Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1853-01-01 · 3 (1853) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
1 (1853-1854)
Issue
3 (1853)
Date
1853-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999329-6000576--0076-4908887
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

«I 11 geliebten Sobne tteynen soll, um ihn vielleicht nieHeder zu sehen, voraussetzen kann. Mich nicht bemerkend, ging sie über ihre Schatulle, öffnete-rin kleine- Packet, dasie daraus genommen, machte rS gleich wieder zu. und eben wollte sie sonst noch etwauntersuchen, alsie. mich bemerkte. Mit thränenden Augen frug sie mich: „Hat der Tambour schon geschlagen?'. Ich war nicht vermögend, ihr zu antworten und wienur auf meinen schon fertig angelegten Anzug. Mein Dater, der dieser Szene zusah. erinnerte mich an meine Pflicht, und tiefgebeugt empfing ich den Segen meiner vielgeliebten Eltern. Bei dem letz» len Abschievskuß, den mir meine Mutter aufdrÜckte, übergab sie mir vaö schon bewußte Päckchen mit den Worten: „Verwahre Diesewie ein Kleinod. eS enrhLf^Mtllel, Dich, auverschiedenen Verlegenheiten zu retten." ES'waren zwei Binden und 25 Thaler in Waffenscheinen darin. Ein „Lebewohl!" war Alle-, was ich Vorbringen konnte. Ich stürmte ayS meinem Vaterbause fort. Ich erschien auf dem Allarchplatz, und, trotz dem eS ^chon l/2 5 Uhr war, nicht dev petzte. 1 J Gegen 5 Uhr war da- Regiment versammelt» und verließ, nachdem wir vor General v. H. defilirt hatten, mit einem Hurrahruf die Unsrigen und die Stadt. — Soweit audem Tagebuche meine- OheimS. Er kehrte mir ehrenvollen Wunden als Sergeant, geschmückt mit dem eisernen Kreuz und dem St. Georgenorde». zu den Srinigen zurück. Nur seinen Vater fand er unter dem Rasenhügel ruhen — alle Uebrigen empfingen ihn steuVig bei der Rückkehr^ Da er seine Religion nich^ verlassen wollte, weil ste ihm höher stand al- Brod und äußere Ehre — mußte er» der Ritter zweier Orden, Commis in einem Manufakturgeschäfte werden. Rach einer! Reibe von Jahren entwickelte sich auden' Uebeln, die er aus dem Feldzüge mjtgebracht. die Lungenschwindsucht, der - er erlag. Seine Denk- und Orvenszeichen hängen in der großen Svnagoge zu M. Seine Mutter und seine Geschwister sind längst ' beimgegangen, dem Rabbiner, der um Mitternacht den Eid abnabm, .ist schon der zweite Nachfolger gefolgt. Aus Amerika. ' So ungebrure Sänderstrecken in Nordamerika auch schon kultivier find:' ebenso unermeßliche Landstriche liegen noch, der Deurbarung harrend. Immer nach Westen zu! D»ser alte Ruf der Menschheit — hin nach hen Rocky Mountains, wohin nur kühne Jäger und einige noch kühnere Forscher ihre Füßd trugen. Da betrittst Du noch oft den Ur» wald; dev Urwald, den noch keine Biene, diese kleine Heroldiu der Eivilisation. durchsummte, noch keine An. .diese- Schwert der Eivilisation, berührte. Welche Schauer überfallen Dich, wenn Du diesen Urwald betrittst. Noch! bilden die uralten Stämme mit ihrem ungeheuren Laobwe^herrliche Dome, \n denen nur Halbdämmer herrscht, bal die golde» nen Sonnenstrahlen kaum die grünen Schatten durchzit-ä tern können; du wandelst unter ihnen auf de« üppigste» Rasen hin, der unter Deinen Küßen elaßisthh sinkt und steigt. Still ist eunter -lesen. Domen vom Gqang. den» nur wenig Singvögel kennt Amerika, aber Kl«»pek» und f— V Zirpen und G rren hörst