Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 3 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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12 l Sie kennen meine Jugend; Sie w'Uen, wie ichder Sohn eineallen Rabbis ach! einfj$.fo< ehrlichen, und- »aruöt strengen Rabbi'S, der, hineingeManzt in ^ine Welt aufsprießender Bildung, bei jedem Schritte sich »ermunterte, was das für-titte. koaiische Welt fei, die 'ihre Lust nicht mehr am Raschi, ihre Weisheit nich^nehr im Talmud, ihr Gesetz nicht mehr'im Schulckan Aruch finden walte, worin jene doch allein vorhanden seien; er begriff all' Dies so weiiig. daß er nicht darü^r zürnte, vielmehr fich nur wunderte, denn er hielt esicherlich nur für eine-vorübergehende. Verrückung —rach, ek-felbst ging darüber vorüber — ich sage. Eid wissen, wie ich vom Hause kantz, ach! so unverfchuldtt und Mötzlich, daß ich mir immer wie „verstürmt" vorkomme, wie ich hierher geschleudert, and aus einem Scholar ein mannhafter Zugführer durch die Savannen »nd Prairieen, durch die Urwälder ' und Rockv Mountains, der Vermittler zwischen bey Union und Meriko ward, der Freund der Indianer und Trappers — .—- kurz, weil ich aber früher der Rabbifobn als der Jnrianedfreund war, dachte ich oft genug unter den Trappern an die Rabbis und ünter den Indianern an die Juden, und in den Urwäldern an Deine Geschichte, o Israel, das mir auch seinen Namen gesehen ...; Und diese Geschichte Jpda's erschien mir wie ein großes Stück Urwald ... eS ist etwas tief Ergreifende-, das drüben in Eurem Europa sich' Niemand, so vorstellen kann, wenn Einem unter den hohen haubdomew^eS Urwaldes, wandelnd oder, ruhend, die alten' Geschichten der Menschheit, oder .seiner eigenen Vergangenheit emfal, len, und die Erinnerung, EnLägung und i Vergleichung all' Dessen den Geist so einnimmt, . daß er der Gegenwart gänzlich vergißt, dann plötzlich durch irgend eine Mah». nung geweckt, statt der Zimmerdecke daS Ladbvach, statt der Teppiche den Rasen,- statt der Tapeten die grauen Stämme um sich steht».0 so viele Tausende von Meilen weitab von den Plätzen, die man eben im Geiste! besucht'battk . .. da erschien mir oft genug als ein Stück Urwald die Geschichte unsres Stammes und Glauben- — denn auch daS ist eigentbümlich/ daß, wer viel unter Indianern und Trappern, unter Mormonen und Methodisten," unter Quäkern und Baptisten und wie sie alle beißen, 'sich bewegt, baß der,-abgestoßen von ihrem religiösen Wesen, weil eS Einem ganz fremd, und doch auf Etwas verwiesen, weil gerade der Pilgerr-der alle Zeit zu kämpfen hat, des Beiständevon oben, daS beißt de-gedachten und gefühlten, bedarf, gerade der alten angestammten und anerzogenen, religiösen Ansichten am. innigsten gedenkt, weshalb auch da- Jvben» rhum in Amerika sicher nicht gefährdet ist — — ja. wie ein Stück Urwald erschien mir dg oft genüg di« Geschichte, der wir entsprungen sind, wohin auch daS Geschick unzerstreut und verschleudert hat ... . Ein Unvaltz — denn seit Abrahamde- Jbri Zeit besteht dieser Stamm unvermischt, und ob ihn auch oft die Intoleranz der Völker zwang, unvermischt zu verbleiben, so standen diese Verbote wohl oft gVättg nur als ein instinktmäßiger Bergelt für die Neigung der Jude« da, unvermischt zu hleibm wir sehen eS ja hier in Amerika, -»— \ f wo dennoch die Mischehen nur ein höchst unbedeutender Bruchtheil sind; und iy diesem Urwalde der Geschichte Israel'- neben den freien, erhabenen Laubdomen, wo die göttliche.'Vernunft unmittelbar rnis dem reinen Schlag de- Menschenherzenö zusammenlraf. und dagoldne Sonnenlicht mit den grünen Schatten dev hohen Erbgewächse fich vermählte, neben diesen auch viele j dumpfe Sumpfgegenden mit Ungeziefer und Gesträuch imd Parasiten, die jeden Schritt vorwärts unmöglich machten, daß die scharfe Art der Geschichte erst Bahn hauen mußte. -£ und dann wieder einmal ei» furchtbarer Hurik-m, ein Sturm dejudenfeindlichften Fanatismus, vordem Tausende herrlicher Stämme niedersanken und zugleich das llnterbolz weithin erdrückten. — -— Aber auch darin gleicht die Geschichte Jfrael's diesem Urwalde, daß vo»s irgend einer Höhe herab sich der Wald nur imnter weiser und weiter,' unabsehbar erstreckt .... Aber worin sie sich am herrlichste« glichen: wie in dieser Urwalburig die^Quellen entspringen, die nach einem weilen Laus^ zu"pen mächtigsten, segensreichsten Strömen werden, ohne welche die Civilifalion dieser Länder niemals möglich gewesen wäre — so verhält es fich ja auch mit Jud>s daö der Menschheit die Quellen jener großen Ströme gegeben^ durch die eS zur Mutter der menschlichen Gesittung^ geworden .... "* Ich habe den Urwald durchwandert, uiid kenne die Geseichte Jsrael'S . . V Ein cnbtreS Mal wieder. Anekdoten. Ein polnischer Lehrepäließ sesn Knabchm Cis (3 Mos. 1 i, 17.) seinen der verbchenen Vögel, der von den Versionen mit „Nachteule" erklärt wird) mit „der verrückte (meschuggene) Fisch" übersetzen. | Der Vater deS Knaben frug den Polen, warum er da- Wort so übersetze? Der Pole antwortete: „So beißt es."^— „Wie kommt aber der Fisch unter die Vögelfrug der Mann weiter. „DaS ist eben seine Verrücktheit (fein MeschuggaS)." war"me Erwiderung. _. Ein neu angezogener polnts^er Lehrer empfing einen sehr braven und talentvollen Kn^en bei seinem ersten Besuche mit einer furchtbaren Ohrfeige. „WaS Hab', ich denn gethan?" klagte der weinende äknabe. „Du hast nichts gethan," war die'Gegenrede, ,^Du stehst aber, ,waS Du zu erwarten hast, wenn'Du nichts gethan.. und nun denk' Dir, waS Du bekommst, wenn Du ja waS.gethan!" — Talmudische Sprüchw^tter in Reimm. Bist du ein Held, Bewältige den Bär, djer sich dir stellt! Den trifft Tadel, Der nichtbesitzt als seiner Elter» Abel. Rim« dich in Acht vor ^wer Verkehrten: Dor'm ftommen Thor, vor'« sündhaften Gelehrten. S^r»»t»«.Uiche*- Redactevr: G. Wieußold. »«1«, •** ftartm»t'« m rei»N«. — Ln»N »lexa-de. Sied« t«