Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 5 (1911)
- Issue
- 9 (10.1911) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1911-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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- 6 - Die Moral der Bergpredigt wird ihres heroischen Charakters wegen als der jüdischen uberlegen bezeichnet. Wir können die Widerlegung dieser Behauptung ruhig der Geschichte überlassen. Sie ist über das christologische Dogma hinweggeschritten und zum schlichten Monotheismus der Bibel gelangt, sie wird auch den höheren Kulturwert der jüdischen Ethik ans Licht bringen. Ueber das Problem, das uns hier beschäftigt, hat einer der besten Männer des neuzeitlichen Judentums, zugleich ein anerkannter deutscher Forscher und Denker, vom Standpunkt wissenschaftlicher, Herbartischer Ethik aus Folgendes gesagt*): . . . „Eine Ethik des Krieges kenne ich nicht — nicht als ob ich leugnete, dass es Kriege gegeben hat und noch geben könne, welche nach der einen Seite als pflichtmässig anerkannt werden müssen, und dass der Krieg zur Uebung vieler Privattugenden Veranlassung gebe. Daraus aber auf die Notwendigkeit der Kriege für ewige Zeiten als eine an sich sittliche Einrichtung, als ein Moment in den Ordnungen Gottes zu schliessen, scheint mir eine Sophistik, die der Widerlegung nicht wert ist." Mit der in sittlichen Fragen ihm eigenen Schärfe hat hier unser Ethiker den Standpunkt zum Ausdruck gebracht, den auch das Judentum in dieser hochbedeutsamen, dieser Menschheits-Angelegeheit einnimmt. Mit ihm erkennt auch das Judentum an, dass es geschichtliche und politische Situationen gibt, in denen der Krieg, für die eine der Parteien mindestens, eine Notwendigkeit, ja eine sittliche Pflicht sein kann. In den Zeiten ihrer selbständigen nationalen Existenz hat die jüdische Gemeinschaft selber solche Kriege führen müssen. Den Makkabäern, die mit dem Schwerte das Recht der religiösen Wahrheit verteidigten, wird ewig die Menschheit in Dankbarkeit Ruhmeskränze winden. Den heldenmütigen Verteidigern Judäas gegen das völkerverschlingende Rom wird niemand das Zeugnis versagen, dass sie ihren tapferen Arm einer grossen, heiligen Sache geliehen haben. »Der unvermeidlich gewordene Kampf für das Recht einer grossen Idee oder für die nationale Selbstbehauptung, wie er hier geführt ward, kann von keiner Ethik und von keiner Religion missbilligt werden. Desgleichen müssen beide den hohen Wert der Selbstaufopferung des Einzelnen für eine Idee oder eine Gesamtheit anerkennen. Ja, ich möchte nicht verfehlen, auch dies auszusprechen: Dass das Judentum seinen Bekennern besonders die Hingebung für das Vaterland im Kriege zur strengsten, heiligen , Pflicht macht und von jedem seiner Söhne, der unter der Fahne steht, im ») Steinthal, Allg. Ethik, S. 229, Anm.