Du doch, und weithin siehst Du ein Reh durch die Gänge Kirschen, oder gar einen Bär gravitätisch w« tscheln. Abn bald wird es ander-. Du müßtest übe» e ne hinPurmelnbe Quelle springen, 'die sich biegt-und. wii >det, plötzlich wird der abdachende Boden' weich, feucht, sumpfig; jetzt^fäügt ein immer dichter, werdendes Untefhl lz. Gesträuch, ungeheure Parasiten, die von Baum zu Bau n sich winden, an,. Dir Hindernisse zu schassen; Du triffst auf zahllose umgefckstene< auf! dem Boden vermodernde Etärnme, über die Du Nestern mußt; diese ' Stämme find jwieder der Grund und di<Dckwmerve für zahllo- und üf pigsi aufgeschossene Schößlinge; /Du mußt die Art zur Hilfe nehmen, um Dir den Weg zu öffnen; Ungeziefer schli pst in Masse' auihren uralten Wohnsitzen hervor und we cht unwillig Dir auS — in der That eine mühselige Waiderung, abgesehen von tausend schlimmen Zufällen, die Dich in diesem Pflanzenlabprimh treffen l können. Obsä on Du einen Compaß bei Dir hast, sehnest Dn^Dich nach einer Höhe, um Dich vielleicht orientstm zu können: 06 3 u jy sehen vermögest, wie' weit sich die' Waldung und wohin sie sich erstreckt. Du kannst auf solche Höhen reffen, oft befindest Du Dich!schon darauss ohne eS zu wissen, denn- Bäume — verbergen Dir beit - Wald. Merks Du eS, so ersteige einen hohen Baum, und-Du stehest wie unübersehbar der Wald nachallen Richtungen sich hinstreckt — die ©Däne gebt im Walde unter, di« Sonne geht im Walde auf;, u»d die Nacht / sinkt hier schnell nieder, und ^weicht langsam dem Morgenlichte. Ack, «nd wen» ein Sturm kommt, ein Hurikan —»da schallt eS wie der Ddnner auS taufend Geschützen so^krachen Tausende rvon alten, riesenhaften Stämmen in jedem Augenblicke nieder^. und der dumvf^ Schall ihre- Sturzegeht in einen gemeinsamen Schlackender nicht endet, auf — sie stürzen um Dich, neben £iS»j an Dir, wo Du eben standest, liegen jetzt zehn über emavder — wehe Dir, wenn Tu nur von einem Zweige gestreift bist, er schlagt Dick nieder, unter der Last, wenn ste Dich nicht zerschmettert har, kannst Du Dich nicht rege», und können Dich nickt zwei, nicht drei Gefährten hetvorholen. Du mußt versckmachteis .... „ So erging emir freilich! nicht. Bei Meinem Zi ge durch eine große Strecke Urwald«-, auf dem Landw ge nach Kalifornien bin, den ich mit mehreren' Mackeren K ameraden unternommen, und den ich uüier Götte- Eck! tzc glücklich zu Endk brachte — fühlte ich, wewi eme^sch« ierige Strecke mühselig überwunden,' unch, -buf!«!inem böh rn Plateau «wieder der einfuHz, Üare Urwald erreicht w»r. oft genug nur daüberaus wohlthätige Gefühl, unmit elbar mit der freien^-7im wahren Sinne freien GottiS» nakur zu fein, mit ihr zu verkehren, und »ur mit iw- WaS wollen alle Paläste «nd königlichen Di»erS. was < lle Städte mir ihren Theatern-und Künsten — waall T lest gegen den Hochgenuß sagen, nach einzzen Stunden'ges in», den'Schlafe- und gutem, frifchbereiterchn Frühstück bei l la» rem Wetter und Sonnenschein unter ttftfrn erhnbenen -a dächern hinzuwandern, weit entfernt »om Ste»*» und D* Ingen der Menschen — oder dann, jdwk bie Sonne im höchsten steht, mach tüchtigem Marsch «ch de« PmÜ> »». Rasen niederztzlaffea. nnd sein Mstmg-«ahl a». hniUv^ derndea Feuer zu bereiten . . ^-- J Nun soll idjt Ihnen sagen, was »tr da oft ge»AA rdrstel?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.