Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 - Es ist daher erfreulich, dass jetzt ein katholischer Gelehrter in der obengenannten gründlichen Arbeit, die mit dem Imprimatur der kirchlichen Behörde versehen ist, das 'Gewebe der Gehässigkeit völlig zerzaust. In streng wissenschaftlichem Tone setzt sich Mader mit seinen Vorgängern auseinander, die die Fabel vom israelitischen Molochdienst in die "Welt gesetzt und „wissenschaftlich" zu begründen gesucht haben. Sein Buch weist nach, dass der Molochdienst von den Nachbarvölkern Palästinas, sogar auch von den Aegyptern geübt wurde, und dass man zu Zeiten in Israel dem schlechten Beispiel der Nachbarn nicht widerstehen konnte und diesen sehe isslichen Kultus einschleppte, aber gleichzeitig auch, dass im biblischen Schrifttum;, der Molochdienst bei den Juden ausschliesslich mit entschiedener Ablehnung, und Missbilligung erwähnt wird. Nach Maders Ansicht ist der Kultus auf zwei Wegen zu den Juden gelangt, und zwar einerseits von Aegypten aus über die phönizischen Küstenstädte, anderseits nahm er den Weg von Babylonien über Syrien. Das war zumeist in der letzten Epoche des judäischen Reiches der Fall. Der Molochkultus fand in Judäa Eingang unter der Regierung des Königs Ahas; aber nach dem biblischen Bericht scheint er damals in Jerusalem nur wenig betrieben worden zu sein. Später während der langen Regierungszeit des Königs Manasse kam er in Judäa in Aufnahme. Aber es gibt keine biblische Stelle, die dies etwa billigte, sondern im Gegenteil: Die Thora bekämpft diesen Gebrauch und warnt Israel davor, Gott - in der Weise zu dienen, wie die — heidnischen — Ureinwohner von Palästina ihren Göttern gedient haben, und wo immer sich die Propheten mit diesem Kultus beschäftigen, verwerfen sie ihn und bezeichnen ihn als einen abscheulichen Greuel der heidnischen Völker, der Ureinwohner von Palästina und der Nachbarstämme. Am klarsten ist die Stelle Deuteronomium 12,. 30/31: So hüte Dich, dass Du Dich von ihnen (von den Ureinwohnern Palästinas) nicht umstricken lassest, nachdem Du sie niedergeworfen hast, und dass Du Dich nicht um ihre jGötter kümmerst und sprechest, wie diese Völker ihren Göttern dienen, so will ich auch tun. Diene nicht also dem Herrn Deinem Gott, denn mit allem, was dem Herrn ein Greuel ist und was er hasst, haben sie ihren Göttern gedient; sogar ihre Söhne und Töchter jyerbrannten sie im Feuer . ihren Göttern." — Bezeichnend ist auch folgende^telle—der Thora: (3. Buch Moses, 20, 2 bis 5): Sprich zu den' Kindern Israel, wenn jemand in Israel odfir von den Fremden, die in Israels Mitte wohnen, von seinen Kindern dem Moloch opfert, soll er getötet werden; das Volk soll ihn zu Tode steinigen; auch ich will mich gegen den Mann richten (wenn etwa seine abscheuliche Tat der Obrigkeit unbekannt bleiben sollte), ihn aus dem Volke ausrotten, denn er hat von seinen Kindern dem Moloch geopfert, um mein Heiligtum zu verunreinigen, und meinen heiligen Namen zu entweihen. Wenn aber das Volk sein Auge abwendet von jenem Manne, der von seinen Kindern den Moloch geopfert hat, ihn nicht zu töten, so werde ich mich richten gegen jenen Mann, aber auch gegen sein Geschlecht und ihn und alle,