Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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So nrnss das Judentum auch den Sieg des Rechts und der Humanität, den Weltfrieden, fordern und glauben aus seinem innersten Wesen heraus, auf dem Grunde seiner zentralen, heiligsten Lehren und Gedanken. Und es hat ihn geglaubt und gefordert —■ seit seiner Urzeit Tagen bis zur Gegenwart. Seine Schöpfer, zugleich die Begründer aller heute vorhandenen, den einen Gott bekennenden Religionen, seine erhabenen Propheten sind auch die Schöpfer der erhabenen Idee des Weltfriedens. Y _ In einem grandiosen sittlichen Ringen, einem ihr tiefstes Inneres aufwühlenden Erleben der tragischen Schicksale ihres Volkes, im Kampfe mit diesem selbst, seinen Königen, weltlichen und geistigen Führern, kurz, in einex*- gewaltigen seelischen Arbeit, deren Tiefen und Bedeutsamkeit uns die moderne protestantisch-theologische Forschung erst recht enthüllt hat, haben sie ihrem Volke und der Menschheit die höchsten religiösen Wahrheiten erstritten, f 7' Darunter auch, als Krone und Vollendung ihres „ethischen Monotheismus", den messianischen Glauben, den Glauben an die in der Erkenntnis des einen Gottes, in seiner Anbetung, in Wahrheit und Recht, in Liebe und Frieden geeinte Menschheit. Einmal erst zur Erkenntnis des einen, heiligen Gottes gelangt, haben sie daraus alle jene Folgerungen gezogen, die wir vorhin als die notwendigen Ergebnisse des jüdischen Gottesglaubens bezeichnet haben. Aus einer Zeit, wo die Erde dröhnte unter dem Tritt der alles zermalmenden Heere der Weltmächte, Assurs, Babels, Aegyptens, aus weltgeschichtlichen Kriegsstürmen, die ihr Volk mit dem sicheren, von ihrem Auge klar gey, schauten Untergange bedrohten, blickten sie ruhig aus in eine Zeit seligen Gottesfriedens für Israel und die Menschheit. Mit glühenden Färben, wie über sie nur die Palette orientalischer Dichterphantasie verfügt, haben sie das goldene Zeitalter des Menschheitsfriedens geschildert und kommender Kunst bis auf die Gegenwart für die Behandlung dieses Gegenstandes die Hand geführt Wer kennt nicht zumal des Königs im Reiche der Sprache, des gewaltigen Jesaja farbenprächtige Bilder vom gottgesandten Herrscher des Gottesreiches, dem Messias, dem Friedensfürsten, dessen Szepter die Gerechtigkeit ist, dessen Lenden gegürtet sind mit Recht und Treue, der Frieden ohne Ende gebietet bis an der Erde Grenzen. Wer erfreute sich nicht an der Poesie seines Gemäldes vom Reiche des ewigen Friedens, in dem selbst das reissende Getier seine Natur friedlich gewandert hat, der Wolf neben dem Lamme wohnet, der Parder lagert bei dem Böcklein, ein kleiner Knabe Löwe und Rind zusammen weiden, ein Säugling spielen mag über der Giftnatter Höhle. Wer blickte nicht freudig erhoben mit Jesaja und Micha aus in die Endzeit* des Heils, da die Völker ihre Schwerter umschmieden zu Karsten, ihre Lanzen zu Rebenmessern, da kein Volk mehr gegen das andere das Schwert erhebt und man das Kriegshandwerk nicht mehr erlernt. In diesen Bildern spiegelt sich die Anschauung aller Propheten vom Endziel der Menschengescbichte. Ein solches Ergebnis der Weltentwickln ng, sagt ein hervorragender christlicher