Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 14 (1854)
- Date
- 1854-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 2)
- Language
- German
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Vierzig Jahre Hera»; der gewandte Don Jose, ein Dreißig» jähriger Mann, und der kräftige, in alleg ritterlichen Künsten bewanderte, tünfundzwaozigjährige Sancho/ wohnten alle noch in seinem. Hause zu Eartbagena, ugverbei» rathel. Er konnte ftd» nicht entschließen. Spanien zu vez» lassen. Bevor aber noch die Zeit verflossen, welche der königliche Befehl bestimmt hatte — da drang eine Rotte m die Stavt ein. um die Hauser der Juden vor ihrem Abzüge zu -plündern. Sancho setzte seinen -Barer auf ein Maulthier, uni^ geleitete. daS -Schwert in der Rechten, ibn und ftine beiden Brüder aus der Trad»> auf. wilden/ wenig betrekegen Pfaden i» die Sierra hinein, biin diese Schlucht, die ibm a^ir seinen Streiszügen mit -befreundeten Adligen Jünglingen irgendwie bekannt geworden. Sie richteten sich in dkm herrlichen Klima der Schlucht besteneilt, Sancho schasste, auf die verschiedenste Weis« verkleidet, die nöcbigen Nahrungsmittel herbei, wozu auch die Wälder ihv (Zontingent durch Kalle und Schlinge lieferten, und sö lübten" ste auf ibre-^Htisc. bider Bote des Herrn den greifen B.ker hfimrieiHa wußten dt« Svbne. daß Ne der Welt noch angebönen, daß ste nicht an diesem Piave Ihre Lebenszeit verleben könn: teil, nachdem .Der, welcher sie zmammengehälken. dabingegangen.^-Sie trennten tub unter tiefem Leid' ünd mit veut Geiobniß. duffen wir oben erwäbnl haben. Ter! ältest» Ton AbrDham, war gekommest.- Seit sielen Tßgrn lebte er schon jm der einsamen, weitab vom Geräusche der Welt entlegenen Schlucht, betete a« Grabe seine- Barer-. und harr,re! seiner Brüder. Sci^e Hoffnung üezanu allmäblig zweifelhaft ^kr werden: schn Auge hing schwermütbig an der Senne, wie wenn üofi ihrem, nur noch kurzen Laufe kts Leb«n seiner Brsider.abhingr. -! Aber, stehe! Jaüm hafte er stch aüf der Hteinbank niedergelassen, kaum eine halbe Stunde in R-chdenken versunken daselbst verbrach«^ als sein. Lbr ein Geräusch traf, wie wenn Jemand kusch Gestrüpp hindurch.mühsam stch Bahn bricht. ' Zweige knackten, Aeste schüttelten . - schnell war Don Abrabam aufgesprungen— und vor ihm standsein Bruder Jos» Ach, er erkannte ihss auf der Stell«, obgleich die schlank^ Gestalt gebeugt, daß -Antlitz sehr dut^btürcht. und die dunkelfchwarzen Haartj äußerst dünn geworden . . . das lleberolle Auge AbrabajnS überschaute schnell 'die großen Peränderungen, dir j an dem Bruder vorgegangen, und welche bei den, jetzt vierzigjährigen Manne auf unsägliche Mübsale und schwere Kümmernisse deuteten. Aber, af's er seinerseits Abiähams-an sichtig wurde, spran.-. ,r-sch»eller. als man eS »ermurbel hätte,'auf diesen loe, umarm/d und herzte ibn, und rief wiederholt mit klarer, volltönender Stimme: „Bist Du schon d.