Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 17 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 Lherrlich geviehen, unv zahllosen Seivenwürmern z»r Nahrung dienten; dir gewonnen.' Seide wurde an Orr und Stelle verarbeitet. Ich ließ Wolle au- Spanien kommen und venetianische Tuche daraufertigen. Zu allem diesem verwandte ich so viele Juden wie mögtich, und zahlreiche Gemeinden erhoben sich in Liberia- und den sieben-Klecken im Umkreise. Meine Neichthümer wie mein Ansehen wuchsen durch diese glücklichen Unternehmungen von Tag zu Tag. Wer prieS. mich nicht glücklich? . . . Nachdem diese Anstalten und Bauten im besten Gange waren und den schönsten Flor verhießen, berief mich der Sultan zurück, um in die Pforte einzutreten.und seinen Ministerrath durch meine Kznntniß des Westen- und meinen einsichtsvollen Rath z» unterstützen. Ick eilte nach' Srambyl zurück, indem ichf einen treuen Verwalter, Joseph ben Aderelh, in Ttbrriaan die Spitze meiner Anstalten einsetzte. Ach, meine herrlichsten Güter ließ ich dort zurück, ohne sie je wieder zu sehen . . „Soll ich Euch, geliebte Brüder, weitläufig beschreiben, was ich Alles in meiner neuen Stellung gethan, und wie einflußreich mein Wirken ward? Die Größe de- Reiche-, daS mich und Hunderktaufende meiner Glaubensgenossen so wohlwollend ausgenommen, lag mir vor Allem am Herzen. Unbestechlich, durch keine Gunst ver. lockt, durch keinen Haß erschreckt, hatte ich unablässig vi, Macht und Würde meine- Monarchen im Auge. Und wie oft ist eS gekommen, daß Fürsten, die in ihrem Staate oder Staatchen die Juden auf- Feindlichste mißhandelten, zu meinen Füßefl lagen und um meine Gunst buhlten,' die ich niemals ohne die Bedingung bewilligte, eS meinen Glaubensgenossen zu Hause vergelten zu wollet»! Die Türkei steht jetzt so mächtig da, daß Lies von keiner kleinen Erleichterung für' unsre verfolgten Brüder ist. Durch meine Bemühungen kam eS. daß die Türkei Venedig de» mütbigte, unv ihm alle Macht im mittelländischen Meere entzog. AIS diese stolze Republik daniederlag, richtete ich meine Aufmerksamkeit -wider Spanien. Ich rietb dem Sultan Selim, der Soliman dem Großen gefolgt, dem &b nige von Spanien den Krieg zu erklären, um so in'Europa immer mächtigern Einfluß zu gewinnen. Ich brachte eine Verbindung zwischen den Niederlanden und der Türket zuwege, um jene zu ermuntern, wider das tyrannische Joch Spaniens fich zu erheben. Bald würde mein Monarch Spanien so beschäftigen, daß diesean Holland nicht zu denken vermöchte. Diese Vorstellungen fanden in.Antwerpen so vielen Anklang, daß »tan eine große Sammlung zur Unterstützung der Türken veranstaltete, welche außerordentlich günstig -u-stel. Go vergingen die Jahre. Lasset mich nur noch zweier Umstände erwähnen, um Euch meine Stellung in Etambul zu erweisen. Alvor einiger Zeit die Gesandten de- Kaiser- Marimilian H. in Konfiantinvpel erschienen, um einen vortheilhaften Fri.-den zu vermitteln: da machten sie nicht allein mir ihre Aufwartung, sondern sie überreichten mir auch, wie allen höheren Pfortcnminifiern im Namen ihre» Gebieterein Geschenk von zweitausend Dukaten. Ich abet nahm dieselben an, nur um sie sofort an die türkischem undjüdischen Annen zu gleichen Theilen zu > spenden. Kurze Zeit darauf fand eine fttrchlbare Feuersbrunst statt, wie sie seit Menschengedenkrn nicht so groß gewesen; sech-unddreißigtausend Häuser brannten ab; im Quartier unsrer Glaub« a-gtnoffen war st« au-gebrochen. und diese waren ihre b esonderen Opfer geworden. Nicht allein, daß ich alle «ueftie Kräfte anwandte, um dem Elend zu wehren, der < rultan beglückte mich mit dem Aufträge, von Staat-seitrn t ie Noth zu lindern und den Schäden wieder berzustelle t. Bald stiegen zahllose Segenswünsche für mich zum Hittmel, denn ich sparte Nicht-, um Etambul prächtiger aus der Asche erstehen 'zu lassen." - „Endlich, meine Brüder, erstieg ich vor/venigen Mon- _ vrn dest Gips l dessen, was aus Erden eine« Greulichen werden kann. Der Herzog von Naro» hatte sich in dyn Kampfe mit Venedig zweideutiger Handlungen schuldig gemacht. Du cch List kamen die Papiere desselben an die bohe Pforte; und waS zweideutig geschienen, erwie» fich als treuloser Berrath. Der Sultan beschird ihn nach Stambul und entsetzte ihn aller seiner Würden. Da wurde ich eine- Mm gen» unerwarteter Weife durch einen-Etaat-r boren nach de: Pforte befohlen. Ich warf mich in meine AmtSkleidung und eilte, dem Befehl zu gehorchen. Alich zur hohen Pfotte kam. ward ich in den graßen Rath-- faal vor den Sultan und den versammelten Divan geführt. Dicht vor den Thron geleitet, und noch immer nicht abnend, wadiezu bedeuten, istand ich tief gebeugt da, als der (rultan mich anredete, meine Verdienst« um fein Reich lvl enb erhob, und mir kund that. daß er mich — zum Herzoge von Naroerhebe, von ParoS, Androun > den anderen Eycloden, und zwar unter Oberhohe t de- Großherrn volle Souverainetät au-» .' zuüben T - „Meine S «fühle in diesem Augenblicke,könnet Ihr Euch . leicht denken, theure Brüder. Aber in den Stolz, daß ich, ein armer fli chtiger Jude, zu solcher Höhe erhoben worden, in den Dank gegen die götlltche Vorsehung, die 'allein .„erheb: und erniedrigt" — mischte fich da» Bewußtsein der ttaurigen Einsamkeit, in welcher Niemand, Niemand, de: meinem Herzen nahe steht, meine Freude und meine Erfolge theifte . . . Mit hem Danke. den ich meinem How-rrain schuldiger Weise au-sprach, verband ich die Bitte, be> or ich in meine neue Heimath abginge, mir i e ftei zu geben, um — hierher zu Euch zu eilen. Ich bin zu rechtet Zelt gekommenZ' ,;DieS, tl eure Brüder, ist in schwachen Umrißen, waS zebn Jahren erlebt habe — ich kann befriedigt zurüc sehen, eS ist eine glänzende Rolle mir zugefallen, wie ftllen in unsrer Zell einem Sohne Hüha'»— aber, 'Ihr f agt, war die» Dein ganze- LedeH? Hast Du un» kein- Geschichte Deine- Herzenmitzutheilen? Oder war di:» allein in den wechselnden Verhältnissen de- V äußern Leben l befangen? ... O nein — Brüder, Ich habe ein We b, ich habe ein Kind gehabt-ach! ich ' habe sie gehi bt! bil Bebü Wenn sondereren Berkehr ist, vom Katih (Schluß folgt.) Anfrage« vnh Antworten. : allen unseren Unternehmungen eunbelrsntß ist, mir £pn Publikum in mnnitttsba- |u treten; wenn es unnicht darum zu tbm» eder herab da- Publikum zu belehren, son- ') Auch I ic| ist geschichtlich.