Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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•1 — « — Frieden wie im Kriege die Erfüllung seiner Soldatenpflicht bis in den Tod unbedingt fordert. Dies sind die Zugeständnisse, die unsere Religion dem Beweger des Menschengeschlechts zu machen hat. Aber als eine ewige Notwendigkeit und als ein Moment der sittlichen und göttlichen Weltordnung kann sie ihn nicht gelten lassen. Das Judentum müsste sich sonst mit sich selbst in den tiefsten Widerspruch, setzen, sein innerstes Wesen verleugnen, aus dem heraus es die Ueberwindung der Völkerfeindschaft, die Herstellung einer sittlichen Ordnung, die Herrschaft des Rechts und des Friedens auf Erden fordern muss und tatsächlich gefordert hat. .' . Es muss die in Recht und Frieden geeinte Menschheit fordern: auf Grund seines Gottesglaubens. Es hat diesen Gott gelehrt und lehrt ihn noch als den Einen und Einzigen. Weil er der Eine ist, der Einzige, so fordert er auch die eine, die geeinte Menschheit: „Ein haiter Widerspruch gegen die Einheit Gottes", so ungefähr sagt ein anderer hervorragender jüdischer Philosoph der Gegenwart*) „ist die Vielheit der Völker, sofern sie sich in einem feindlichen Gegensatze gegen einander ausprägt". Als fler Eine ist Gott der Vater aller Menschen, in ihm finden sich daher alle, alle zur Menschheit zusammen. Weil aber Gott der Heilige ist, so verbürgt, so wirkt notwendig er selber den Sieg des Guten, die dereinstige Wirklichkeit der sittlichen Ideale auf Erden. Darum kann nicht der Krieg, kann nicht das Recht des Stärkeren ein Moment seiner Ordnung, muss der Sieg des wahren Rechts, der Sittlichkeit, des Friedens, c^as letzte höchste Ziel der Geschichte der Menschheit sein. Das fol^t auch notwendig aus dem, was das Judentum von der Menschheit lehrt und glaubt. Ihm. sind die Menschen Gottes Kinder, in seinem Ebenbilde geschaffen, ihm verwandt durch Vernunft und sittliche Anlage. Darum ist die Menschheit berufen und befähigt zur Verwirklichung des Guten auf Erden, in schwerer, langsam ansteigender, aber doch eben ansteigender, zur Höhe führender sittlich-kultureller Arbeit. >„Aufwarts, ja aufwärts geht der Menschheit Gang, , Ob auch ihr Pfad sich krümmt und windet, Und ob er auch Jahrhundertlang Durch dunkle Abgrundtiefen schwindet — Nach oben reisst sie doch ihr Drang." | Dieses Bekenntnis des edlen deutschen Dichters, dieses frohe, mutige Bekenntnis zum. Glauben an die Menschheit, an ihren sittlichen Adel, ihren unaufhaltsamen, zum Siege führenden steten Fortschritt im Guten ist auch das Bekenntnis oes Judentums. *. H. Cohen, Ethik des reinen Willens, S. 883.