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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 9

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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— 9 - dienen. Wenn dieser Ausdruck auch sonst wohl im Griechischen für die Betätigung der Ergebenheit gegen Gott verwendet wird, so ist doch der typische Gebrauch dieses "Wortes in der Septuaginta und danach im Neuen Testament die wahrscheinliche Entstehungsursache unseres deutschen „Gottesdienst". Denn ursprünglich sprach man auch im Deutschen nur von Herrendienst., An die vollzogene Wandlung, die im Hebräischen das Wort HTQy durchgemacht hat, erinnert im Deutschen noch das Sprichwort: „Herrendienst geht vor Gottesdienst". So spannt sich in weitom Bogen die Erhebung der Arbeit zu einem hervorragenden Moment der Sittlichkeit von der Thora aus bis in die fernsten Zeiten und Sprachgebiete. X. Es ist nicht die Gewohnheit der Thora, ihre Maximen^ und Vorschriften zu begründen. Nur in einzelnen Fällen, wie beispielsweise bei der Bestechung (II. B. Mos. 23,8), der Unzucht, (III. B. M03. 19,29), der ungesühnten Blutschuld (IV. B. Mos. 35,33), findet sich ein kurzer Hinweis auf die verderblichen Folgen. Diese Eigentümlichkeit ist darin begründet, dass die Thora nichts weniger ist, noch sein will, als ein mit einem Motivenbericht ausgestattetes Gesetzbuch. Dir eigentlicher Charakter wird dadurch bestimmt,dass sie nichts anderes bezweckt, als den Werdegang darzustellen, durch den das Sklavenvolk Israel das Volk Gottes geworden ist. Deshalb ist der beste Kommentar der Thora sie selbst, und wie die einzelnen Vorschriften und Lehren die Protuberanzen ihrer Geschichtschreibung sind, so strahlt diese die erhabensten Gedanken und Anschauungen aus, die nur nicht, vielleicht, weil sio zu umfassend sind, eine bestimmte Formulierung durch Worte erhalten haben. So wird1 man in der Thora eine direkte Würdigung der Freiheit, oder auch nur ein Wort über die sittliche Bedeutung und Tragweite derselben vergeblich suchen. Dennoch ist sie recht eigentlich das Hohe Lied der Freiheit. Aus jeder Zeile, in der sie von der Schmach und dem Elend der ägyptischen Sklaverei redet, erklingt diese Note, aus jeder Erinnerung an die Zeit der Knechtschaft züngelt' die Flamme der Begeisterung für die Freiheit. Unnötig, darauf hinzuweisen, dass die Freiheit niemals lauter und herzinniger gepriesen wurde, als in dem Sang am Schilfmeer, obwohl das Wort nicht darin vorkommt. In demselben Sinn ist die Thora auch das Hohe Lied der Arbeit, obwohl sie ihr keinen direkten Lobspruch widmet. Aber von Anfang bis zu Ende der Thora rauscht dieses Lied durch ihre Blätter. In dem dem ersten Menschen erteilten Auftrage, den Garten Eden zu bearbeiten und zu warten, in der Heiligung des Sabbat, in der dem fleissigen Landwirt verheissenen Fruchtbarkeit des Erdbodens, in der Einsetzung des Festes der Erstlinge und des herbstlichen Hütten- und Erntefestes, in allen diesen Momenten kommt die Arbeit zu Ehren, und sie tritt in die engste Beziehung zur Religion, wobei daran erinnert werden muss, dass alle diese Momente ihren Nachdruck erhalten durch die sie begleitende Melodie der Verurteilung und Verwerfung des Sklavendienstes. Der Preis der Arbeit, der in der angedeuteten Weise durch die ganze Thora unvordringlich, aber unverkennbar sich hinzieht, hat seinen prägnantesten

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