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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1910-10-01 · 8 (10.1910) · p. Seite 4

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
4 (1910)
Issue
8 (10.1910)
Date
1910-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Einen günstigen Einfluss der fortgesetzten Tätigkeit des Verbandes dürfen wir mit Befriedigung auch in der Schöffen- und Geschworenenfrage feststellen. Wenn auch aus einigen Orten, namentlich im Osten des Reichs, immer noch Klagen über die völlige Uebergehung der jüdischen Bürger bei der "Wahl der Schöffen und Geschworenen kommen, so ist doch im ganzen eine Besserung der Verhältnisse zu verzeichnen. Auch auf die diesjährigen Vorstellungen wegen Nichtberücksichtigung der Juden bei Aufstellung der Schöffen- und Geschworenenvorschlagslisten hat eine grössere Zahl von Gerichten in einem Sinne geantwortet,, der eine weite Besserung erhoffen lässt. Es sei zu diesem Punkt bemerkt, dass die völlige Richtigkeit der uns von Seiten der Gemeinden gemachten Angaben unerlässlich ist; auf unsere Umfrage ist uns in mehreren Fällen eine völlige Vernachlässigung der jüdischen Bevölkerung bei der Schöffen- und Geschworenenwahl gemeldet worden, während wir auf unsere Vorstellungen von dem Gericht die Nachricht erhielten, dass unsere Mitteilungen micht vollständig zutreffend waren, weil jüdische Mitbürger auf der Liste gestanden hätten und nur nicht ausgelost worden seien. — Da durch Schritte, die wir auf irrige Information hin unternehmen, natürlich der Verband ins Unrecht gesetzt wird, bitten wir, alle Angaben nur auf Grund sorgfältiger Prüfung zu machen. Besonders bedauerlich ist es. ^wenn — wie uns ein Gericht erwiderte — jüdische Bürger, die zu diesen öffentlichen Ehrenämtern herangezogen werden, ausdrücklich bitten, verschont zu bleiben, und damit judenfeindlichen Vorurteilen Nahrung geben. Die Förderung der Interessen der Gesamtheit von einer Zentralstelle aus ist natürlich nur dann möglich, wenn jeder einzelne gern die Aemter übernimmt, zu denen wir Zulassung heischen. Auf dem Gebiete der Aemterbesetzung ist innerhalb der Justizverwaltung ein gewisser Fortschritt zu erkennen, wenngleich auch hier die gesetzwidrige Ungerechtigkeit noch fortdauert, dass Juden in Preussen zu Staatsanwälten, Lfendgerichtsdirektoren, Präsidenten, im Reich zu Mitgliedern des Reichsgerichts nicht ernannt werden. In", der inneren Verwaltung dauern die alten Vorurteile trotz der entgegenstehenden Gesetze fort. Auf. dem Gebiete der Heeresverwaltung sind Besserungen nicht zu verzeichnen. Wir brauchen hierbei nur auf die in neuerer Zeit an massgebender Stelle getanen Aeusserungen zu verweisen. Ja, es scheint die unseren Glaubensgenossen so ungünstige preussische Praxis leider allmählich auch auf Bayern überzugreifen. "Während hier nämlich in Infanterie-Regimentern noch zuweilen jüdische Reserveoffiziere gewählt werden, verhalten sich die Kavallerie-Regimenter bereits „exclusiv" und jüdische Einjährige, die dort etwa die Offiziersqualifikation erlangen, werden regelmässig zum Train abgeschoben. — Der Verband wird nicht unterlassen, nach gründlichen Vorbereitungen die Angelegenheit energisch weiter zu behandeln. - •' < Das Bild der allgemeinen gesellschaftlichen Lage der Juden, das Verhältnis zu ihren christlichen Mitbürgern im geschäftlichen, im Vereins- und im

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