Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 11 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- » - S. 215, Z. 14 v. o. „Dazu kommt folgendes dritte Moment der positiven Bedeutung der Erwählung Israels: den Menschen ausserhalb Israels wurde durch die in ihm sich abspielende Religionsgeschichte Gelegenheit gegeben, das Gut einer positiven Verbindung mit Gott in seinem unschätzbaren Werte kennen zu lernen, um es dann aus eigner Ueberzeugung zu ersehnen. Denn das kann ja nicht bestritten werden, dass Israel mit seiner religiösen Eigenart, der daraus fliessenden inneren Festigkeit, stillen Siegesfreude und ernsten Gewissenhaftigkeit einen tiefen Eindruck auf die besseren Geister der umgebenden Völkerwelt machen musste und gemacht hat". Das Judentum unter den Religionen Vortrag , > von Rabbiner Dr. Baeck-Düsseldorf, gehalten auf der Hauptversammlung des Verbandes der Deutschen Juden am 5. November 1911. Die Frage nach der Stellung des Judentums unter den Religionen lässt sich zunächst statistisch beantworten. Es gibt auf Erden ungefähr 1600 Millionen Menschen, und unter diesen sind etwa 10 Millionen Juden. Also jeder Jude sieht sich von den Andersgläubigen umgeben, aber immer erst der 160 ste unter diesen sieht einen Juden. Vielleicht sind wir deshalb noch immer die grossen Ungekannten auf Erden. Allerdings Heinrich von Treitschke hat einmal behauptet, wir Juden hätten die merkwürdige Eigenschaft, uns zu multiplizieren; wenn irgendwo zwanzig von uns wären, so meinte man alsbald, es wären zweihundert da. Aber mag vielleicht etwas Wahres daran sein, mag unsere kleine Zahl durch eine Beweglichkeitspotenz ein wenig aasgeglichen werden, auch dann ändert es sich doch nicht, dass es unser Schicksal war und bis auf weiteres bleiben wird, überall eine kleine Minderheit, die Minorität zu sein. Wir sind immer die Wenigen gewesen. Wir haben nie die Bequemlichkeit gehabt, dass unsere Ansichten sich mit den herrschenden deckten, und wir den Beweis für unsere Ueberzeugung darin finden konnten, dass alle ringsumher dasselbe meinten und dachten. Im Weltparlament haben wir immer auf der linken Seite gestanden als unseres Herrgotts allertreueste Opposition. Um, Gottes willen haben wir immer im Widerspruch - gestanden gegen die Ansichten, die die Welt regierten, und die mit dem Glänze des Erfolges und der Macht umkleidet waren. Wir sind, um ein Wort des englischen Volksmannes Spurgeon zu gebrauchen, stets die „grossen Nonkonformistenu gewesen, die grossen Audersseienden, die, die ihren Glauben für sich haben wollten. Es ist kein Zweifel, wir haben dadurch unser eignes Antlitz erhalten. Wir existieren nicht bloss, sondern wir sind etwas, wir stellen einen eignen Stil in der Menschheit dar. '".[''•»'; ' . "■: