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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1911-10-01 · 10 (10.1911) · p. Seite 4

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
5 (1911)
Issue
10 (10.1911)
Date
1911-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Dass die Verwirklichung der Parität auch im Heere keinerlei Fortschritte gemacht hat; braucht leider kaum erst erwähnt zu werden. Wir hören immer wieder, dass Söhne jüdischer Eltern Offiziere — auch aktive — werden, wenn sie selber — Christen geworden sind. "Wir hören freilich auch durch einige Korrespondenten, dass es jüdische Veterinärärzte (die Offizierrang haben) in der deutschen Armee gibt. Aber dass ein preussischer Bezirkskommandeur einen jüdischen Vicefeldwebel zur Wahl zum Reserveoffizier gestellt hätte haben wir auch nach den diesjährigen Uebungen nicht gehört, trotz der einmütigen Stellungnahme fast aller Reichstagsparteien gegen die Zurücksetzung der jüdischen Einjährigen gelegentlich der diesjährigen Reichstagsverhandlungen und trotz der angesichts dessen abgegebenen Erklärung des Kriegsministers, dass er die Fernhaltung von Juden vom Reserveoffizierstande auf „antisemitische Regungen" zurückführe und missbillige, i Dagegen kann auf einem anderen Felde der Verband das Entgegenkommen der Militärverwaltung dankbar 'verzeichnen. — Die Eingabe an das preussische Kriegsministerium betreffs Berücksichtigung der jüdischen Feiertage bei Einberufung der jüdischen Rekruten (über deren Erfolg der Geschäftsbericht des Verbandes S. 37 ff näheres mitteilt) hat nach dem Bericht eines Korrespondenten auch ausserhalb Preussens ihre erfreuliche Wirkung geübt. Auch vom Königl. Sächsischen Kriegsministerium, das, wie die' der andern Königreiche vom preussischen Kriegsminister Abschrift seines Erlasses erhielt, ist der Versöhnungstag bei Anberaumung des Einstellungstermins berücksichtigt worden. Ebenso sind unsere Bemühungen auf dem Gebiete der Rechtspflege insofern nicht fruchtlos gewesen, als eine weitere Besserung bezüglich der Berücksichtigung der Juden bei der Aufstellung von Schöffen und Geschworenen gemeldet wird. Inimerhin gibt es sowohl im Osten wie im Westen des Reiches noch vereinzelte Bezirke, die über die dauernde Nichtberüfung von Juden zu Schöffen und Geschworenen zu klagen haben. Der Verband wird hier weiter durch Eingaben und Beschwerden an die in Betracht kommenden Behörden Besserung zu erwirken suchen. Es sei an dieser Stelle eingeschaltet, dass die^ vorliegenden Berichte auch eine gewisse Zahl von Juden in Stellen unterer Gerichtsbeamten wie: Sekretäre, Gerichtsvollzieher, Aktuare» erwähnen; auch an anderen jüdischen Subalternbeamten fehlt es nicht. Es gibt Magazinverw/ilter, Steuereinnehmer, Stationsvorsteher jüdischen Glaubens, und ' das ewig wiederholte Vorurteil, als ob unsere Glaubensgenossen irgend eine Art ehrenvoller Arbeit bei mässigem Einkommen, wie es doch das Gehalt dieser Beamtenkategorien darstellt, scheuen, findet sich auch hier widerlegt. Der Verband wird demnächst in eine nähere Prüfung dieser Verhältnisse eintreten.; Was die Haltung der Kommunen den Juden gegenüber angeht, so zeigt unsere Korrespondenz ganz überwiegend ein freundliches Bild. Indessen ist der Eindruck ein auffällig ungleicher, wo es sich um aktiven Anteil der jüdischen Mitbürger an der städtischen Verwaltung handelt. — Oft aus eng benachbarten Bezirken -tfird hier die Unmöglichkeit gemeldet, die, Wahl auch nur eines jüdischen Stadtverordneten durchzusetzen, dort die Wahl jüdischer Stadträte

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