Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 18 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/4908862-5999329-6000605--0150-4908947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
70 r* LjchteS enyproß ne, der die Wahrheit, die £kw, das Recht will — es ist ein lichtblauer Himmel, der sich über meiner Seele wölbt. und. der darüber steht mit Sonne, ond und Sterne — auch wenn Wolken des Jrrthum- und Stürmv-der Leidenschaften über diese Seele kommen -Ond ne verdüstern — — . Herr, Zebaoib, Du hast ne Aegehen l .... - r*a rrn ra? -arr rr>s rrr?« arr Und Gott sah Alles, was er gemacht, ugd siehe, es war sehr gut-,.. »i. ' [ Wir haben in No. 9. Unseren Lesern verheißen, wenn sie uns aus die Kometen und in das Polarmeer gefolgt, sie auch in die Alpenwelt hinaufzuführen, um ihnen von der weisesten. Zweckmäßigkeit einige Bild« zu zeichnen, welche durch alle göttlichen Gebilde hiadurchgebr*)i f. ' Aer /shu ober Alpenstnr». 3m ganzen Bergrevier der Schweiz ist, mit Ausnahme weniger Gebiete, kein Wind bekannter und von großarligererKirkuqg. als der § ö b n. (Kr ist nich^em örtli- ^ekTlonvern ein allgemeiner, europäischer oder vielmehr afrikanischer Wind. Wie die Ouellen des. kcsiten Nordfiurms wahrscheinlich die Polareisgebiete, die. her feuchten, regenbri'ngenden Westwinde der. atlantische Ocepn. so stnv die der oft glühend beißen Südwinde (Föhn)! dke brennenden 'Sandwüsten Aftika's. Nun scheint zwar der . Zug der Alpen unS gegen diese zu schützen; aber sie verstarken dieselben in der Tbat. Ist der beiße Luststrom über den Alpen angelangt, so möchte er wobl über diese und ihre Thäler bock hingeben; aber die Kalte deS Schnees kühlt einen Theil seiner Rankwcllen ab, .so daß er sofort schwerer wird und in die Tbäler oiederstarzt: Dies ist dann-um so mehr der Fall, wenn die Gletscher, am kältesten sind und die Thalluft von der Sonne nicht-«- -wärmt ist, wo also die Ausgleichung der Lufftvärme auf eine gewaltsame Weise 4or sich gehen muß: Darum ist der Föhn im Anfang Frühlings in den Bergchäle n am-häufigsten; sind die Tbäler von der Sonne erwart u, so baust er noch in den kälrern Hochalpen. Die Erschei! ungen, dje ibn begleiten, sind sebr hübsch. Am südlicher.Horizonte zeigt «ich ein leichte-, sehr buntes Schleiergewö k. daS sich an die Bergspitzen'setzt. Die Sonne geht aA—Karkgerötbelen Himmel bleich und glanzlos unter. lisch lange glühen die Wolken in den' lebhaftesten Pur^urlinrrn. Die Rächt bleibt schwül, thaulos, von einzelnen kä> teren Luft» strömen flrichförmig durchzogen. Der Monh hat einen röthlichen, trüben Hof. Die Luft wird ganz durchsichtig, so daß die Gebirge viel näher erscheinen: der Hintergrund nimmt eine bläulich, violett^ Färbung an. Bon fernher ertönt - daS Rauschen der oberen Wälder; die» Bergbäche tosen mit größerer Schmelzwaffersüll.e weilbin durch die stille Nacht; ein unruhiges. Leben scheint übervll rege zu werden und dem Thale sich zu nähern. Mit einigen heftigen Stößen, kalt und rauh, kündet sich der angelangtc ') Wir betnitze» hierzu „DaS Thierlebe» i» her Alpeswelt. Lo» Fr. p- DschNdi. Zweite Auflage." Leipzig, 4^64. Föhn an, woraus plötzlich tiefe Still, der Lüfte folgt. Um so