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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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— LI — pharisäischen Judentum befolgte Methode zurückweist. Er selbst hat in seinem Bache über „Das pharisäische Judentum in seinen Wegen und Zielen"*) einen ganz anderen "Weg beschritten, er hat die Pharisäer aus ihrer Zeit und Umgebung sowie aus dem gesamten Entwicklungsgange des Judentums zu begreifen gesucht; er hat Belehrung über sie nicht aus den Quellen^geschöpft, die dem Judentum fernstehen, sondern aus jenen Schriften, welche auf dem Boden des Judentums in der Ausführung der pharisäischen Ideen entstanden sind, vornehmlich aus Talmud und Midrasch. Es ist bezeichnend, dass der erste christliche Autor, der die gewohnte Methode verlassen hat, zu einem ganz anderen Ergebnis gelangt ist als dem üblichen Zerrbild vom Spätjudentum. Es lag dem Verfasser fern, eine Lobrede auf die Pharisäer zu schreiben. Er ist keineswegs geneigt, kritiklos alles zu billigen, er versucht auch nirgends, den Gegensatz zwischen seiner eigenen christlichen Religionsanschauung und dem pharisäischen Glauben zu unterdrücken. "Wodurch er sich vor allen Gelehrten, die über den Gegenstand geschrieben haben, angenehm auszeichnet, ist das "Wohlwollen, mit dem er sich in die Materie vertieft, die Unparteilichkeit, mit der er sie zu erfassen sich bestrebt. Herford wollte ohne jede vorgefasste Meinung lediglich das zur Darstellung bringen, was nach seiner Ueberzeugung der Anschauung und dem innersten Empfinden der Pharisäer selbst entspricht. Das Buch zerfällt in sechs Abschnitte. Im ersten wird ein geschichtlicher Ueberblick über die Entwicklung des Pharisäertums von seinem Ursprung in Esra bis zu seinem literarischen Abschluss im Talmud geboten. Das zweite grundlegende Kapitel ist betitelt: „Die Theorie der Thora" und behandelt die Religion der Pharisäer als systematischen "Versuch, jene Theorie in die Praxis umzusetzen. Dann wird die Stellung von Jesus und Paulus zum Pharisäertum betrachtet. Im 5. Kapitel werden einige Hauptpunkte der Theologie der Pharisäer vorgeführt und endlich wird im 6. die Bedeutung des Pharisäismus als Religion des Geistes dargestellt. Es ist unmöglich, den gesamten Inhalt des gedankenreichen Buches hier wiederzugeben. "Wir wollen uns damit begnügen, einige der neuen Gesichtspunkte des Verfassers vorzuführen, und wollen dabei nach Möglichkeit den Verfasser selbst zu "Wort kommen lassen. — Die Pharisäer werden gemeinhin als die Vertreter der Gesetzesreligion des Spätjudentums dargestellt, Herford sieht in ihnen die Vertreter des Prinzips, das durch Esra in das Judentum eingeführt und durch den Rabbinismus festgehalten worden ist. „Gesetzesreligion" ist ein falscher Ausdruck dafür, es ist die Religion der Thora, und Thora bedeutet nicht „Gesetz", wie das Wort meist (vom neutestamentlichen Nomos (ausgehend) wiedergegeben wird (S. 58). *) Pharisaism, its aim and its method, by R. Travers Herford, London, Williams & Norgate, 1912; das Buch erscheint demnächst unter obigem Titel in deutscher TJebersetzung von B. Perles bei Gustav Engel in Leipzig. Die Angabe der Seiten bezieht sich auf das englische Original.

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