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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 16

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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— 16 — b-ärung wiederfanden" (S. 333 ff). Möchte dem Verfasser der Dank, der ihm Gegenüber der Darstellung, die in der evangelischen Erzählung von den Pharisäern und Schriftgelehrten gegeben wird (z. B. Ev. Matth. 12, 34 und 23, 5—8; Luk. 11, 37—40; ib. 16, 14—15) mögen hier Mischna und Talmud (Aussprüche aus dem 1. und 2. Jahrhundert christl Zeitrechnung) angeführt werden. Diese Aussprüche dienten nicht etwa der Abwehr gegen jene Angriffe, denn diese waren den jüdischen Autoren der Zeit ganz unbekannt; sie geben vielmehr das Bild des Weisen und Lehrers — des Pharisäers, wie es den Pharisäern und Schriftgelehrten selbst als Ideal vorschwebte: Du sollst lieben den Herrn deinen Gott (5- B. Mos. 6,4), und durch dich soll bei den Menschen die Liebe zu Gott erweckt werden. Wenn-jemand Thora lernt und die Lehre der Weisen annimmt, dabei redlichen Wandels ist und zu den Leuten freundlich, dann sagen die Menschen: Heil seinem Vater, der ihn die Thora hat lernen lassen, Heil seinen Lehrern, die ihn die Thora gelehrt haben. Seht diesen an, der die Thora gelernt hat, wie schön ist sein Lebenswandel und wie rühmenswert sind seine Taten. Davon spricht der Prophet mit den Worten (Jesaia 49,3): Gott sprach zu mir: Mein Diener bist du, Israel, durch dich werde ich verherrlicht (Joma 86 a). — Der ist kein wahrer Gelehrtor, dessen inneres Wesen nicht so lauter ist, wie er sich äusserlich zeigt (Joma 72 b). — Rabbi Zadok (um 70 christl. Zeitrechnung) lehrte: Mache sie (die Thora und die frommen Werke) nicht zur Krone, um dich mit ihr zu schmücken und nicht zum Spaten, um mit ihm zu graben. — Er pflegte immer zu sagen: Wer sich der Lehre eigennützig bedient, geht zugrunde. (Abot c. 4). — „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben und auf seine Stimme hören und ihm anhängen" (5. B. Mos. 30,20) — der Mensch darf nicht sagen: ich lerne die Thora, damit ich ein Weiser genannt werde, ich studiere die Lehre der Weisen, damit ich Rabbi heisse, ich lehre und unterweise, damit ich als Vorsteher eines Lehrhauses Ehre erlange. Man lerne vielmehr die Thora, um sie zu kennen. -— Rabbi Eleaser Ben Rabbi Zadok (um 100 christl. Zeitrechnung) lehrte: Tue alles um Gottes willen, um der guten Sache willen. Du sollst dich mit diesen Dingen nicht schmücken und sie nicht eigennützig üben (Nedarim 62a).— Rabbi Akiba (Anfang des 2. Jahrhunderts christl. Zeitrechnung) sprach: Vor einem Gelehrten, der sich mit seinem Wissen brüstet, halten sich die Leute die Nase zu (Abot di Rabbi Natan c. 11). I Die Pharisäer nach Mischna und Talmud. Berthold Levy, Berlin C.

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