linwahrlich oft/' enrgeznete Blumenthal an seine eben unterbrochenen trüben schien den webmürhigen Sinn seiner denn einen Seufzer unterdrückend sich ab > «v in stiller Geschäftigkeit breitete sie nilie -da« ärmliche Frühstück. Untervtß käme» nach und nach ein sechzehnjähriges Mädchen ur v;weiL aben. ver eine zwölf, der andere etwa fünf Jahre grüßten de, Varrr Vater." rbeuren gen, lieber gebliebenen Winkel des beten uav iton um rrerstem He bestärk nige^Gebe zu senken, seiner.hoch einfachen K er vre für zurcer: ,.J edrückt a», und zwei volle, glänzende TbrLnen in rer ntstandei e Geräusch vie Gattin und vre drei mgrenzenben Lämmer schliefen. Nach al elftere ein und indem sie rbren idm-inS Antlitz fab, sagte sie trau» David J bast wieder gewacht und gearbeitet? wie sebr Du vurch nächtliche Arbei« und n> verstehe uegeregt> übmale ,106 ich Blumentbal hastig, um sich seinen i gewaltsam zu entreißen und. weckte alt. aus der Lämmer in vie Sruhe und bemit einem fr'eunvlichen: „guten Mor- Jnnig unv herzlich küßte er die ihm Wesen 'und' zog sich hierauf-in einen Zimme s zurück, um in stiller Andacht zu Lran kür den beginnenden Dag aus zen auztistebm. — vurch len Trost, ven im reines.Tiirt neun* nie ver eblt. in Vas Gemürb veS Unglücklichen umenrbal an vas bevorstebenoe Tagewerk unv t er Beruf ssreubigkeit, vie einen schönen Zug in seinem evle, Ehara! ier bildete, trug viel zur Beruhigung n Gefühle bei Nachdem er an hem ver Kamille Dbeil genommen, nahm >en Unnrrichr nörbigen Bücher unter den Arm. grüßte Kral ünv minder und wollte eben die schwelle überschreitet, als er sich noch einmal umwanvte uinv .vem. ältern Lna en in uiruhigem. zitterndem Tone die! Worte cob. lterer Lohn, mußt beut noch zu Hause dletben. vie leicht m rgen^ ja sicher, morgen sollsi Du-wieder mit , ini in die Schule geben." — Eine ganze Lei vensgefchlch t lag ir diesen wenigen Worten. Wer weiß es nicht, i,-wie z vrückter Lage sich ein Lehrer befindet? Aufs Spar ichste de older, erkämpft er an jedem Tsge das karge ^örot für sich und v.e Sernigen, arbeitet er poit früh btS st ät und ermag es dennoch nicht, allen Ansorderunzen d> s Lebcg zu genügen. Unverzeihlich, durchaus sünvlich ba veln vre enigen, welche dem Lehrer dar ihm zukommendi Honorc r auch nur einen Tag lang vofentbalren ober . ac »erkr-zen. . Wohl'wissen wir. daß .solche Vergehen > fter in der GleichgFltigkeir unv Sorglosigkeit der Kehlendm feinet Grund Habei als im Mangel'an gutem Wille«; wollt« sie aber erwägen, wie durch fort-' währende i jürstigk» l sich der Lebensmuth de- ^hrerS abnützk, wie sich fei, e Berufsfreudigkeit in Bitterkeit verwandelt, > >ie er fe ne Freiheit .und Selbstständigkeit ver» lr.rt dadur« . baße: gezwungen ist. die Hülfe solcher anzusteben. di: tief mter ihm stehen, wollen sie sich an so viel Elend erinnern wahrlich sie würden'nicht allein ihre Pflicht cfmi; sonder i Opfer bringen, um de« Lehrer fein Dasein zu rhellen, wie er ihnen daihrige durch Her. anbtlvung ihrer Linder verschönert. Blumentbal mußte bei seiner Zartheit und Schüchternheit unter dem Drucke d'eS Mangels doppelt leiden. Nur vann, wenn vie Noth ihm gar zu star^ inS Auge gesehen unv er''den Hunger