-. Brurev Abrabam? Ta« sieht Dir ähnlich' Wartest wobl schon lange? Mich fesselte der Markt in Almena, wo. ich gelandet, einige Tage, mußte doch sehen.' ob noch rer alte Berkebr in den bekannte» Erzeugnissen da verbanden, und ..Affen''und 'Elftnbein *). noch ist^Spasab alte tcho noch und.Pfauen und Silber," wir die Schrift sqgt da zu haben . . Ach, Pbraham, wie schön nien — daß wir eS meiden müssen?. . ich Stätten . . . nun, schweigen wir. . .ist €& *) t ÄM. 10. rr nicht da? . . . wie ist e- Dir denn gegangen, theurer Bruder — Du hast Dich sehr verändert, während ich mir immer glvch geblieben, nicht so? Nun. wir werden Alle alt, und das Leben ist schwer, besonders solchen Flüchtlingen, wie wir . tz So stoß es von den Lippen debeweglichen Manne«. Er batte ein wenig Gepäck mit großer Sorgfalt auf die Steinbank, gelegt, fick dabei gesetzt, aber hielt ununterbrochen die Hand seine« vor ihm stehenden Bruder« fest, so wie sein Auge in Akftäbams Auge versenkt'blieb . . . war eS doch, al« ob seine Zunge nur schwatze, wahren» .sein Geist hock darüber ernste Gedankess erwäge, an die lffc Zunge nicht binanreichte-. . . Dann sprang er aus und warf sich noch einmal an die Brust des Geliebten, und Tbränen rollten ibm von der Wange . . . ..Abraham," flüstert, er. „bist Du ganz allein erschienen am Grabe des Bakers? ..." — „Mein LebenSpfav war einsam." lautete die Antwort. ..ich babe die Freuden de» ' Haufe« nicht kennen gelernt." — „Und ich, Abrabam. babr sie wieder begraben, nachdem ich sie eine kurze Zeit, aber tief, tief gekoste, . . . ." und sseine Hand faßte krampfhaft -die Reckte de- Bruders, und sein Haupt , senkte sich tiefer in die Schulter desselben .... Die Brüver ließen sich nieder; Abrabam holte etwa- Speise, die er bereitet, ihre Gedanken schweiften nach ihrem dritten Bruder auS. nach dem ritterlichen Sancho — aber sie getrauten sich nicht mek»r seinen Namen zu nennen. denn die Synne wollte eben niedergrhen. Und sie ging nieder, und' er kam nicht. Schnell wich die Dämmerung, und dichte Dunkelheit erfüllte den Wald. Jose batte schnell ein Feuer angemacht mitten aus der Lichtung, damit Sancho, faller »och käme, einen Leuchtpunkt bitte, der issn leite. Eben: kam die Scheibe des Mondeüber die Felsen im Osten herauf — da tönte ein leiser, sanft schwellender Klang, wie der eine- Hornes von fern der. - Nyck war es, wie der Schatten eine- Tones, der im Mondenstrahl durch die Aestc und da- Laub der Bäume gleitet.Was ist da-?" fuhr Jose auf. Abraham lauschte. Der Klang wiederholte sich. „Jedenfalls eine Botschaft unsre- Bruders ..." — „Wie? sollte er . . . ." — „Nein! nicht von seinem Gräbe her. Jose—, horch! der Ton wird stärker, er nähert sich...." Schnell ergriff er. einen Feuerbrand und' versenkte sich in den. Wald nach der Seite, von wo die Töne kamen; Jose tbat desgleichen. Si, erhoben ihre Stimmen und riefen: „Sanzo! Sänzo! . Horch! eine gewaltige Stimme antwortete: „Hierher, Abraham, hierher, Bruder Jose!" gnd durch den Ruf deS Manneklangen einige scharfe, jugendliche T-ne hindurch .... noch einige Minuten, »nv in dem Feuerschein der Brände ward e'cn hoher, mächtiger Mann in der Fülle der Kraft und des Lebens sichtbar, wobl bewaffnet, da- Schwert an der Seite, unv seine Linke bielt die Rechte eines stattlichen Knaben «on acht fahren, das Ebenbild feine- Vater», und mit seine« rechten Arme trug er ein zarte», sechsjährige- Knäblein, der fein blonde» Lockenhaupt furchtsam in die Schulter des Vatervergraben ... so trat Sanzo dem greisen Abrabam und dem verfallenen Jose entgegen in der verborgenen Schlucht der Alpajarra- .... » Der Leser erwart« nicht, daß wir ihm die Stunden de- Willkommens unter den drei Brüdern schildern. Je-