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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 17 (1854) · p. Seite 66

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
17 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 66 (sequence 2)
Language
German
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66 ..Nacktem ich diesen unfern Zufluhtsort vertäfln batte, begab ich 'mich nach demselben Almena. wohin!ick jetzt wieder zurückgekehrt bin, und-benutzte die Gelegenheit, ein Schiff zu besteigen, und nach jenen Niederl«nden zu fahren, wohin, wie ich erfuhr, so viele unsrer Flüchtlinge ihre Wanderschaft gerichtet.. Ich kam glücklich stach Amwerpen. und nahm daselbff unfern alten Familismiamen, den Don Luigi, unser Vater gesegneten Angedenken-, ick weiß nicht aus .welchen Grünten, ausgegeben lund sich Mieque» genannt, wieder an; ick-hieß: Don Joseph Nass». In Antwerpen machte ich meine Juwelen zu Geld«, und begann einen vorlbeilbasten Handel. ÄS glückte Alle» in meiner Händ, ich war'Einer Derer, tteWfr die Faust nar zw öffnen brauchen, und in derselben! bar sich da» Blei, das ne umschloß, ii^ Gold verwandelt. Aber nicht lange genoß ich diese Ruhe. Woher weiß ich nuht. aber rS entstand eine Unrube über die zahlreiche- Riederloffungm von spanischen und portugiesischen Zudem in den Niederlanden, und plötzlich erschien ein Befebl. der alle Diejenigen unter ibnen, welche nicht bereu» zehn Jahre «m Lande verweilten, verbannte. Ich begab mick nack Lyon.- Hier aber trat in kurzer Zeit eine klägliche Episode ein. Ich .hatte eine Gesellschaft italienischer und.spanischer Ban^ quiej» vereinigt, welche die Mittel vergaben, um die Seidensahrikation <u Lvon in, Schwung zu bringen? sdie daselbst vor Kurzein entstanden war. -Aber gerade beim Beginn' de» Unternehmen» trat rin Mißjahr.für hie Sei- . denwürmer ein. daß die rede Seide einen ungebeuern Drei» erlangte» rbeils auch wollten die Lombardei dasselbe unterdrücken, und kauften den Robstöss auf, kuM. unser Kapital war ^binnen kurzem verloren, und da-nit auch da» nltlnr^^ch zablre all« nicine Berbinvlichkejren au», und sverbaig so .den Zustand meines. Vermögen» ffünffkick. Ich vor rast in Verzweiflung, denn lang konnte hie», nicht so beiden, und ick war ratblvs. wa» beginnen.' Eine» TagyS ging ich cku» User der Rdüne spariren. als von Kerne ein Mann auf mich zukam. den Ick bald für einen Glaubensgenossen erkannte. Er sprach mich nickt an. aber sein «rmlickt» Aeußere, sein von Kummer und Entbehrung! gefurchtes Antlitz war bered?, genug. Zck trat;ü ihm hin und cheilte einige Livre», die ich bei rstir batte, ^it Ibu, indem ich sprach- ..Millah Beßela Mpschchuka bttbren*)"" (ist das Reden einen Gulden, so! ist das Schweigen zwei werrh). Er antwortete mir: , .!„Melach Mamon chaffed**)"" (das Salz des Gelbe» ist llmofengebe»). Dann bub er an: ,,„Jch weiß nickt, wer Ihr-seid und wie Ihr beißet, aber Da» weiß ick, daß die e» Such, welche» ich Euch hiermit überreiche, an Euck-gei fchtet ist. und keinen Andern-—Er drückte m l diesen Worten eio Heft in meine Hände, ich blickte dar ruf. und während dessen war der Mgnn verschwunden. Es war eine Abhandlung in spanischer Sprache überdie Träume (Tratado de los Spenios), und astr Ende derse ben war von dem, welchem diese Schrift übergeben würde, voraus- 'gesagt, daß seiner hohe Würden.im türkischen Reiche erwarteten. Der Derfaffer -nannte sich Morse