Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 1 (1853-1854)
- Issue
- 3 (1853)
- Date
- 1853-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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10 » tSfgimfnt gebildet ward. ES sollte der Eid der Treue geleistet werden^ Im Tagebuche wird nun erzählt: Der unS zugerheilte Brigade-Prediger wußte, daß mehrere Leute deS neuen Regiments der mosaischen Religion airgeb orten, und ttzig beim Drigade-Commandeur, General v. L., darauf arr, daß man beim Schwören und auStreren kaffen mochte, weil wir die christliche Eckwur- -formel nicht aussprechen würde», indem dies unsrem Gesetze zuwider"fei. Die Compagnie - Commandeure rrhielten^darauf den Befehl, die Namen aller der Leute einzureichen. welche jüdiscke Glaabetzsgenoffen seien, mit dem'Beneble', hinfichtlich der Eidesleistung zu warten. Ties geschah, und der General übertrüg eS dem Landes - Rabbiner. nnS den Scbwur abzunebmsn und zu bestimmen, welchen Tag dies gescheben sollte. Unser Landes-Rabbinrr/ ei» Mann, welcher sehr viele. Kenntnisse sowohl im jüdischen alS im deutschen Fache hatte, machte eS sich zum Vergnügen^mkt unS, die wir unter feinen Augen groß gewotdeü. dies vorzunehmen. Eigentbüytlicher Weise forderte er vom-Generals ihm zu gestatten, um die Handlung recht feierlich zu machen, den Eid unS in der — Mitternachtsstunde abzunebmen, waS ibm auch bewilligt wurde. . Am'Donnerstag wurden wir, die wir. vpm mosaischen Gesetze, kommandin, parademäßig, jedoch nur mir dem Säbel, um \ 1 Uhr Abends vor der Synagoge zu ersckeinen, aber nicht bineinzugehen, bis wir den. Befehl dazu erhalten haben würden. Dem Befehle gemäß erschienen wir in Begleitung der lieben Unsrigxn um die bestimmte Stunde auf dem unS vor^eschriebenen Platze, etwaspä-' ter die betreffenden Feldwebel, und-gleich darauf, der General von H. und fein Adjutant. ES war % auf 42 Uhr, als wir unS copipagniee»weise'in die Synagoge verfügen mußten. Wie sehr wurden wir überrascht.! An diesem Orte, wo mehrere bunkert Lampen bremM.müssen. um ibn gehörig za erleuchten, brannien nicht mebr als drei Lichter, s<>aß ein feierliches Dunkel in diesem Raume herrschte/ Vor der Bundesladewelche mit einem rethen Vorhänge dekorirt war; stand der Rabbiner in seinem Ornate, ihm zur Rechten der General, 'zur Linken dessen Adjutant. 2m Vordergründe zwischen der Bundeslade und dem Almemor war auf einem Marmorrische die Düste unseres Königs ausgestellt, über dessen Haupte eine Fahne Herabbing. Dir Feldwebel nabmen ihren Pfatz guf dnrt Almemor selbst, und wir Schwörende - mußten unS halbmondkürmig^um.die Büste berumstelkftr, so drstunfer. rechter und linker Flügel sich an dfe.DundeSlave anfchlvß. Als diests geordnet war. mußte unS der Arjutaut einige Haupkparagraphen. auS den KriegSartikcln vorlesen. worauf wir alSdann dest^Hid leisteten.: Unser Rabbiner hielt ritte feierliche Anrede an uns, entband anS feierlich.mehrerer jüdischer Gesetze mit dem Zusatz«, daß wir unS kein Gewissen darüber, machen sollten. wean wir zuweilen die Jüdischen Gesetze übertreten müßten, weil, wie er sagt^ wir jetzt einen Dienst zu beobachten hätten, wo öfterder Fall eiytreien^würde, sie nicht berücksichtigen gp können; jedoch vor mvthwilligen Sünde» sollte» wir unS hüten. Er schloß mjt den Worten: Binder, die Ihr jetzt zu