Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 13 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— G — TJebertluss nicht schlafen." Denn es ist die Müdigkeit nach der Arbeit im Schweiss des Angesichts, die den Schlaf versüsst. So verwandelt der Flach des Erdbodens sich tatsächlich in Segen für den, der ihn bearbeitet. ' % ' v ■-;* ' VI. > Es ist aber vornehmlich der Ackerbau, den die Thora unter Arbeit versteht. Von dem Sabbatgebot, von dem weiter ausführlicher die Rede sein wird, heisst es: „Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebenten feiern, in der Pflügezeit und in der Ernte sollst du feiern" (II. B. Mos. 34, 21). , Damit wird vorausgesetzt, -dass die Bodenarbeit die eigentliche und verbreitetste Arbeit ist. Auch Belohnung und Bestrafung beruhen auf dieser wirtschaftlichen Tatsache. Wenn Gott dem Volke Belohnung für seinen frommen "^andel in Aussicht stellt, dann veiheisst er ihm: _Ich werde euch Ragen geben zu rechter Zeit" (III. B. Mos. 26, 4), während er für den Fall Üer Widersetzlichkeit des Volkes droht, dass er den Regen zurückhalten werde (V. B. Mos. 11, 17). Weitere Beispiele anzuführen, ist überflüssig, sie drängen sich dem Leser an zahlreichen Stellen auf. Indem aber die Thora den Ackerbau in den Mittelpunkt des Lebens stellt, bringt sie gerade die schwerste Arbeit, die damals der Ackerbau ist, zu Ehren, und eröffnet in ihr die Quelle der Sittlichkeit und Religion. In dem Ackerbau zeigt sich der Mensch in seiner innigsten Beziehung zur Natur und in seiner ursprünglichen Verbindung mit dem Erdboden, wie Schiller dieses Verhältnis im „Spaziergang" geschildert hat: „Nachbarlich wohnet der Mensch noch mit dem Acker zusammen, Seine Felder umruhn friedlich sein ländliches Dach, Traulich rankt sich die Reb" empor an dem niedrigen Fenster, Einen umarmenden Zweig schlingt um die Hütte der Baum." Wem aber erscheinen in diesen Versen nicht die landschaftlichen Bilder der Thora und der anderen biblischen Schriften wieder! „Der da bindet an den Weinstock sein Füllen, und an die Rebe das Junge seiner Eselin, er wäscht im Weine sein Kleid, und im Blut« der Trauben sein Gewand" heisst es im Segen Jakobs (I. B. Mos. 49, 11). Joseph ist in seinem Traume, der nur ein Abbild der Wirklichkeit ist, im Verein mit seinen Brüdern damit beschäftigt, auf dem Felde Garben zu binden (das. 37, 7). In Friedenszeiten wohnt jeder unter seinem Weinstock und unter seinem Feigenbaum (I. Kön. 5, 5), und so wird es auch in den Zeiten des Messias sein (Micha 4, 4). Die trauliche Häuslichkeit wird in folgendem Bilde geschildert: ^Dein Weib ist wie ein fruchttragender Weinstock im Innern deines Hauses, deine Kinder sind wie Oelbaum-Sprösslinge um deinen Tisch" (Ps. 128, 3). Auch die Abwechslung von Trauer und Freude spiegelt sich in den Schicksalen des Landmanns. „Die mit Tränen säen, mit Jubel werben sie ernten. Weinend geht, der den Wurf des Samens trägt, heim kehrt er mit Jubel, seine Garben tragend" (Ps. 126, 5, 6). Allerdings liefert der Ackerbau auch die Bilder, um das Leid zu schildern, das Feinde und Bedränger dem Menschen zufügen: „Auf meinem Rücken haben Pflüger gepflügt, lang gezogen haben sie ihre Furchen" (Ps. 129, 3). So innig ver-