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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1911-10-01 · 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 8

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
5 (1911)
Issue
9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
Date
1911-10-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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t — 8 — Gelehrter*), kennt die Literatur weder der orientalischen noch der klassischen Völker. Der grosse Plato hat zwar in seiner Republik auch einen Idealstaat entworfen, aber es fehlt darin die Idee des alttestamentlichen Universalismus. Nach dem' platonischen Universalstaate stehen Griechen und Nichtgriechen ununterbrochen im Kampfe einander feindlich gegenüber; der Krieg gehört zu den notwendigen Uebeln. Diese universalistische, die höchste Humanität atmende Idee ist aber auch in der Folgezeit in'der Geschichte des Judentums bis auf. die Gegenwart lebendig geblieben. Trübe Zeiten mochten sie verdunkeln, ganz erlöschen konnte sie nie, denn mit eherner Notwendigkeit wurde sie im Geiste des Judentums durch jene ewigen, erhabenen Prophetenworte lebendig erhalten. 7 Es wäre eine verlockende, aber die zu Gebote stehende Zeit weit überschreitende Aufgabe, dies aus der Geschichte des Judentums zu erwejsen, zu zeigen, wie in der Makkabäerzeit, besonders durch das Danielbuch die Idee von dem die Erde füllenden, die Weltreiche verdrängenden Himmelreich gewaltigen Einfluss auf die Hoffnungen des Volkes gewinnt; wie naturgemäss in dem kosmopolitisch gerichteten alexandrischen Judentum, in Philo und den Sibyllinen der prophetische Universalismus aufs neue aufflammt; wie in der Römerzeit, in der die weltgeschichtliche Erscheinung des Christentums vorbereitenden pseudepigraphischen und apokalyptischen Literatur die Hoffnung auf das messianische Friedensreich geradezu die Leidenschaft der jüdischen Volksseele ist; wie in seiner Art das pharisäische Judentum an ihr festhielt, der Talmud**) sich bekennt zu dem bedeutsamen Gedanken: „Alle religiös-sittliche Gesetzgebung hat zum Ziel die Herstellung des Friedens"; wie auch in der Nacht des Mittelalters der grosse Gedanke nicht erlischt, ein Moses Maimonides seinen Ritualkodex abschliesst mit dem Ausblick in die Zeit, da Völker-Hader und Kriegslärm verstummt sind auf Erden, weil „Gotteserkenntnis sie erfüllt wie das Wasser des Meeres Tiefen". Es wäre besonders auch davon zu reden, dass die sittliche Vertiefung, die das Judentum in der Gegenwart durch die Berührung mit der modernen Kultur erfahren hat, den universalistischen Messiasnnd damit auch. den Friedensgedanken in den Vordergrand des religiösen Bewusstseins gerückt;hat. Gerade den Gebeten, die seit uralten Zeiten ihn ausdrücken, hat die moderne Synagoge mit besonderer Liebe in ihrem Kultus den Platz angewiesen: Das tägliche Gebet schliesst mit der Bitte um das Kommen der Heilszeit, das allwöchentliche Gebet für Kaiser und Reich, die Gebete der heiligsten** Festtage wie viele andere gipfela in ihr. Dies alles Hesse sich sehr ausführlich weiter nachweisen, aber es beleuchtet wohl auch in solcher Kürze die Stellung des Judentums zur Frage des Weltfriedens. Es sei mir gestattet, sie zum Schlüsse in einem Symbol zusammenzufassen. Wenige Tage trennen, wie die christlichen Mitbürger von ihrem Osterfest, so uns von unserm Passah, vom Erlösungsfeste. —^—_ * / *) Aug, Wünsche, Die Freude in de* Schriften des alten Bundes S. 26. **) T babyl, Te Gittän S. 69b.

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