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Jüdisches Volksblatt · 1854-01-01 · 15 (1854) · p. Seite 58

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
15 (1854)
Date
1854-01-01
Page
Seite 58 (sequence 2)
Language
German
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54 *■ i tnn* so we tiff« Halle, unv in der Dunkelheit wandern, am die Blicke! der Hasser nicht laus mich zu senken. Und. dennoch hin ich nichk unterge^anzen. u»v wie ich Euch, kdeure Brüder, hier gesunde», so bade, ich im Verborgenen Gebeinen und Ziel gefunden. ... s' Doch sowenig ich Euch mir -een Einzelnbeue »er Reise durch Spanien hierher behelligen will, niz mir meiner ganzen kebensgeschichie innerhalb zehn Iabre i— aber Ibr wißt, ^die göttliche Vorsehung fchürzr oft d^e Geschicke res Menschen wie in einest Knoten zusammen: ist dieser gelöst, so spinnen sie siH. rudlg und regelmäßig fort. Lasset mich Euch von dem 'Knoren erzählen., tn* welchem das Gespinnst meines SLickftls emgeknüpft wa!r. WaS k {i Inhalt meines Brüdern Gebens ausmachce,' Ihr wisset eS, ich lag dem Studium unsrer geheiligten Lehre, der Forschung in rem göttlichen Gesetze ob: ich lernte und ebne — da» füllte mein Leben aus, bis lene schre'ckNcte Verbannung und Flucht h^reinbrach, u»d lasset mich es bellte noch 'sagen. Mancher sab meine Enssernung nicht gern,! auch von Denen, die nicht zu unfter Gemeinte gehörten. und der zu den Füßen mem« Lebrstublö 4!« wn prosanen Wissenschaften gesessen. ^Als ich aber Spanien hinter nur batte, da /and ich es ganz an der-. Ich zog durch.Frankreich. Ueberall trat ich unsere Glaubeizekftüder in eine erschreckende - Unwiffenbieu und Rebbttlversunken. * Da war von Sitte mrv Bildung keine Spur, sondern viel, viel Schmus, äußerer und in nerer. In ihren Lebrschulen. waren Philosophie und Matbenunik, Grammatik und Geschichte ganz ustbekanrue Tinge: sie waren lodizlich damit beschäftigt, Fragen aus der Easuistik deS Gofetzes zu beantworten, und wo keine waren, .solche zu ändert; daran den -Atarsstnn'^u wesen und iu bewähren, war kaS Ziel ihres Skrebens und tbr Ruhm, ltnd in gleichem Maße traf ich sie getrennt von aller Welv,. eine rieft Kluft schied sie!*on dev übrigen Menschben.^ »e lebken geistig und gesellschaftlich gebannt in ibrc Gdelt:e!-Mch. wir war es anders ist unserm -Spanen gcweftti' . In' Südtrankreich trat'ich schon ' viele u:n'rtr Flüchtlinge, aber noch lrrien ne bierdin unk dorilin. »och baltdn sich nur Wenige ansäfflg gemacht. Ich'versuchte an eisigen Orken Vorträge zu halten, aber enliredcr gestaneteu. es die Rabbiner nicht, .ober die Leute verstanden Mich tsicht». und. ich mußte de» Wanverstad weiter setzen. Dabei war bei ihrem Gorresdirnste.eine außerordentlich^ Utordnjinz eingeriffen. ibre Aussprache der heiligen Sprache, eine Menge der wirresten unverständlichsten Gebete, die ne bineingezwängl, wobiss sie. yickl gehörten, dann die llnrube, »a- Geschwätz — alles Ties siieß den an ganz andere Dingegewohnten Spanier so ab. daß er nichr^dabei ausbarren konnte. WaS Wunder also, daß aller Orten, wo sich eine genügende Anzahl spanischer, und .ponugiesischer Flüchtlinge zusam-' «ernand,- diese eine Gemeinde süt sich bildeten , «ik ihrem eigenen Gonesdienste und eigenen Anstalrest^ Diever» hjoß^die bestehende Gemeinde wieder' allzusechr, und so sab ich mit bittrem Schmerz, eine Spaltung zwischen den Kindern Eines Stammes eutzk^hen. wie sie . größer zwi-- schen Gliedern verschiedener Religionen Nichtsein kann^ im besten Falke