Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1912-06-01 · 11 (6.1912) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
6 (1912)
Issue
11 (6.1912)
Date
1912-06-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4908657-6349534-6349575--149-4908790
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

" - " . — 2 — i . * t . '.! , , er ganz im Gegenteil Israel ein höheres Mass von Pflichten, eine Verantwortlichkeit für die Ausbreitung der sittlichen Idee auf Erden auflud und dass er demgemäss von ihm eine grössere Strenge gegen sich selbst forderte. So prägt es sich ans in Bibelversen etwa wie IL B. Mos. 19,5 „Und nun, wenn ihr auf meine Stimme höret und meinen!Bund bewahret, sollt ihr mir ein Eigentum sein aus allen Völkern, denn mir gehöret die ganze Erde" oder AmOB 3,2 „Nur euch habe ich erkannt aus allen Geschlechtern der Erde, darum ahnde ich an euch alle eure Sünden"; oder Jeremia 11,4 „Höret auf meine Stimme und handelt in allem so, wie ich es euch gebiete, so ■werdet ihr mir zugehören als Volk und ich werde euer Gott sein". Getreu der in diesen und ähnlichen Bibelversen ausgesprochenen Denkart finden wir dann auch im späteren jüdischen Schrifttum den Gedanken der Erwählung nicht im Sinne einer nationalen Bevorzugung sondern im Sinne einer sittlichen Aufgabe betont. Wir begegnen ihm in der talmudischen Literatur. Die agadische Deutung bezieht die berühmten Reden des Deuterojesaja vom Gottesknechte, der zum Lichte der Völker wird, auf Israel. Im Midrasch (Jalkut Jithro 276) wird der Vers IL Mos. 19,5 „Ihr werdet mir ein Eigentum sein' aus allen Völkern" in folgender "Weise ausgelegt: „Ihr müsst ganz und gar in meinem Dienst aufgehen und euch der Thora widmen und keiner Sache sonst". In Abodah Zarah 3 a wird Gott der Ausspruch in den Mund gelegt, dass ..wenn Israel sich nicht zur Thora bekennt, die Welt ihre Daseinsberechtigung 'verliert und ins Chaos zurückgeschleudert werden muss". Und Rabbi Samuel bar Nachmani sagt: „Gott schloss seinen Band mit Israel nur uro. der Thora willen". ( Jalkut zu den Psalmen 819.) ' 1 Um jeder Möglichkeit einer Missdeutung vorzubeugen, -wurden die Lehrer Israels nicht müdf. die universalistische Richtung des Judentums ins hellste Li'-ht -^u rücken. So lehrt Rabbi Meir (im -2. Jahrhundert n. Chr.), ..dass der Heide, der sich mit der Lehre befasst. dem Hohenpriester gleichzustellen ist. -Denn es heisst im III. B. Mos. 18,5: „Beobachtet meine Satzungen und Vorschriften, die der Mensch üben soll, dass er durch sie lebe", es wird nicht gesagt, das« Priester. Leviten oder Israeliten durch sie leben sollen, sondern jeder Mensch" [Abodah Zarah 3aV Und es ist sicher nicht ohne Absicht, wenn im Ritus der abendländischen Juden an den mit den Worten: „Ich sondre euch aus von'den Völkern, dass ihr mir gehöret" schliessendenThoraabschnitt (LU.B.M.20) der Prophetenabschnitt (aus dem Buche Arnos) sich anreiht, der mit den Worten beginnt: ..Wie die Kuschiten seid ihr mir, 'Kinder Israels, ist der Spruch des Herrn: Israel habe ich heraufgeführt aus dem Lande Aegypten und die Philister von Kaftor. und die Aramiier von Kir" (9,7). Es war nur die selbstverständliche Konsequenz dieser Anschauung von der Erwählung Israels, dass man sie nicht auf der Abstammung beruhen lassen wollte sondern auf dem Willen, Gott anzugehören. Schon Deuterojesaja bahnt jeglichem von der Lehre . Israels Ergriffenen den "Weg zur Erwählung. Er sagt: Kap. 56. Vers 3) ..Es spreche nicht der Abkömmling der Fremden, der «-•eh dem Herrn anschliesst: Der Herr wird mich ausscheiden aus seinem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.