Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 13 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — Ausdruck in den Worten des Psalmensängers gefanden (128,2) „Wenn da deiner Hände Arbeit geniessest, d^ann Heil dir und wohl dir!a. Derselbe Geist der Hochschätzung der Arbeit pflanzt sich in der Tradition fort, und wenn ich auch mit meinen Ausführungen mich zumeist auf die Thora beschränkt habe, weil man in ihr sozusagen noch den. frischen Erdgeruch der in dem Gegensatz zu Aegypten wurzelnden Verherrlichung der Freiheit und der freien Arbeit verspürt, so will ich doch dieser Darstellung zwei Sätze aus dem Talmud anfügen, um zu zeigen, wie auch in der rabbinischen Tradition der Geist der Thora sich lebendig erweist, und wie nach ihrem Beispiele die Würdigung der Arbeit als eines der ersten religiösen Erfordernisse und als einer hervorragenden sittlichen Potenz darin ihren vollendeten Ausdruck findet. Die Sätze, die verschiedenen Urhebern verdankt werden, stehen nicht vereinzelt, sie sind keine erratischen Blöcke aus diluvianischer Zeit, sie sind vielmehr aus dem Leben gegriffen und veranschaulichen in epigrammatischer "Kürze und Prägnanz die den ganzen Talmud durchdringende Hochschätzung der Arbeit. Der eine dieser Sätze lautet: .,Es ist etwas Grosses um die Arbeit, denn sie erwärmt ihren Mann" (Gittin 67 b), und der andere: „Gross ist die Arbeit, denn sie ehrt ihren Mann" (Nedar 49b). Die so dachten, waren Volkslehrer und — Lastträger. Von den Pharisäern. „Der Religion der Pharisäer war in der Geschichte ein schweres Los beschieden. Es hat sich für Christen selten die Gelegenheit geboten zu erkennen, was die Pharisäer wirklich wollten, und vielleicht noch seltener lebte der Wunsch in ihnen, von dieser Gelegenheit Gebrauch zu machen. Das Pharisäejtnm diente lediglich als Folie für das Christentum, der Weg für eine solche Anschauung war bereits im Neuen Testament vorgezeichnet. Die Angriffe dagegen, die man dort finden zu können glaubte, wurden hoch und deutlich aufgezeigt, auf dass die Vorzüge der christlichen Religion durch die Vergleichung in helleres Licht träten. Auch in unseren Tagen herrscht noch fast uneingeschränkt die Kritik des Judentums vom christlichen Standpunkt aus. Es werden Urteile auf Voraussetzungen aufgebaut, die das Judentum nie und nimmer anerkennen würde. Es ist kaum irgend wo der Versuch gemacht worden zu lernen, was jene Religion für diejenigen bedeutete, welche sie befolgten, welche in ihr lebten und für sie starben und zweitausend Jahre daran festgehalten haben". Es ist ein christlicher Forscher, R. Travers Herford, der in so entschiedener Weise die bisher in der wissenschaftlichen Literatur gegenüber dem * ■ IM l . 's!-. . * : ■. ■. .1