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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 14

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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— 14 - dadurch niedergedrückt oder in seinem Seelenleben gehemmt fühlt, das nicht einmal ansschliesst, dass er den Zwang als wohltätig anerkennt (S. 100). Nicht anders erging es dem Juden, und es kam hinzu, dass die Autorität der Halacha die Thora war, die Thora wiederum die Offenbarung Gottes. In der Offenbarung konnte der Pharisäer Grosses nnd Kleines, "Wichtiges und minder "Wichtiges nicht anerkennen, denn alles war dem Willen Gottes entsprungen. „Nur darum hatten ja alle jene Vorschriften und Handlungen für ihn Wert, weil sie Geheiss Gottes waren." Die Pharisäer wussten sehr wohl, dass die Gebote der Halacha an sich wertlos waren, nur durch die damit verbundene Gesinnung Bedeutung erhielten, sie „betrachteten niemals das blosse Tun als ausreichend, in jedem Falle musste der Vorsatz, Gott zu dienen, die Absicht, ihm zu gefallen, hinzutreten (S. 103). Dies war die einheitliche Aufgabe, die ihnen vorschwebte, sie wollten ihr ganzes Leben zu einem Gottesdienst gestalten. Die Vorschriften der Halacha waren zahlreich, sie wurden aber niemals von den Pharisäern als ein niederdrückendes Joch getragen. Die Erfüllung eines Gebotes war Gelegenheit zum Gottesdienst D^rum freuten sich die Pharisäer, wenn sie in der Lage waren, ein Gebot zu erfüllen, „es kam niemals vor, dass sie durch das Gewicht der Vorschriften erdrückt oder durch ihre Zahl beschwert wurden", ihre Erfüllung bedeutete einen Weg zur Läuterung der Menschen, zur Hingabe an Gott. Auch zu dem bekanntesten Vorwurf gegen die Pharisäer, dem der Heuchelei und Scheinheiligkeit, nimmt Herford Stellung. „Es ist klar, dass eine solche Lehre auch missbraucht werden kann, 'weil sie fortwährend von denen, die nach ihr leben, einen hohen Grad von Hingabe und Frömmigkeit verlangt. Zweifellos konnte sie in vielen Fällen zu reinem Formalismus und zur Heuchelei führen und hat dazu geführt, und dies ist den Pharisäern in ihrer Gesamtheit zumVorwurf gemacht worden. Die Pharisäer selbst waren sich der Gefahr sehr wohl bewusst. Aber wie man klar sieht, waren Formalismus und Heuchelei lediglich die Umkehrung der pharisäischen Religion, sie gehörten nicht zu ihrem Wesen. Den Pharisäern als Gesamtheit erschien die Halacha als eine Hilfe, nicht aber als ein Hindernis, in den Wegen Gottes zu wandeln, als eine Freude und nicht als eine Last" (S, 105). „Hätten die Pharisäer", so sagt der Verfasser, „nichts weiter als die Halacha gehabt, so würden sie immer noch eine wertvolle Religion daraus gebildet haben, aber höher als die Erfüllung sämtlicher Pflichten stand ihnen die Thora, und die Thora schloss auch ganz andere Gebiete ein." „Im Herzen derselben Pharisäer, welche die Halacha entwickelten^-Jebte jene Frömmigkeit, welche im Gottesdienste der Synagoge und des Hauses Gott suchte, welche zu ihm aufblickte mit Liebe und demütigem Vertrauen, ihn erkannte als einen nahen und nicht fernen Gott, nicht als eine Abstraktion oder als einen strengen Zuchtmeister, sondern als den Vater im Himmel" (S. 110f.). . Mit den letzten Ausführungen hat der Verfasser bereits einen wichtigen Punkt berührt, den er in der Ausführung der theologischen Probleme eingehender behandelt (S. 259 ff.). Zu dem eisernen Bestände der Verkleinerungen des

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