Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/4908657-6349526-6349571--128-4908772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 12 — den Hergang zu berichten, dass er sie nicht als eine gottesdienstliche Handlung, sondern als Greuel behandelt. Gerade im Buch der Richter bekämpft ja der biblische Erzähler die Neigung des Volkes zum Götzendienst und malt ihm mit der Tat Jephtahs ein abschreckendes Beispiel, und sämtliche Erklärer des Richterbuches missbilligen Jephtahs Verfahren und lassen selbst die Verpflichtung zur Heilighaltung seines Gelübdes nicht als Entschuldigungsgrund gelten. Dass in jener alten Zeit, wie andere heidnische Bräuche, vereinzelt auch der Molochdienst auf die Juden aus ihrer heidnischen Umgebung übergriff, ist nicht verwunderlich und braucht nicht abgeleugnet za werden. — Aber, dass das Judentum als solches das Menschenopfer gefordert oder auch nur gebilligt hätte, ist eine Fälschung der Geschichte. Selbst die Behauptung, dass das Judentum stillschweigend darüber hinweggegangen sei, schlägt den Tatsachen ins Gesicht." Denn wie die Beispiele zeigen hat das Judentum zu allen Zeiten einen Kampf gegen den Molochdienst geführt und ihn auch am frühesten besiegt. — Die Schrift Maders, die unbefangen erscheinen muss, weil der Verfasser garnicht als Apologet des Judentums auftreten will, ^verdient, zahlreiche Leser zu finden; sie enthält auch sonst manche sehr beachtenswerte Aufschlüsse, die alle Freunde der Bibelkunde mit Interesse lesen werden.;;. / IL Moses Hoff mann: * Der Geldhandel der deutschen Juden während des Mittelalters bis zum Jahre 1350. Ein Beitrag zu der deutschen Wirtschaftsgeschichte im Mittelalter. Staats- und sozialwissenschaftliche Forschungen. Herausgegeben von Gustav Schmoller und Max Sehring, Leipzig 1910. S1 . . ■ •» . In diesem Buche finden wir den ersten erfreulichen Versuch, das Wirtschaftsleben der Juden im Mittelalter aus den Quellen der hebräischen Reponsen zu schildern, d. h. aus den Akten und Urteilen über Rechtsstreitigkeiten unter Juden, die uns einen unmittelbaren Einblick in das wirtschaftliche Leben und die Rechtsübung der Zeit geben. .Bis jetzt musste man sich mit den landesgesetzlichen Bestimmungen und Verordnungen und allenfalls versprengten und aus dem Zusammenhange gerissenen Mitteilungen über das Wirtschaftsleben der Juden als Quellen begnügen. Daraus sind häufig Missverständnisse und falsche Urteile entständen, die auch in ernste volkswirtschaftliche Schriften übergegangen sind.