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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 15

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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Judentums im neutestamentlichen Zeitalter gehört die Behauptung, dass der Qottesbegriff des Judentums zu einer reinen Abstraktion geworden war, dass erst das Christentum wieder die Lehre von Gott als Vater der Menschen zur Ehre gebracht hat. Herford zeigt eingehend, wie falsch diese Anschauung ist, wie sehr sie duich die Quellen widerlegt wird. Wir müssen uns nun mit den wenigen oben angeführten Worten begnügen und noch auf eine andere Frage hinweisen, in der allgemein ein Gegensatz zwischen Judentum und Christentum herzustellen" versucht ^wird- Nach dem Vorbild von Wellhausen und Schürer wird als leitendes Motiv der pharisäischen Frömmigkeit „das Lohnprinzip im allerstrengsten juristischen Sinne" hingestellt. ■ Hören wir, was unser Verfasser zu diesem Punkte zu sagen hat! Im pharisäischen Schrifttum wird häufig von Lohn und Strafe gesprochen, ohne dass ein einheitliches durchgehendes Prinzip der Auffassung zu erkennen wäre. „Wenn die Pharisäer von Vergeltung sprechen, wollten sie damit anzeigen, dass es den Menschen, die Gutes tun, gut geht, und denen, die Schlechtes tun, schlecht geht, und beides nach Bestimmung Gottes. Auch Jesu3 bedient sich des Ausdruckes Lohn und Strafe. Niemand wird behaupten wollen, dass er sich an die niedrigen Motive der Selbstsucht wenden wollte, und ich glaube, dass er genau dasselbe meinte wie die Pharisäer, dass nämlich von Gott aus das Ergehen der Guten und der Schlechten als Konsequenz ihrer Handlungen bestimmt wird. Es ist zumindest nicht zu rechtfertigen, wenn man behauptet, dass das Wort bei Jesus in der günstigsten Bedeutung, die es zulässt, genommen werden muss, und dasselbe Wort bei den Pharisäern den denkbar ungünstigsten Sinn hat, es ist nicht wahr, dass die mechanische Auffassung dem allgemeinen Glauben der ^Pharisäer entspricht und dass die geistige die Ausnahme bildet" (S. 267 f). „In ähnlichem Sinne wird die Lehre der Pharisäer vom Verdienst (Zachut) aufzufassen sein,dasHandeln um des Lohnes willen verwerfen sie" (S.278 f). Es wäre interessant, auch den Ausfährungen Herfords über die Beziehungen von Jesus und Paulus zur pharisäischen Religion zu folgen, aber der enge Rahmen einer Besprechung zwingt uns, diese Fragen ausser Acht zu lassen. Herfords Ziel ist es, zu zeigen, dass das Thema auch einer anderen als der herkömmlichen Behandlung fähig ist. „Das Christentum sollte endlich darauf verzichten, seine eigene Verherrlichung dadurch zu suchen, dass sein ältester Rivale herabgesetzt wird. Die Zeit ist sicherlich gekommen, in der die Lehre der Pharisäer gewürdigt werden kann als eine Religion, die in ihren Wegen und ihrer Ausdrucksform vom Christentum sehr erheblich abweicht, aber doch als ein lebendiger Glaube, der geeignet ist, dem Bedürfnis der menschlichen Seele zu genügen, als eine Religion eigener Art, die aber nichtsdestoweniger anerkannt zu werden verdient, als eine der vielen Ausdrucksweisen der göttlichen Offenbarung auf der einen und des menschlichen Suchens nach Gott auf der anderen Seite. Die Pharisäer und Schriftgelehrten sind nicht, wie sie gewöhnlich dargestellt werden. Sie waren Heilige und Weise, die Gott in Treue dienten und in der Thora seine volle und wahre Offen-

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