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Jüdisches Volksblatt · 1853-01-01 · 11 (1853) · p. Seite 43

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
11 (1853)
Date
1853-01-01
Page
Seite 43 (sequence 3)
Language
German
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*» frommen Herzen tief. Fand er doch seine theure Mutter wieder, wenn auch freilich viel gealterter und hinfälliger, konnte er doch sejne geliebte Josephe in der süße» Gewißheit einer ehrenvollen Zukunft, in dem noch süßern Bewußtsein einer tüchtigen Vergangenheit, an ha» ungestüme Herz drücken. Fand er doch Oheim. Verwandte. Freunde, Alle seiner in Liebe harrend. Welch' eia Wiedersehen! Die ersten Tage waren vorüber, der Freudenrausch hatte sich. gelegt und war in einen süßen, heiligen Frie- - den übergegangen; welche schöne Stunden bereitete der ^»junge Mannten Seinen, wenn er erzählte, Imittheilte, vorlaS, viscifkirle .... Warum ist das Glück so flüchtig? '!. Nach und nach beschlich daS Herz des junßen ManneS eine trübe Ahnung. Die Anweisung der Behörde, wohin stck der junge Candidat nach seiner glanzenden Prüfung zu begeben habe, blieb langer als gewöhnlich aus, und ste war ihm in Berlin von den unmittelbaren Vorgesetzten so sicher versprochen worden. ' Wochen ver« gingen, und sie kam nicht; auS den Wochen wurden Monde. Er schrieb nach Berlin, eS kam keine Antwort. Är wurde unruhig, ängstlich, er wollte selbst htnüberreisen und das Da griff er eines ».Morgens nach der Zeitung, Erste, was ihm in die Augen siel, war — et# Rescript des Handelsministers, daß jüdischen Eleven des idausachs mugetbeilt werden solle, daß auch bestandene Ervirinaauf eine Staatscarrif-re keinen Anspruch geben wülden — mir anderen Worten, daß kein Jude zum Bauia h zuge» lassen werden dürfe . . . Verzweiflung beniäwr gte sich' deö armen Bernhards — da klopfte eS an di' Thüre,, der Postbote trat ein. er brachte ein behördliches Schrei» ben an ibn, daß' er, so lange er Jude iei» auf den Eintritt in die Sraatscarritrre verzichten müsse — — Bernhard war wie niedergeschmetterl. seine Hiounungen. seine Aussichten, fleine Erfolge — Alles.war mit Einem Male dahin, gänzlich vernichtet. Er wußte, liaß dem Mittellosen die Staatscarrwre die einzige Möglichkeit böte. Wäre er schon erfahren und bekannt gewesen, o'er härte er große Kapitalien gehabt, so brauchte ibm njdfc. bange zu sein, so konnte er leicht bei irgend einem P^i Kimmer nebmen angestellt werden, oder Bauten auf eigere Faust unternehmen — und nun der ganze, inhumane Geist, der durch Europa wedele, und von Tag zu Tage a tsschließ» licher, launenhafter, zurückstoßender wurde. Niedergevrückt wie ein Verbrecher, konnte er lange niHt^ vom Stuhle sich erheben .... Die Mutter trat ein und erschrak über daS bleiche Antlitz des SchneS — er reichte ihr Zritlkng und Schreiben .... welche Schmerzen —. er chatte nicht die Kraft, im Hmfe des OhetmS der Bote seines Unglücks zu fein — über nicht lange, und derselbe kam selbst in Eile und Die wirrung, da er das abgedruckte Rescript gelesen^. ... W >s lhun? . . . Bernhard schrieb an -seine Gönner^sich st r ihn zu verwenden — ste antworteten sebr kühl, fast H nirt, daß sie gegen den»-llHi^en deS Ministers nichts äirmöHtet», Und gaben ihm zu verstehen, daß er. Bernhardt, ja fejn Schicksal in seinen Händen habe —— „Nimmermehr! " rief der Jüngling auS«-^und wäre eS das größte ^lück. ich will eS durch keim Niederträchtigkeit, durch keise Lüge vor Gott und Menschen erkaufen! ..." Tr wandte sich an den Herrn Minister selbst, zeigte auf -seine unglücklich: Lage hin« da w diese' Wendimg der 'Dinge niemals hätte vorauSsetzen kknnen, auf sein Wohlverhalte», auf . . , . ach, eS half ium ja doch nichtS.