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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 13

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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— 13den gesetzlichen Teil der Thora zu verherrlichen, weil er göttliche Gebote enthielt, so dachten sie nie und nimmer daran, zu sagen, dass die Thora nur Gesetz wäre und sonst nichts (S. 76). Besonders bezeichnend für die Art der Frömmigkeit,, welche unter der Herrschaft der Thora gedieh, sind die beiden grossen Schöpfungen des nachexilischen Judentums, die Einrichtung der Synagoge mit ihrem von Opfern und Bildern befreiten Kultus, ihrem „Gottesdienst im Herzen", sowie die Verbreitung der Psalmen mit ihrem unvergleichlichen Schatze persönlicher Frömmigkeit. Beide Schöpfungen sind von unbestrittener, grundlegender Bedeutung für die Entwicklung der Frömmigkeit in den Kulturreligionen geworden. (S. 77—88). > Die Pharisäer dachten in keinem Punkte anders als Esra, auch sie waren nicht, wie man gemeinhin behauptet, nur Vertreter der Gesetzlichkeit in ihrer Ethik und lediglich auf das Formale bedacht in ihrem Gottesdienst. Dafür bürgt unter anderem die Ausbildung, welche das Gebet unter ihrem Einfluss erfahren hat. Die Frömmigkeit der Thora äusserte sich zu allen Zeiten nicht nur in öffentlichem Gottesdienst, sondern auch in Gebeten des einzelnen; gerade das Privatgebet Hess sich niemals in Fesseln schlagen. „Man darf nie vergessen, dass in der gesamten Entwicklung des pharisäischen und rabbinischen Judentums, sowohl was Theologie als auch was die praktische Lebensführung anlangt, die geistige und erbauliche Seite immer mit eingeschlossen ist. Jene Männer, welche das gewaltige Gebäude der talmudischen Kasuistik aufgeführt haben, waren Menschen, die zu ihrem Vater im Himmel — sie bezeichneten ihn sogar mit diesem Namen — beteten und ihn in Herzenseinfalt „im Geiste und in der Wahrheit" anbeteten. Sollte jemand das bestreiten — aber es wird es niemand bestreiten, der wirklich die Rabbinen kennt dann frage ich: "Waren die grossen Männer, welche das gleich hohe Gebäude der christlichen Dogmatik aufgeführt haben, etwa Menschen, in denen das geistige Leben vollständig versiegt war? Mag Augustin für seine Brüder unter den Christen die Antwort erteilen, und w_nn diese Antwort angenommen wird, — niemand, der seine Konfessionen gelesen hat, wird sie ablehnen — dann muss auch zugelassen werden, dass R. Akiba, ein waschechter Pharisäer und ein Meister der Halacha, ebenfalls vertraut war, mit den „Geheimnissen Gottes" und „wandelte im Lichte seines Antlitzes" (S. 90). Mit dieser grundlegenden Anschauung von der Bedeutung der Thora als Zentrum der pharisäischen Religion hat sich der Verfasser auf einen Standpunkt erhoben, von dem aus er den herkömmlichen, Angriffen gegen dieselbe leicht zu begegnen vermag. Die Angriffe gegen die pharisäische Religionsauffassung lassen sich kurz dahin zusammenfassen, dass durch sie die Religion und die Moral ihre Innerlichkeit verlieren, zu einem Gegenstande gesetzlichen Zwanges werden, dass sie die sittliche Aufgabe in eine Unmenge von einzelnen Handlungen auflöst, die wahllos nebeneinander 'stehen, ohne dass Wertvolles und Wertloses, Kultisches und Ethisches unterschieden wird. Der Verfasser verweist auf das moderne Staatsleben, welches dem Büfger ebenfalls zahlreiche Beschränkungen und Verpflichtungen auferlegt, ohne dass er sich

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