Mied man sich gänzlich, und a» Vereini-- gung, Verschwägerung m dgl. war nicht zu denken. Die ' Unfttgm trugen den Fehler des Stolzes, der abstoßenden Kälie davon. Jene den Fehler, in' zu rober Weise die unglücklich Irrenden von ihrer.Thüre gewiesen zu baben! . . . Die Beobachtung alle- Dessen Machte mich sebr *unglücklich, renn ich i'ab die Wirkung auf Iabrbundene binauS. bis wir noch tur\r g.demütbigt. jene durch Bildung uns nach-, dann rorangeeilt sein würden. In dieser Weise sprach ich mich den llnsrigen gegenüber aus — und das entfremdete, mir auch Viele von ihnen. ^?ineS Tages wandcrte ich den Tboren von RiSmeS zu. ES war ein drückender, schwüler Tag, die Landstraße lag wie verödet, unv ich selbst schlich langsam dem großen Walde entgegen, der sich noch meilenweit zwischen mir unv meinem Ziele debnte, Dic gebotfte Küble fand ich.auch in dem Walke nicht, denn statt res erquickenden Schattens baue die Föbre die Luft mir erstickendem Harzduft gefüllt. Endlich raffte ich mich aus. Ich ward in Rismes erwartet. Denn es war schon der Rüst» Jag zu dem ..Sabbalb 'der Buße'-' gekommen, und an diesem war ich berufen? in der kleinen Gemeinde, die sich in Rismes seit Jahresfrist gebildet, den üblichen Vortrag zu halten. In. einem Städtchen war ich aber durch eine sehr schwierige Frage aus dem Ebegesetze. . die nur ein spanischer Jude, der mich desbalb Uckfekbst erwartet batte, vor-' gelegt, anderthalb Tage oufgebalten. 'Run mußte ich eilen. UM. rechtzeitig rn RiSmeS einzutressen, schon bangte ich. die Stadt nicht mebr erreichen zu können, denn siehe, -ich war berejrs sehr müde.' Der Weführte um einige Hügel herum, so daß er gar nicb? zu übersehen war. Plötzlich hörte ich Hülfeius. Es waren Frauenst mmrn, die mit dem Schrei der Verzweiflung die Gewalttat ab» webrcen, die verübt werden sollte. Ichwußte, riß die Gegend von Räubern unsicher war. und erklärte nur daraus den Hülftrut. der schon ansing, schwächer zu loerden. Ich batte keine Waffe, al« meinen mit Blei gefüllten Knoiensiock. aber unerschrocken eilte ich vorwärr >, unv hatte nur die Vorsicht, aus allen Kräften zu shreien: „Zu Hülfe! zu Hülse! Wir konlmen! wir kcmmen! 'Äenno. Henri. Iacaues zur Hülse. eilet, Frauen schreien!" Dabei schlug ich mit rem Stvcke gegen Steife und Bäume, unk mach e so viel Geräusch wie möglich . . / . Jehl bogich um die Ecke, und vor mir sad i|b eine Scene, dle mir Schrecken und Grausen ftinstoßte. Auf rer Erde lag ein Knecht nur zerschmettertem Schädel ^unv in seinem "Blute schwimmend, und zwei fürchterliche Kerle waren eben beschäfugl, zwei Krauen, die sie von einem kleinen, offnen Wagen gerissen, und welchen sie schjvn Tu« cher m den Mund gestopft, an Händen und Füßen zu binden. zögerte keinen Augenblick, sondern! immer nod} meine Ruft n.ach meinen vermeintlichen Genossen wiederholend, stürzte ich mit geschwungener Keule lauf die beiden Frevler los. War es ein Schrecken von Gott, der auf sie gefallen, war eS die plötzliche Erscheinung!und die Furcht, daß wirklich mir Andere'folgten, die Räu äer ver» lleßen ihre Ovl'er, und sprangen über den'Graben in den Wald hinein — ich nach, und versetzte dem Liren mir übermenschlicher Kraft einen Schlag, daß er niedfrstürzte. Der Andre entrann. Jetzt eilte ich zurück, befreite die Frauen von ihren Banden, beruhigte sie, so gut ich konnte, und ließ sie schnell den Wagen wieder Stfttigrn) denn ich befürchtete, daß der Entflohene Beistand holen, und wenn

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