Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 7 (1913)
- Issue
- 13 (5.1913)
- Date
- 1913-05-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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i . jf Um an einem zweiten Beispiele darzutun, wie die Tljiora nur aus dem Gesichtspunkte der Verneinung und Abweisung Aegyptens zujverstehen ist, und wie sie, auch ohne dieses namhaft zu machen, sich dagegen in Opposition stellt und dadurch sich bestimmen lässt, verweise ich auf die im ^2. Buch Moses befindlichen ausführlichen Kapitel über die Stiftshütte, die der Kritik grosse Schwierigkeiten bereiten. In Aegypten hatte das israelitische Volk als Stätten der Gottesverehrung nur Bauten von kolossalen Dimensionen kennen gelernt, wie noch jetzt die Ruinen von Karnak beweisen. Man vergegenwärtige sich die Tiefe des Eindrucks, der durch den langgewohnten Anblick solcher monumentalen Bauten im Bewusstsein des Volkes hervorgerufen war, und wie diese Eindrücke der neuen Lehre von einem geistigen Gott und einer geistigen Gottesverehrung die grössten Hindernisse bereiten mussten. Es waren doch wohl, wie wir zur Ehre des Volkes annehmen dürfen, nicht bloss „die Fische, die Gurken und Melonen, der Lauch, die Zwiebeln und der Knoblauch" (IV.B.Mos. 11, 5), welche die Sehnsucht nach Aegypten wach erhielten, — wenngleich zur Zeit des Hungers die Vorstellung dieser essbaren Dinge naturgemäss alles Andere in den Hintergrund drängte —, sondern die erwähnte Wirkung wird vornehmlich auch durch dieErinnerung an die imponierenden ägyptischen Tempelbauten begünstigt worden sein. Nichts war daher vom Standpunkte des voraussehenden Gesetzgebers natürlicher und dringender geboten, als, wie es die Thora tatsächlich tut, gegen den monumentalen ägyptischen Tempelbau zu demonstrieren und sein Ansehen zu untergraben. Dies geschieht durch die einfache, aber bestimmte Erklärung, von der das Volk sofort begreifen musste, wohin sie ziele, dass der einzig-einige Gott und "Weltenherr nur einen „Altar von Erdeu (II. B. Mos. 20, 24) verlange, dass bei Errichtung eines steinernen Altars „behauene Quadern" (das.) nicht in Anwendung kommen sollen und dass Gott „an jedem Ortej" (das.) zu finden sei. Demgemäss war der erste Tempel, den Israel «rrichten sollte, kein Haus, sondern ein Zelt, eine Hütte, eine Bretterbude, und er sollte nichts anderes sein. Brachte dies schon der Aufenthalt in der,Wüste mit sich, so liegt doch der ausführlichen Behandlung der Stiftshütte das Motiv der Opposition gegen den monumentalen Tempelbau Aegyptens zu Grunde, ja gerade die Ausführlichkeit sollte dartun, dass auch eine Hütte, deren Ausschmückung nur dem Bedürfnis des Volkes entgegenkommen sollte, ein würdiges Heiligtum des einigeinzigen Gottes sei. Die Stiftshütte war also vom Standpunkt der Opposition eine Notwendigkeit. Voltaire hat bekanntlich gesagt: „Si Dieu n'existait pas, il faudrait l'inventer". Mit demselben Rechte darf man behaupten: wenn die Kapitel von der Stiftshütte in der Thora an ihrer jetzigen Stelle fehlten, müsste man sie vermissen. HL Die vorstehenden Ausführungen zeigen, wie die Thora in Allem und Jedem von dem Geiste der Opposition gegen Aegypten bestimmt ist. Von diesem Standpunkte beleuchtet sie auch Wesen und "Wert der körperlichen '; ' [ " ' -• I ■ — 3 — II.