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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1911-10-01 · 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 11

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
5 (1911)
Issue
9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
Date
1911-10-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 die dem Moloch nachbuhlen, ans dem Volk ausrotten. Auch der Prophot Jeremia wendet sich mit voller Schärfe gegen den Molochdienst, indem er im* Namen Gottes verkündet (19,6): Sie haben dem Baal Höhen errichtet, ihre Kinder dem Baal zu verbrennen, was ich niemals geboten nnd geheissen habe nnd was mir nie in den Sinn gekommen ist. Deutlicher und stärker kann die Bekämpfung und Verwerfung des Kultus durch die berufenen Vertreter der Religion Israels nicht geäussert werden. — Mit solcher Strenge ist keine Religion des Altertums gegen den Moloch aufgetreten, wie gerade; das Judentum. Ist es doch auch eine geschichtliche Tatsache, dass trotz aller — völkerpsychologisch natürlichen — Neigung, die Kulte der Nachbarvölker bei sich einzuführen, doch die Juden das Menschenopfer am frühesten überwunden haben. — Jedenfalls ist aus der nachexilischen Zeit kein Fall mehr bekannt, dass die Juden diesem religiösen Wahn gefröhnt hätten. — Hingegen weist Mader unwiderleglich nach, dass alle anderen Kulturvölker des Altertums: Aegypter, Assyrer, Babylonier, Perser, Griechen und Römer die Menschenopfer nicht nur gekannt, sondern als selbstverständlich und als ihren Göttern wohlgefällig behandelt haben. Am meisten dürfte das von den Aegyptern und Persern verwunderlich erscheinen. Denn man war gewöhnt, den Aegyptern nach Herodot die Verabschenung blutiger Opfer, also selbst die der Tieropfer nachzurühmen. Auch die Perser treten in die Geschichte mit einer geläuterten Religionsidee ein, und trotzdem sind die Beweise Maders, dass auch die Perser wie die Aegypter die Menschenopfer gekannt haben, zwingend. Alle die Scheingründe, die die Geschichtsforscher seit Daumer für die Identifizierung des Molochdienstes mit Israels Religion angeführt haben, bedürfen kaum der Widerlegung. Nur ein Fall muss etwas ausführlicher behandelt werden, weil er das schwere Geschütz der Molochphantasten bildet. Ich meine die Opferung der Tochter Jephtahs (Buch Richter 11, 30/40). Dort heisst es (Vers 30/31): Jephtah tat ein Gelübde dem Herrn und sprach, wenn Du die Amoniter in meine Hand gibst, so soll dasjenige, was mir zuerst aus meinem Hause entgegenkommt, wenn ich siegreich vom Krieg heimkehre, dem Herrn gehören, dass ich es als Opfer darbringe. — Es folgt darauf die Erzählung, wie dann seine einzige Tochter ihm entgegenkam und auch geopfert wurde. — Hierzu ist zu sagen: Auf die Opferung des Kindes war Jephtahs Absicht zweifellos garnicht gerichtet; das beweist sein Schreck über ihr Erscheinen (Vers 35). — Er hat wohl ein Menschenopfer überhaupt nicht im Sinne gehabt. Aber selbst solche Absicht würde bei Jephtah auch nur beweisen, dass er, der vor dem Kriege als Bandenführer ausserhalb Palästinas ,(in der Landschaft Tob) gelebt hatte, eine solche Auffassung vom Gottesdienst hegte, die eben auf seine nicht-israelitische Umgebung zurückzuführen ist, nnd erlaubt keinen Rückschluss auf die allgemeine Anschaung. Im Gegenteil folgt aus der Art, wie der biblische Erzähler die Opferung mitteilt, indem er nur mit den Worten: „er tat an ihr, wie er gesprochen" auf sie hindeutet, ohne irgendwie über

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