Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 16 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
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63 Hmir bei, Niemand gesellte sich zu mir. Alich mich so rubtg einige Male umgesehen, und den Zustand dieser erbärmlichen Witte, die mich eine Stunde zuvor noch mit ihren Liebkosungen und Zuvorkommenheitenvüberhäuft bat« ten, erkannte: drebte ich mich um. und verlteß langsam daL Gebäude. Diese Rübe, diese stolze Fassung. machtedie Hunde verstummen, nur als ich. draußen, war^ hörte ich sie wieder kläffen u>id rumoren, ich beachtete c£ nickt. AIS ich mich in meiner Wohnung gefaßt baue, überdachte ich. was geschehe» war. Die Art, wie si!h bei dem Bannflüche deS verkebrten und gehässigen Rabbi die Leute betragen hauen, konnte mir die Fortsetzung meiner Vorträge nur gestatten, wenn mir eine eklatante Genugrbuung gegeben würde.. War dieS aber denkbar? Vo^ reir we. »igen Spaniern allein konnte ich nicht sprechen, llnd wer batke.nlir diesen Schlag beigebracht? Der Vater mcines zukünftigen WeibeS. Konnte dies geschehen [fein ohne den festen Willen, das Band zu zerreißen, - bas mich an ihn knüpfte? Je mebr ich jekeS Wort, welches der'zornige Rabbi gesprochen, überdachte, desto mebr ward mir di.S zur Gewißbeil. Also Beide», meine Ebre und meine Liebe, sollten Schiffbruch gelitten haben durch den Wahnwitz eines in feiner Eigenliebe' gekränkten Greifes? Ick konnte t» nicht fassen. Aber ich sollte eS bald. Denn ein Bote überreichte mir einen Brief, der schon den Tag vorder (am Freitage) abgefaßt war und welcher nichtS, als die letzten Wone jener Rede enthielt mit der Unterschrift öcs Rabbi So durchdacht, so vorbereitet war . das Manoeuvre des kleinen ManneS. Ich war.empört. Ich sah noch einen Wegl vor mir: ich wollte ein öffcneS Sendschreiben erlassen, lijt welchem ich den Mann, der den Bannfluch auf mich geschleudert, öffemlich der gröbsten Unwissenheit zeiben wollte, und daß er nicht befähigt sei. mir Ebren auf einem Rabbinerstuhle zu sitzen, ich halte .der Beweise genügend, »nd konnte ihn sowohl zu einer öffentlichen DjSputarion. als auch vor den Richterstuhl andrer Rabbinen fordern. Ich war entschlossen. diesen Weg zu geben. Aber was waren-denn die Gerühlt Dina'S bei diesem Vorgänge? j Hane sie auch schon ras Band zerrissen. daS sie an mich knüpfte? Ich barrele in unsäglichem Bangen einen ganjen Tag. ES kam Nicht», eS kam Niemand. Da ermannte ich mich. Ich besuchte eine Tanke meiner Braut, welche stets wohlwollend gegen mich gewesen' Sie nahm mich an. mehr noch, sie nahm mich mir ThrLnen und tiefem Schmerze auf; es war eine Frau voll richtigen Gefühls, und da sie die Triebfedern für die Handlung ihres Schwagers durch schäme, so setzte sie auch voraus, daß er nicht pijnder im Jrrthum, in absichtlichem Irrlhum sei. Ach. es war «(n bittrer Trost, den sie mir gewährte, indem sie mich nnt dem bedauerungswürvigen Zustande Din«'» und ihrer braven Mutter bekannt machte. Zwischen \ die j Liebe zu dem ihr verlobten Manne und den Dannstuch deS Vaters gestellt, was sollte sie thun? Sie litt die grausamsten Schmerzen. -Ich bat die Tante um eine Unterredung mit Dina in ihrer Wohnung, und sie gewährt« mir! ste. Abends in der .Dämmerung Grafen wir uhs bei der achtungswrrthen Frau. Wie viele Plänq hatte sch bts dahin geschmiedet und verrWrfen ... (Rn schmerzliche» Wiedersehen. Lang lag sie an meiner Dpust, ohne sich fassen zu können. Sie bat um Verzeihung für ihren i Vater.