Almosuino. Vergeben» suchte ich ihn aus, ich« bin ihm erst nach mehreren Zähren wieder begrgnet^wo sch glück» *) Me-illah 18. Lherhnboth 66, i. liebet Weise im Stande war. sein Alter auf immer der Sorgen zu entschlagen." „Ich gestehe, daß diese Prophezeihungwenigsten» die Wirkung hakte, daß meine-.Blicke aus eine von der französischen Regierung gerade ausgebotene Lieferung von ' Waaren aus der Levante, namentlich Damastener Klingen, gerichtet wurden, daß ich diese Speculation kühn übernahm und mir meinem mühsam erhaltenen Kredit vollbrachte. Glücklich ausgefallen, wagte ich noch mehre derselben, und reiste selbst nach Konstantinopel, von dem französischen Gesandten dem erhabenen Herrscher Soliman dem Großen, vorgestellt und empfohlen. Da ich die Vorliebe des Sultan» für Perlen und'Diamanten kannte, so Letzte ick alle meine Verbindungen daran, ibm durch meine Hand die kostbarsten Kleinodien dieser Art zu verschaffen, und" niemals in den Palast de» Sultanszu kommen, ohne ibm eine Kostbarkeit vorlegen zu können. Dadurch stieg ich bei ibm von Tag zu Tag in seiner Gunst. ' Ich wandte diese an, um eine große Anzahl jüdischer Kami. Ijen von unsrer Race nach der Türkei zu ziehen, und ihnen nicht blo» Sicherheit, sondern auch gute NahrungSzweige zu verschaffen. Ich hatte jetzt Handelsverbindungen mit den Niederlanden, Frankreich. Spanien und Portugal angeknüpst, und der Sultan sah mit großer Freude aus die leichteste Weise die Waaren de» Westen» in feiner Hauptstadt in Ueberftuß, ohne sie ander» al» mit Er- .Zeugnissen aus seinen weitläufigen Staaten zu bezahlen." ..Da faßte ick den Plan, noch weizer zu gehen. . Beseelt von dem Eiker für den- Dienst des Sultan», und zu gleicher Zeit der Unzabl jüdischer Flüchtlinge eine sichere Tristen; zu schaffen, schlug ich dem Sultan vor, im. heiligen Lande unsrer Väter Fabriken anzulegen, wie sie in den-chrisilicken Staaten bestehen, und durch welche Tuche mid Linnen den Unterkbanen de» Sultan» verschafft werden könnten. . Er billigte den Plan, bestimmte dazu die Stadt T ibe.ria». - und verlieb mir die ausgedehntesten Vollmachten1 und Vorrechte. Ich erhielt einen kaiserlichen Firma«, den auch der Sultan Selim und sein Sohn Murad unterschrieben. Ick ging selbst nach Tiberia» hinüber, undder Sultan richtete den Befehl an die Pascha vdn Damaskus und Sefar: „„Alle», wa» dieser Mann von Euch verlangt, müßt Ihr ihm bewilligen."" „Ach, welche Einöde, welche Trümmer. fand ich in dem einst gesegneten Liberia-! Aber ich bin kein'Mann, der sich länge beim Webklagen aufhält, ich Ließ sofort die Hand anlegen, die Ruinen lieferten Steine, der See von Liberias Sand in Menge. Aber -ein andere» Hinderniß erhob sich. Eine alte türkische Sage geht, sobald Liberias au» seinen Trümmern sich erhebt, wird die muselmännische Religionen den Staub fallen. Plötzlich tönte diese Sage von Aller Munde, und die Arbeiter legten die Werkzeuge merer. Ich benachrichtigte den Pascha von Damaskus hiervon, und dieser ließ die Rädelsführer fangen, einen von ihnen hinrichten, und — bald hatten sich Alle' bei dem rasch betriebenen Werke wieder eiuge» stinden." „Ich blieb einige Zahre in Tiberia» — achl ich war dort' sehr glücklich, und nicht blo» in meinen Unternehmungen -doch die» nachher, jetzt, meine Brüder, will ich Euch nur kurz die äußeren Begebenheiten meine» Lebenberichten. Ich pflanzte dort Maulbeerbäume, die

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