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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 20 (1854) · p. Seite 79

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
20 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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I 1 senkt? --- AL draußen schwül, uilv drinnen kühl, und der Jünger fitzt und — schweigt. Der Rabbi siebet eS und lächelt, und rurel dann «it lauter Stimme: Hört Ibr's Alle wobl! TuS Weib, von I dem ich spreche, bar sechsmal hundert tausend Binder »it Einem Male zur Welt gebracht. — Da wird es rege und lebendig, munter heben sich die Köpfe,'staunend blickt das Aug' empor: Wie? was? wo von ist die Red,? Wie bieß vaS Weib? wer ist die kinderreiche Mutter? .ES ist ein Mabrchen wohl, daS der Rabbi da erzählt! —, Doch MLhrchen will ja Kieker kören. und nach Wundernlechzt daS Volk. — Der kluge Rabbi aber sprach: DaS Weib,! das hieß. Jochebed. ibr Mann war. Amram geheißen, ihrer Söhne Einer aber war Mose- — und der hatte hoch zum mmdrsten den Werib von 600.000 Kindern Israels, die au- Aegypten er geführt. Sie waren der vielgliederige Leib, er die Seele, die sie regiert, der Geist, der sie belebt. 3n idm -hat Mutter JoLebed 600.000 Mann gedoren. . Also sprach der Rabbi weiter von den Geistern, die der Herr so reich begabt, und Vit Göltet Willen den Er» denkindern melden — und die beschämte Schülerschaar bön nun aufmerksam, wie Wort an Wort und Satz an Satz sich reibet. t. .Würze und Perlen. , , Zwei Meister, Ehija und Abubu. kamen in Pumpeditba ^in. I . ' Hörlustig ist daS Dolk und strömt herLei, um an der Hand der kundigen Führer durch Veö Wissenstvlzen Bau zu schreiten. Ebija war weil und breit bekannt^ ein scharfer Geist, ein gründlich Wissen zeichnen ihn vor Allen au!t. — Er /soll zuerst den Dorttag halten. Mit Meisterschaft ordnet er den tieibegrünvelen Stoff, tiefe Blicke läßt er in den reichen Schacht de- Geiste- ^thun, ernst und gemessen paßt dem Gedanken er! die Worte an. Man lauscht zuerst, doch man ermüdet bald — man gehet von dannen, man kommt nicht wieder., —r Des andern Taget soll Abnhu sprechen. 2hm ward der Rebe hohe Gabe, de- Wortereicher Schatz zu Thril Leicht schürzt er der Gedanken Knoten, leicht und spielend hat er ihn grlöset. Sagen und Mähren erzählt er dem Volke, daso vergnüglich lauscht^ und immer neu drängt die Menge herbei — ihr Wissensdurst ist unersättlich. — Drob kränkt sich Chija gar sehr, .daß i^m so wenig, und dem Andern so viel de- Beifallwar geworden. Doch Abuhu tröstet ihn und spricht: , „Mein Bruder! Du botest ihnen Perlen^ und Edel» .stein. Die finden selten einzn Käufer; denn Deine Kun» den müssen reich, müssen sachverständig sein. Ach dagegen bin ein armer Krämer wohl, der Würze und Balsa« für den Hau-brauch nur verkauft. Wer ist so asm, ein wenig Würze nicht kaufen zu können? wer so unverständig, ihren Dust zu verschmähen? Mein Bruder! -aß die Würze den Armen, deren S so viele giebt, und die Perlen — «i nun — die halte für die Reichen." 4 j Audsm 3. EapiieU l ^evßerc und innere Natur. *! i. Der Seele Haut-ordnuug. In jeder wobleingerichteten Gesellschaft, da hat Jede- '. jirinrn Platz und Jedeseine Stellung. V Einer regiert und befiehlt, ein Anderer befolgt und^ r hollziehet: Ein<r wacht und wahn, ein Anderer geborcht -nd vollstreckt. — Zm Hause, da herrschet der Vater, gehet hinau» und affe» berbei — Die Mutter, still und sorgsam, di« - Ordnet und schlicktet und verwendet, wat der Bater hat beimgebrachk ztt de» Hause- Nahrung und Zehrung. Die Kinder gehorchen, oder solltestdoch wenigstenthun; die Söbnr, die lernen, die Töchter,., die walten, die Knechte ' ^nd rüstig, die Mägd, sind rührig. — Und so Jedethut. waidm. geziemt? da bat d'a- Hau- Bestand und Dauer. , _ Und tief im Zm'ern de- Menschen, da ist eben sine solche HauSorbsung: - Da fchaltrt der Verstand, , der große Hausvater, unk jagt hinaus in die weite Ferne.— Die Augen, fjine Röffelein. gar behende und flink, die ttagen in- GewÜhle ihn, die Obren, seine Gpäber,. bringen von Weitem ihm t. . die sichere Kunde.' — WaS er dann auder Fremd« hat '' geholt, dabringt er fein unter- Dach, und hämmert und fügt und 'bildet daran in seiner großen Werkstatt drinuea, und macht Gedanken daraus. Gedanken stolz und gdoß. Die tbut er dann alle in die -geräumigen Speicher des Gedäcktniffes für de- Hauses Bedarf. - ' Die sinnige Mutter, die treuliche HauSfrau, die stille G emütblickkeit, bleibt fein und züchtig zu Haus«.' in der ruhigen HerzenSklause, und aus dem. was Vater Perstand bat heimqebracht auf der Sinne tummelnden Röffelein. bereitet ste wärmende Nahrung, und spinnet Leid und_ Freud, und webet Lust und Weh daraus. Drum merke, es kommt nur auf die Hausfrau an\ auf die Priestierin - in de-Hausestillen Räumen, ob «S unS behaget, wenn wir da einkrhren in unser tief innerste- Selbst. Dagiebt * und kein Verstand der Verständigen, dagiebt unnur dareine, lauteres züchtige Gemüth. Ist die Hau-frau wacker, stehet Alleschmück Und zierlich darein. — Und die Hauskinder, die Geisteskmderchen alle, die um den Vater und die Mutter in bunter Menge sich " schaaren, die bleiben auch nicht auzu de- H.ause- Segen. < Phantasie, die ..große l Haustochter. mit bunten Bändern und flatterndem Gewände, die stehet der Mutter > Kemütblichkeit wacker bei, schmückt und putzt dagange \ Hau-, nähet bald dem Junker Willen, der so stolz dahergentten kommt, den buschigen Muth austolle Mützchen. webt bald den Schwesterchen, Söhnen und Ahne»» ein feingesponnene- Kleidchen; bald wieder giebt sie den kleinen Schreiern, Träum<^ und Wünschen, ihr Desperbrod, erzählt ihnen wunderhübsche Rährchen, und legt ste dann zu Bette. Von den Neigungen, Launen, Gelüsten, die mit bunten Ballen strte^n. und wijtzfk» der Kammer haustten, wmn Vater Verstand nicht bald ernste Miene macht, wäre altzh noch Manche» zu sagen. Ist auch ein Hauögefinde da, rührige Mägde, rüstig« v ■ 1.1. - r. j

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