-der sih so schrecklich an dem heimathlosen Fremd- '■ ling vergang, n, der so turchterlich dem Retter Heines Wei. beS und Kin)egedankt, sie versicherte mich ihter 'ganzen, ewigen Liebe .... Die Verzweiflung deS j Mädchen» brachte mich;ur Besonnenheit. Ich sprach klab und einfach zu ihr. Entweder ste hielte das Wort, »a« sie mir v^pfänd.et, f r heilig und folgte mir — »den sie achtere den Befebl ihre» DaterS. und wir müßten ub» trennen. Ein Dritte« gebe es nicht, und die Stunde de-r Entschetdüng wäre gekommen; denn nicht lästger wäre meines Verweilen- . n diesem Orte, wo mich so süße, aber auch - so bittere E sabrungea getroffen . . . Ach. che sah Dies ein, aber v ohin sollte sie sich wenden? Ste warf MT'X abermals in mtine Arme, sie könne ^rn». wtzAe-sich nicht von mir irei ne, . . . Noch waren wir so tief in Er«; wägung und Persicherungen begriffen, da drang eine kteischeadr Sna me in das Gemach, welche mit Berwünschun. gen und Dr»Hungen auf unS loSfuhr. .Der Me Rabbi halte irgend vle von unsrer Zusammenkunft erfahren, er ergriff mit «isernem Arme ferne Tochter und zog sie fort. Auf meine Einreden, auf meine Zorneswor» hörte tx\ njckt; undhin« — die Gegenwart ihres DaterS schien . ihren ganzer;Muth zU brechen ... ich entfernte mich. .' Am andern Tage erhiel?ich einige Abschiedsworte von Dina. Sie schwor mir ewige Treue zu; sie bat mich. NiSmes zu »erlassen; vielleicht, .daß der Zorn ihre» Va> rer« weichen werde; umdeffentwillen bat sie mich aber, '-jeden Stbrit gegen ihren Vater zu unterlassen. Um des. sentwillen. waS mir dieser Mann hatte werden sollen, that ich Tiefes. Ich verließ Nisme» mit gebrochenem Herzen. 9t iC langsam verharschte die Wund«. ES war meine erste, meine späte, meine letzte Liebe. Es. find seit«, dem 8 Iabi t vorüber gegangen^ unj> brr Mann alterte schmll. Ie> t ift eS längst überwunden .... Dennoch sollte der Aufenthalt in -NismeS nicht ohne Folgen fein- Ein angesehener Mann ln .Amsterdam hatte mich dorr g hört; bald lud dieser mich ein. ihn dort zu besuchen, ich zog dahin, unh — nach Verlaus eines Zähre» war ich im Besitz-dp» zweiten Rabbinenstuhls in die, ser größten Gemeind^ de» Westen», mit der Aussicht, dem ehrwürdigen Greise zu folgen, der jetzt die Zierde und d«^ Stolz deS s »anischen Juda ist."- > „Ha! l a» wardst Du?" — war der gemeinsame Aüsrur der beiden Brüder. „Ja. 8 eliebte,-und ich kann dem Gotte Israel» nicht genug dank, si für die Gnade, die er mir erwiesen-^-».. ." „Und 2'in^ lieber Abraham?" flüsterte Zofe. a ,,Sie b« sich noch einiger Zeit mit dem Nachfolger' Ihres Vatei s verheirathet, welcher wenige Wochen nach meiner Abr-ise an einem Scblagfluffe verstorben^' Daerhörte Gebet. llin Parabel von Dr. M. Dnschak t» Ansiee. rnd seine Gefährtin Eva lustwandelten im Paersten-Tage der vollendeten Schöpfung. Zusendungen wallten ste Hand in Han», und ihres wckr kein Ende. Da sprachen sie, wir wollen Adam radiese am ligen Empsst Entzückens .. . ein fichtbar « BNd suchm des-unsichtbaren Schöpfers, das uns vorzüg lii erinnere, u ich an seine unendliche Güte und Herrlichleit id ein heiliges Unterpfand seiner unermeßlichen