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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1911-10-01 · 10 (10.1911) · p. Seite 5

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
5 (1911)
Issue
10 (10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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I - 5 - und Senatoren berichtet. Es ist dies ganz derselbe Eindruck, den wir auch gewinnen, wenn wir an der Hand unserer Korrespondenz nach der gesollsdiaf tlichen Lage der Juden in Deutschland fragen. Nicht selten geben uns da zwei Gemeinden des gleichen Regierungsbezirks, ja des gleichen Kreises, ein völlig verschiedenes Bild. Aus diesen hier erfreulichen, dort ausserordentlich niederschlagenden Schilderungen scheint sick sicher als gemeinsames nur zu ergeben, was unsere Vertrauensmänner häufig im einzelnen bestätigen: dass antisemitische Exclusivität wohl in den sogenannten oberen Schichten der Gesellschaft herrscht, dass aber in den übrigen Kreisen der Bevölkorung ein durchaus" freundschaftlicher Verkehr zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern gepflogen wird. Das ist ein Umstand, der ebenso überzeugend wie schon die Tatsache der völlig verschiedenen Lage in so benachbarten Bezirken, die Legende Lügen straft, dass im Antisemitismus ein Rasse-Instinkt zwingend seinen Ausdruck finde. Wir sehen hier vielmehr deutlich, dass es sich um ein anerzogenes Vorurteil in ganz bestimmten Kreisen der Gebildeten handelt — anerzogen erst während des letzten Mensphenalters — das nur, wie viele andere Beispiele der besseren Kreise, hier und da auf weitere Schichten hinübergewirkt haben mag. Es bleibt die Aufgabe jedes deutschen Juden, diesem Vorurteil entgegenzuwirken durch sein gesamtes Verhalten, durch bereitwillige und gewissenhafte Erfüllung seiner Pflichten gegen die Allgemeinheit, gegen das Staatswesen, aber auch durch ein mannhaftes Eintreten für seine staatsbürgerlichen Rechte. JDurch Aufklärung über das wahre Wesen des Judentums diesem Vorurteil den Boden zu entziehen, seiner die berechtigten Interessen der deutschen Judenheit schädigenden Betätigung entgegenzutreten durch wachsame sachliche Vertretung dieser Interessen, bleibt die Aufgabe des Verbandes. Aufgabe und Gestaltung des apologetischen Archivs. Der Verband der Deutschen Juden hat vor Jahresfrist mit\ler Anlegung eines apologetischen Archivs begonnen, die nach langen und eingehenden Beratungen in der apologetischen Kommission beschlossen worden ist. Im folgenden wollen wir über Anlage und Aufgäbe dieses Archivs Aufschluss geben und gleichzeitig alle, die sich für diese Arbeit interessieren, um ihre Mitarbeit bitten. Das Judentum bildet, seit es den Boden der Geschichte betreten hat, und namentlich seit der Ausbreitung des ^Christentums mit seiner Tendenz zur Mission und zur Ueberwindung anderer Religionen die Zielscheibe verschiedenartiger Angriffe, die vielfach auf Unkenntnis oder Böswilligkeit zurückzuführen sind. Anderseits L at das Judentum auch zu allen Zeiten wohlwollende Verteidigung und gerechte Würdigung gefanden, und zwar nicht nur von jüdischer Seite, sondern auch in älterer Zeit von heidnischen und in späterer Zeit von, christlichen Schriftstellern. Nichtsdestoweniger werden alle alten Vor-

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