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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1912-06-01 · 11 (6.1912) · p. Seite 5

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
6 (1912)
Issue
11 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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die innige, unauflösliche Verbindung von Religion und Sittlichkeit zu erzielen. Es war eben die Botschaft vom Sittlichhandeln als dem erhabensten Gottesdienst, die zu verkünden Israel erwählt ward, und durch sie gerade wurde die Schranke des Partikularismus durchbrochen und dem weitesten Universalismus die Herrschaft gebahnt. Um aber in unserer Mitte der Lehre von der „Erwählung Israels" ihre Bedeutung zu sichern, genügt vielleicht nicht die blosse Abwehr von Angriffen, die gegen sie erhoben werden, der mehr oder minder negative Nachweis, das« mit ihr beschränkender Partikularismus und hochmütige Ueberhebung nicht verbunden sind, sondern es dürfte notwendig .sein, ihr auch eine positive Stütze nach der Richtung hin zu geben, dass man die Verbindung zwischenihr und unserem ethischen Bewusstsein aufzeigt. Die Formel dafür mag lauten: Unser Bekenntnis zu der ,,Erwählung Israels" ist der Ausdruck dafür, dass wir gesonnen sind, nnsern Wert für die Kultur der Menschheit selbst zu bestimmen, dass wir uns nicht von fremder Meinung abhängig machen und auf fremdet Urteil warten, sondern dass wir die Bedeutung der Gedanken, als deren Träger wir uns fühlen, und die innere Berechtigung der Stellung^ die wir innerhalb der Menschheit für uns fordern, aus uns selbst schöpfen und dabei einzig und allein die Summe der in uns selbst wirksamen und lebendigen Kräfte in Betracht ziehen. Nun mag man sich die „Erwählung Israels" denken, wie man wilL Man mag sie mit einer supranaturalistischen Offenbarung in Verbindung bringen und dann ihren Träger seinen Weg durch die Weltgeschichte mit der Aufgabe gehen lassen, die Wahrheiten dieser Offenbarung festzuhalten und ihnen weiteste Verbreitung zu erkämpfen. Oder man mag dem Gedanken die Wendung geben, dass Israel erwählt ist, wenn es sich selbst erwählt, wenn es sich selbstsicher auf seine besonderen religiösen Erfahrungen stützt, und mag einfach die unleugbare Tatsache konstatieren, dass Israel der erste Vertreter des Monotheismus und der mit ihm im Zusammenhang stehenden Lehren war, vor allem der Lehren von der Reinheit der menschlichen Seele und ihrer eigenen Kraft, den Weg zu Gott in steigender sittlicher Vervollkommnung zu finden, dass es sie auch heute noch allein in ihrer Reinheit verkörpert, sodass jeder religiöse Fortschritt der Menschheit ein Hinsteuern auf jüdische Gedankenreihen bedeutet, immer bleibt das zu Grunde liegende sittliche Fundament jene oben genannte Formel. In ihr vollzieht sich die Verbindung mit einem der lebendigsten ethischen Gedanken unserer Gegenwart, in ihr ist die Verknüpf ung mit dem Grundgedanken geboten, der alle sittlich Gefestigten und innerlich Starken bewegt, dass es nämlich einer Persönlichkeit, die ihren Wert kennt, und einer Gemeinschaft, die Anspruch auf Achtung und Geltung erhebt, einzig und allein geziemt, aus eigenem Recht, das heisst aus der inneren sittlichen Berechtigung der von ihr vertretenen Anschauungen und Ziele Stellung und Wirkungamögliohkeit zu beanspruchen und sich zu verschaffen. Und grade, wenn man die Verwirklichung dieses Gedankens als eines der sittlichen Ideale ansieht, die die Gegenwart beherrschen, wird die Erkenntnis wertvoll, dass an ihm im Grunde nur diese Art der Formulierung neu ist, und dass er eigentlich in v ■ ■

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