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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1912-06-01 · 11 (6.1912) · p. Seite 8

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
6 (1912)
Issue
11 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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I I ' - 8 - machenden Glaubens ist damit vermieden, die Ausschliesslichkeit der Erwählung lässt die Vorstellung einer Ausschliesslichkeit des Heils nicht zu, ganz abgesehen davon, dass im Mittelpunkt der jüdischen Gedanken überhaupt nicht das Heil und die Seligkeit stehen sondern das Sittlichkeitsideal. So ergibt sich ganz von selbst die Art und Weise, in der wir uns die Erfüllung 1 der Berufung Israels denken, nämlich fern von jeder aggressiven Gewalt und jeder polemischen Schärfe allein durch die Kraft des Beispiels und durch das eigene Vertrauen auf den Wert und die steigende Bedeutung seiner Lehren. Der Glaube an die Sendung Israels an die Menschheit ist die notwendige Ergänzung des Bewusstseins der Erwählung: Das Ziel ist die Menschheit, die einig ist im Streben zu Gott, in Liebe und Gerechtigkeit. In einer während der Drucklegung des vorstehenden Aufsatzes in der „Neuep Kirchlichen Zeitschrift" Jahrgang 1912 Heft 2 und 3 erschienenen Abhandlung des bekannten evangelischen Theologen Geheimrat Prof. D. Dr. Ed. König in Bonn, betitelt „Biblische Heilsgeschichte und Israels Erwählung", finden sich Gedankengänge, die sich gelegentlich mit den hier vorgetragenen berühren; e's mögen daher einige Sätze aus ihr als Ergänzung des hier Ausgeführten wiedergegeben werden. So schreibt König unter anderem: S. 207, Z. 5 v. u. „Israels Erwählung schliesst zweitens auch deshalb keine Verletzung der Gerechtigkeit in sich, weil bei Israel sich Rechte und Pflichten die Wage gehalten haben. Denn an Israel hat sich der Satz voll bewährt „Gewalthaber •werden (auch) gewaltig geprüft" (Weish. Sal. 6,7), d. h. die mit einem hohen Posten in der Geschichte betraut sind, werden auch in hohem Grade zur Rechenschaft gezogen. An Israel hat sich das Grundprinzip „Wem viel gegeben ist, von dem wird auch viel gefordert" in voller Strenge durchgesetzt. . . . '. . Also Israel hat kein leichteres Pfund zu verwalten gehabt, als andere Nationen. Sein Gang durch die Weltgeschichte glich dem Marsche des Bergführers, an dem sich ein Straucheln oder eine Verirrung am ersten und schwersten räch^" S. 212, Z. 6 v. o. „In dem Schrifttum des Bundesvolks sind nicht nur alle Nationen als Glieder einer grossen Einheit betrachtet (Gen. 10, 1 ff. usw.), sondern auch zunächst die in Israels Mitte lebenden einzelnen Fremden in hervorragendem Grade dem Schutze empfohlen (Exod. 22,2*0 usw.). Auch hat die Ausdehnung des Heilsteilnehmerkreises auf alle Nationen in der speziellen Heilsgeschichte Israels uri'd den Weissagungen der Propheten eine zweifellos alte, immer deutlichere und nur aus Strafrücksichten hier und da unterdrückte Betonung gefunden". *

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