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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1913-05-01 · 13 (5.1913) · p. Seite 4

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
7 (1913)
Issue
13 (5.1913)
Date
1913-05-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 — Arbeit. Diese war im ganzen Altertum des freien Mannes unwürdig, zu ihrer Verrichtung bediente man sich des Sklaven. Erst die Thora hat den Segensquell, der in der Arbeit ruht, erschlossen. Sie gebraucht für Aegypten schon in dem ersten Satz der Dekaloge die brandmarkende Bezeichnung „Haus der Knechte". Die Brandmarkung liegt nicht in dem Gebrauch des Wortes „Knecht", dem auch eine edle Bedeutung innewohnen kann, sondern in dem typischen Gesamtausdruck „Haus der Knechte", dessen Sinn erst klar wird, wenn man die Bezeichnung „Haus Israel" dagegen hält. Damit wird das ganze Staatswesen, das System Aegyptens als kontradiktorischer Gegensatz dem Haus Israel gegenübergestellt, was für unseren Zweck die Feststellung zur Folge hat: dort Sklaverei und sklavische Arbeit, hier Freiheit und freie Arbeit. Da alle Einwendungen und Anklagen, welche die Thora gegen Aegypten erhebt, in dem Brennpunkt der von seinen Pharaonen ausgeübten Sklaverei sich vereinigen, so ergibt sich schon aus dieser Tatsache, dass in dem erlösten Israel kein Zug so mächtig und prägnant sich ausbilden konnte, wie die Hochschätzung der Freiheit und der freien Arbeit. Aber die Thora lässt es nicht bei der Selbsterziehung des Volkes bewenden, es ist vielmehr eines der feinsten und tiefgründigsten pädagogischen Systeme, das sie zu dem Zwecke verfolgt, jener Selbsterziehung zur höchsten Würdigung der Freiheit und der freien Arbeit zu Hilfe zu kommen. Die folgende Untersuchung wird Gelegenheit bieten, dieses System kennen zulernen. IV. Zwei Wege sind es, die die Thora benutzt, um die sklavische Arbeit dem Volkeverächtlich zu machen und auf dem Grunde dieser Folie die freie Arbeit in seinen Augen zu heben. Der nächstliegende, durch die unmittelbare Erfahrung gegebene, war die ununterbrochene, bei jeder Gelegenheit erneuerte Vorhaltung der Schmach , und Schande des ägyptischen Frondienstes, wovon die Erlösung wie das Morgenrot von dem Dunkel der Nacht sich abhebt. Es dürfte sich in der Weltgeschichte nicht zum zweiten Male linden, dass eine Periode politischer und moralischer Erniedrigung, die ein Volk durchmachen musste, in solchem Grade seinen ferneren Entwicklungsgang bestimmte, wie dies bei dem Volke Israel durch seinen Aufenthalt in Aegypten geschehen ist. „Denke daran, dass du ein Knecht im Lande Aegypten gewesen bist" (V. B. Mos. 5, 15.15, 15.IG, 12.24, 18.22) — diese so oft erteilte und variierte Mahnung bildet die Signatur der jüdischen Religion, Sittlichkeil und Lebensauffassung. Die moralische Wirkung aber, die durch diese dem Volke in Fleisch und Blut übergegangene Erinnerung in jedem Volksgenosse^ zunächst hervorgebracht werden musste, war der Drang" nach Selbständigkeit und selbständiger, freier Arbeit. Dem .Sklaven, der, wenn er die Freiheit erlangen konnte, sie zurückwies und weiter Sklave bleiben wollte, wurde das Ohr durchbohrt (II. B. Mos. 21,6), weil das < >iip_einst am Sinai das Wort Gottes vernommen chatte: „Denn mir sind die Kinder Israel Knechte, aber sie sollen nicht Knechte von Knechten" sein" f Kiddusch. 22b), und jener dennoch die Knechtschaft der Freiheit vorzog. Kann man sich eine radikalere Methode denken, die Menschen zur Selbständigkeit

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