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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 7

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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wachsen ist in der Bibel das Leben mit dem Ackerbau, dass ihm die Bilder entlehnt werden, um alle Erfahrungen des Lebens zu veranschaulichen. Aber er Ackerbau ist es auch, der in seiner Abhängigkeit von Einflüssen, die ausseralb der Machtsphäre des Menschen liegen, in diesem selbst das Bewusstsein der Abhängigkeit von einer höheren Macht hervorruft, mit anderen Worten ihn Gott erkennen, lieben und fürchten, und gemäss dem in der Natur waltenden Gesetz auch das menschliche Leben von einem Sittengesetz durchdringen und ordnen lässt. Ganz besonders ist es Psalm 101, den man das Urbild von Schillers „Spaziergang" nennen könnte, der die religiöse und moralische Seite des Ackerbaus beleuchtet. Mit dem Sonnenaufgang beginnt die Arbeit des Landmauns. „Der Mensch geht aus zu seinem Werke, Und zu seiner Ackerarbeit bis zum Abend" (Vers 23). Aber der Psalm beginnt und endet mit dem Ausruf: „Preise, meine Seele, den Ewigen Gott ist der Anfang und das Ziel der Arbeit. VII. Damit betreten wir die Brücke, über welche die Arbeit in die Religion als ein konstitutives Element derselben eingeführt wird. Diese Einführung erfolgt in dem Sabbatgebot der beiden Dekaloge, und zwar sowohl durch die Exemplifikation der schöpferischen Arbeit Gottes wie durch den Hinweis auf die Erlösung des Volkes aus der sklavischen Arbeit in Aegypten. In dem ersteren Dekalog wird der Sabbat auf die Basis der schöpferischen Arbeit Gottes gestellt, in dem letzteren auf die Tatsache der Befreiung des Volkes aus der ägyptischen Sklaverei. Beide Gesichtspunkte mussten, wie sich aus den vorstehenden Ausführungen ergibt, gewürdigt werden, um Wesen und Wert der Arbeit in ihrem vollen religiösen Lichte erscheinen zu lassen, die Dekaloge leisten sich daher gegenseitig den Dienst einer notwendigen Ergänzung, doch wird sich schwerlich jemals ergründen lassen, welche Absicht dazu führte, die erwähnten Gesichtspunkte nicht gleichmässig in beiden Dekalogen zu betonen, sondern sie auf dieselben zu verteilen, und zwar so zu verteilen, wie es der Fall ist. Ich wage indessen die Vermutung, dass im II. Buche der Thora, wo wir uns die Befreiung aus Aegypten als eben erst stattgefunden zu denken haben, die Begründung des Sabbat mit diesem dem Volke unmittelbar gegenwärtigen Ereignis überflüssig und der Hinweis auf die schöpferische Tätigkeit genügend schien, wohl aber war die Herleitung des Sabbat von der Befreiung aus dem Sklavenjoch Aegyptens' im V. Buch der Thora am Platze, in dem ein inzwischen erfolgter- Ablauf von' vierzig Jahren seit dem Auszuge aus Aegypten, mithin eine Nachdunklung dieses Ereignisses, andererseits aber die bereits vollkommen befestigte Schöpfungslehre vorausgesetzt wird, wodurch die Erwähnung dieser letzteren unnötig erscheinen mochte. Auf diese Weise würde die Behandlung des Sabbatgebotes in den beiden Dekalogen den von den mittelalterlichen Lehrern häufig geltend gemachten exegetischen Grundsatz bestätigen, dass die Thora bald Kürzen, bald Längen, natürlich beabsichtigte, aufweise, worüber ich in meinem Aufsatz „Kürzen und Längen in der Bibel" (Monatsschr. 1911, S. 129 ff.) ausführlicher gehandelt habe.

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