für vie Lei-i^tn gefürchtet hakte, batte er sein widerstrebendes Gefühl überwunden und wohlhabendere Mit» qlreder seiner Gemeinde IPn augenblickliche Aushülfe gebeten. Besonders hart ^lraf ihn der rauhe Winter mir seinen gebieterischen Forderungen, unv trotz aller Anstrengungen vermochte er nrcht vie Mittel zu ven nordwendigsten warmen LleidunzSstücken zu erschwingen. So halte er den liefen Schmerz, sehen zu müssen, wie sein allerer Lnabe, der lernbegierige und steißtge Jacob, vom SLulbesuche abgebalken wurde, einzig deshalb, weil er ihm nicht eine der herrschenden Lalle entsprechende Fußbekleidung anschaffen konnte — Je mehr sich Blumenthal dem Schulgebäude, daS in geringer Entfernung in einem Seirenzäßchen lag, näherte, vestomebr schßo'anven die düstern Wolken, die sein Jnnereurnlazert batten, und alS er unter die lärmende Jugend trat, da war er ganz.' ver freudige, mulhige Lebrer, der sich verjüngt im Umgänge mir der Jugend und sich glücklich füdlr ist' ihrem Glücke. In der Thal war es ein erguickendeS Bild, welchedaS bunt unter einander hüpfende uav jubelnbei Völkchen gewährte. Hier versuchte es ein derber Schwarzkops, sich so schnell als möglich von dem Pulre. auf dem erzum unaussprechlichen Vergnügen einiger Zuschauer in reitender 'Stellung einem Lunstreiter nachahmte, her das Städtchen paffirt harre, auf seinen Platz gleisen zu lassen, und alS ihn der Lehrer zufällig anbltckte, fast er da iqu einer Miene, als ob er stch feit Stunden nicht vöm Flecke gerührt hätte und er schien aufmerksam vie Fliegen zu zahlen, die in rovtenabnlichem Zchlare an der Zimmerdecke klebten. Dort hob stch vorsichtig unter einem Pultehervor vaS^ Haupt' eines zarten, siebenjährigen BürschchenS;..und als feine Augen vaS Niveau .VeS Pitltbrenes ^erreicht hakten, spahere er hübsch vorsichtig, ob eS auch^gefarhen wäre, stch vollständig zu erbeben und erst nachdem er das Terrain wahrscheinlich sicher gefunden, stauv er plötzlich in Lebensgröße da unv starrte so gestaunt auf die Larre von Preußen, alS wollte er den Lau- -ver Oder in seinen kleinsten Krümmungen verfolgen. —j Wenige Augenblicke nach dem Eintritte veS LebrerS berrlltzte eine musterhafte Nuhe und ein Lnabe "auf der ersten Bank sprach mit reiner, silberheller Stimnle ' das Morgengebet. ' Zu seiner Freude sah Blumenrhal trotz der zienüich strengen Lallt ven bei weitem größlm Therl seiner Schüler .versammelt; nur vorn auf der ersten Bank war ein leerer Platz,' der fernem Jacob gehörte uno — wie ein. Schatten zog es vor dem Lehrer vorüber. Poch bald fühlte er sich so angenehm berühr« von dem frischen Geiste, der ihn auS der reinen Lindersphäre anwchete, vaß sein Inneres der beruhigten Meeresoberfläche glich, der man eS kaum anmerkl, daß sie kurz vorher der Tummelplatz wilder Stürme gewesen ist. —- Ein regeS Leben entfaltete stch jetzt in dem Schulzim» mer. Wahrend Blumentbal selbst da- Ganze überblickte, hier freundlich lobte, dort ernst, radelte, gingen ihm die Litern Schüler und Schülerinnen lhLtig zur Hand. An dieser Seite staunten einige kleine ABEschützen die zolllangen Buchstaben an. die ihnen von einem sehr gelehrt

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