-und er konnte'sich selbst /agen,,daß ib a, selbst wen^r ihm die ersten Stritte auf der StaatSbajn gestaltet würden, doch da keii e Früchte ' reifen würden-j ' ' , Er rvör n »stlos, denn er war'hoffnungslos!. . . mtS mit ihm Mutt r, Brauz. Oheim .... waS hatte er ver» - brochen? "! ' M. . 18 53. . Es sind a 'ermalV^mehr als drittehalb Johrp vergan» gen. Wir bej nden unS in der Hafenstadt O. . So ekry ist ein nordn mexikanisches Dampfschiff stgnalifstt. WaS. . für eine Gruppe steht dort auf dem Kai? Ein -ältlicher^ Herr, eine ältliche Dame und ein Mädchen, noch frisch und jung ..... Der Herr und das Mädchun haben Fernrohre vor den Augen . . . wie bi< Erwartung sie ist Spannung versetzt, ^infoi derS daS Mädchen. daS. wenn. daS Fernrohr 'in der ermatteten Hand' niederj^nkt, nach kurzer Zeit sich wieder ajrfrajft . . . .>-Sie' blickt zur Sonne empotj die sich irg'Abend niederzuHtkey anfaagl, als ob sie zu ihr §agte: o, habe Mitleid, und, verweile, jetzt seh' erwiedern bis ... . .Jetzt, jetzt Hab' ich'» gesehen, ich'S!" ruft je plötzlich —r— „Wo? wo?" die Eltxrn.!)er' Vater richtet daS Fernrohr hin, 'aber vergebens.,— .die Jugend.steht schärfer, die,Liebe -am schärfsten.; , .' -Eine Smtlde später, u id das heranrauschenbe Dampf« schjst-das mit günstigster t Winhe fuhr, lra^ in seipen Umrissen.immer klarer bepvr'r; abermals eine Srunve..«.. . . Es war «tat folgenden Tage. Begeben wir uns - in derselben Sratzt in einen kleinen Saal, der.freundlich aps- ' geschmückt worden. Wir sehen in her Mille einen Tip-' pich auf den Boden gelegt mit einer Guirlandr von p schen Blumen umgeben, vorüber ballen vier junge Msibchen die vier, Stangen rineS rothen, goldgestickten Baldachins. Ein! Geistlicher, im Talar. ckit dem wtißselhe». nen Esebetmäniel angethan, teht harrend. Ringsum freuhd«' liche Gdfichten festlich Gekeiveter; brennende Lichter: :|im - Hintergründe kine gedeckte, zierlich geschmückte Tafel. Zwei . Seitentbüren offnen sich; von rechtführen Zwei Gvfise * einen kräftiges, stattlichen jungen Mann, von links zoei. : ältliche Damen eine her cklche'^Jungfrau im bräutlij'e» Schmuck zu dem Baldachin in der Mittt. Da! treffen; sie sich, da treten siz neben Anapher. Der Geistliche er^chk t seine Stimme ev spricht kurz, gediegen/eindrurglich; dtlnnsprich» er die hebräischen uralten Segenssprüche, liest hea^- Traubrief vor läßt vaS strauipaar aus dem Becher tiinken, der Brä» tigau^strckt »en goldnen , Reif a>^ deck Ami g'er der Brau mit uen Worten: ..Siehe. bist;|nir ' geheiligt durc diesen Ring nach dem Gesetze MvsiS ^nd Israel'-!" noh einen bejenSspruch — und die Heiden gehören inander für^daS Leben, »nd liegen sich m den Armen .Ach, in 1 iesem Leben auj Erven mischt fichj die gri Seligkeit mit tiefste» Schnurze . . . Alle waten v . mell, die^wir kennen. und hatten sich wieder — nur Mutter Bern ard's war ahingegangen. und ohne daß Sohn ihre le ften Tage t ad Rächte bewacht hqtte »re ihr >

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