Mannerthaten auserkoren Gott im Herzen, und denket, daß * br mit^Gott für König und ^Heiland'streitet, und Jeder von Euch wird rubig dem ungewissen Tode in'S Aug sehen können! . . . Die allgemeine Stille, welche bisher > herrschte, wurde jetzt durch b<p Schluchzen der weinenden Zuhörer unterbrochen, selbst m General trocknete sich eine Tbräne. Die Feierlichkeit war zu Ende, und der General bedankte sich bei dem Rabbiner -für die gute Ermahn mg, welche er unS ertbeiKe. mtt der Versichrung, dai er die Eompagnie- Evmmandeure: beauftragen werde, i >nS in besondere Aufficht zu nehmen. Alle Anwesenden Zerließen jetzt die Synagoge- ' .! <. Den Lüsten Marz bekamen wirtschon Marschordre und den LLsten wurde dieser Befehl viMstreckt. Dieser Tag wird mir unvergeßlich bleiben: eS war am Sonnabend vor dem Purim-Feste. , Den Abend vor dem Abmarsch »waren meine sämvttlichen. Verwandten bei meinen Eltern; versammelt, um von mir Abschied zu nehmen. Meine gute Mutter richtet« ein -Abendbrod dazu an, und eS sah attS, alS sollte ein Fest gefeiert werden. Auf allen Gestcmern las man die Besorgnisse, die man für mich im Hnzen trug, denn Alle waren sehr über -mich, noch mehr über meine trost ose Mutter bettübr, und meine ganze Beredsamkeit zu ihrer Aufheiterung war vergeben-. Nur mein Vater ^nd meine älteste Schwester zeigten nicht, was sie empfanden, und heiterten durch herbeigefchafften Wefin nach und nach die Gesellschaft auf. Meine Mutter, Welche immerfort weil >te, ließ sich von mir versichern, daß idj t Wochen nach Bern Abmarsch wieder.zurückkehren würde.! wenn wir der Marschroute nach um diese Zeit in Ä. ein treffen würden, und allda zur Besatzung blieben. Beruhigt durch diese Zusicherung leerte sie auch einige Gläßer auf meine glückliche Rückkehr, und wir würden viellercht die ganze Nacht zusanunen geblieben fein', wenn nichtt mein Barer unS an'S Schlafengeben erinnert hätte. BiS^ruf meine Elfern nahmen alle Anwesende den rührendsten Abschieb von mir, und verließen mich unter den heißesten SegenSwünschen. Auf Geheiß meines VaterS mußte ich mich zu ihm in'S .Bett legen, und um den Genrralm lisch, welcher deS Morgens um L Uhr geschlagen werden sollte, nicht zu verhören. mußt« unsre Köchin wachendchleiben. Mein Vater gab mjr noch viele Ermahnungen, Knalle mir die bevorstehenden Gefahren in milden Farbe, vor, und versicherte mir aus eigner wie Andrer Erfahrungen, .daß man auf Gott vertrauend auch das Härles e erleiden kann; der Mensch, sagte er, muß entschlossen und kühn in allen seinen Unternehmungensein, und sein Vorhaben gelingt ihm .um s!o leichter. Mein Vater -schlief ein, währen, ich noch immer munter bsieb, und eS war mir unmög ich, nur einen Augenblick zu schlafe». AuS Ungeduld, »aß der Tambour noch nicht schlagen wollte, verließ ich liise daS Bett, kleidete mich an. und verrichtete mein Mor irngebet mit einer Inbrunst. deren ich mich bei keiner früheren Gelegenheit erinnere.' Endlich schlug eS t Uhr und ich weckte, zwar sehr ungern, meinen Vater. Während dieser sich ankleidet^ wollte ich meine Mutter, die m Nebenzimmer schlief, ermuntern. Allein ich fand sie shon betend auf einem '^Stuhle^ltzen, betend mit einer Aniacht, wie man sie nur seid, Ihr werdet bald daS Feld , der Ehre betreten, habet bei einer gefühlvollen Mutter, melde sich von ihrem innig