heftiger brechen nun di; heißen Föbnstutben inS Thal und schwellen zu rasenden Orkanen auf, dke zwei bis drei Tage das Gebiet beherrschen, die ganze Natur in unendlichen Aufruhr versetzen,' Bäume" in die Tiefe schleudern, Felsstücke losreißen, die Waldbache aufsullen, Hauser und Ställe abdecken, und zum Schrecken deS Landes werden. Auch die Tbiere leiden unter dem Einflüsse diese- Windes. der die Sehnen erst überreizt, dann aber erschlafft. Die Gemsen ziehen sich aus die Nordseite deS Berges oder in tiefe FelSkessel. Kühe, Pferde, Ziegen suchen nach Mischer Luft, während der Föhn ihnen Rachen und Lunge auslrocknet. Kein Dogel ist im Wald und Feld zu erblicken. Die Menschen theil^p daS allgemeine Unbehagen, daS dem Gemükhe eine - lastende Bangigkeit aufdrängl. Gleichzeitig 'wird sorgsam das Feuer deS Heerdes oder Ofens gelöscht. Zn vielen Thälern ziehen die „Feuerwachen" rasch 'von HauS zu HauS, um sich von jenem Auslöschen zu überzeugen, da bei der Ausdörrung alles Holzwerkes durch den Wind ein einziger verwahrloster Funke großes Brandunglück stiften kann. Und doch trotz dem, daß der Föhn gefährlicher als jover andre Wind deS Gebirgeist, wkrd. er im Frübling mit Freuden begrüßt. Im ganzen Derggebiet bewirkt er ungeheure Schnee- und Eisschmelzungen and verändert dadurch mit einem Schlage das Bild der Landschaft. Im Grinvelwalvthale schmelzt der Föhn oft in zwölf Gründen eine Schneedecke von 2V4 Fuß Dicke weg. Er ist der rechte Frühlingsbote und wirkt in 24 Stunden so viel, als die Sonne nicht in 14 Tagen. Za er ist in vieles schattigen Hochthälern geradezu die Bedingung des Frühlings, wie er cm manchen Orten der Ebene im Herbste die Reife der Traube bedingt. Würde er nicht von Zeit zu Zeit die zeugende Wärme bringen, und dir neu versuchten Schneeansätze wegfegen, so.gäbe es in manchem Hochthale keinen Sommer und kein Leben, sondern wahrscheinlich nur — stetS wachsende Eisfelder. Zn-Uri. rcr er sehr häufig und anhaltend webt, verdanken es ihm die Einwohner, baß die Gletscher so. wenig tief in die Bergrhäler binunterreichen. und die Alpen früher befahren werden können, alS in den meisten gleich hohen Geländen. Dabei ist der-FKhrt zum großen Glücke der Menschen und Felder ein sehr vorsichtiger Sckneeschmelzer. indem er zu gleicher Zeit -den Schnee schmelzt und das Wasser massenhaft verdunstet. so daß er hierdurch die Niederungen vor gefährlichen Ueberfiutbungen der Dergwaffer schützt. Gewöhnlich regiert dieser merkwürdige Wind nur in Anwesenheit deS mit ihm kämpfenden ober von ihm überwundenen. Nord- oder BiSwindes. DaS Gewölk zeigt deutlich den Tummelplatz der Luftströmungen. Ost, besonders im Herbste oder Vorfrühling, herrscht der Föhn Wochen lang mild in den höhern Alpen mit dem schönsten Wetter.' während die Thalregion wenig Nordwind oder gar keinen Luftzug hat. Daher die wunderbare Erscheinurzg, daß oft im December und Januar die höchsten Wälder und einzelne Bergtheile schneeftei sind, die FrühlingSgentianen daselbst blühen, Mücken tanzen und Eidechsen spielen, während unten im Thale am Rande deS Daches die großen Tannenäste unter der Wucht des Schnees seufzen und das Bachbett in Eisspiegeln glänzt; oder daß t