Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 6 (1912)
- Issue
- 11 (6.1912)
- Date
- 1912-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I Volke......" und (Kap. 66, Vers 6,7) „Auch die Abkömmlinge der Fremden, die sich dem Herrn anschliessen, ihm zu dienen und den Namen des Herrn zu lieben, ihm Diener zu sein, jeder, der den Sabbath wahret, ihn nicht eu entweihen, und alle die festhalten1 an meinem Bande, — ich bringe sie nach meinem heiligen Berge und erfreue sie in meinem Bethause; ihre Opfer werden gnädig aufgenommen auf meinem Altare, denn mein Haus soll ein Haus der Anbetung genannt werden für alle Völker". Ebenso heisst es dort in Kap. 66, Vers 21: „Und auch von ihnen (von den fremden Völkern) werde ich zu Priestern und Leviten nehmen, spricht der Herr" und weiter in Kap. 66, Vers 23 : „An jeglichem Neumond und an jeglichem Sabbath wird jeder Mansch kommen, sich vor mir zu beugen, spricht der Herr". \ An diese Auffassung, dass vor Gott alle Menschen gleich sind, und dass die Erwählung Israels nicht auf der Abstammung beruht, schliesst sich Philo in seiner Abhandlung über den Adel (De nobilitate ed. Mangey 2. p. 437 ff) an, in der er ausführt, dass der Vorzug des Adels nicht in der Geburt sondern im persönlichen Wert und in dem sittlichen Wandel begründet sei. Inden\!er dies auf das jüdische Volk anwendet, richtet er sich znmSchluss gegen die engherzige nationale, die falsche Auffassung von der Erwählung Israels mit den "Worten: „Was haben wir also mit denen zu teilen, die auf den Adel Anspruch machen, als wäre er nur ihr Eigentum, während er ihnen (in Wahrheit) etwas Fremdes ist? Solche können mit Recht als Feinde sowohl des jüdischen Volks wie auch aller Menschen allenthalben angesehen werden: des jüdischen Volkes, weil sie ihren Stammesgenossen die Freiheit einräumen wollen, ein vernünftiges und sittlich gokräftigtes Leben zu schmähen im Vertrauen auf das Verdienst ihrer Vorfahren, — der anderen Menschen, weil diese auch dann, wenn sie den Gipfel der Tüchtigkeit erreichen, keinen Nutzen davon haben sollen, weil sie nicht tadelfreie Eltern und Grosseltern gehabt hätten". Religionsphilosophen und Verfasser populärer ethischer Schriften knüpften an diese Gedankenkreise an und suchten sie weiter zu verbreiten. So findet Jehuda ha-Levi (im Kusari I 95), der mit besonderer Liebe die bedeutsame Stellung Israels zeichnet, ihre innere Begründung in der Tatsache, dass in dem israelitischen Zweige des Stammes Abraham eine durch Geschlechter sich vererbende Erziehung zur reinen Gottesverehrung ein besonderes Verwachsen sein mit der Gotteserkenntnis und den aus ihr fliessenden Pflichten erzeugt hat. Bezeichnend ist die Antwort, die Maimonides dem Proselyten Obadja auf dessen Anfrage gegeben hat, ob er berechtigt sei, im Gebete von dem Gctte Israels als von dem „Gott unserer Väter" ^u sprechen, die Gott in uralter Zeiti erwählt hat. Maimonides erklärt mit aller Entschiedenheit (Responsen I, 15Sj dass der Proselyt, obwohl von heidnischer Abstammung, sich als Abkömmling Abrahams betrachten könne, denn es sei nicht die leibliche Nachkommenschaft' gemeint sondern die geistige, und diese umfasse alle Menschen, die den Götzendienst und alle mit diesem verbundene Laster aufgeben und sich Gott anschliessen. AVer bis in ewige Zeiten aus den heidnischen Völkern Gott anerkennt, kann eich zu den Nachkommen Abrahams zählen, denn Abraham war nicht nur der