Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 8 (10.1910)
- Date
- 1910-10-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Familienverkehr zeigt nach den letzten Korrospoodenzberichten keine irgendwie gewichtige Veränderung. Das friedliche, aber nicht eben freundliche Nebeneinander charakterisiert noch immer die allgemeine Lage; selten, wie freilich auch von besonderen antisemitischen Aergernissen, ist von besonders guten Beziehungen zwischen Christen und Juden die Rede. Vielleicht wird eine wesentliche Wendung zum Besseron erst eintreten, wenn die Staatsbehörden durch eine rückhaltlose Einräumung der durch die Gesetze zugesicherten Gleichberechtigung auf allen Gebieten des bürgerlichen und staatsbürgerlichen Lebens das gute Beispiel gegeben haben; wenn deutsche Juden auch ohne das Opfer eines Glaubenswechsels Gelegenheit erhalten, sich yor den Augen ihrer christlichen Landsleute in hohen und leitenden Staatsämtern zu bewähren und dem Vaterlande zu dienen, wie sie es seit langem auf weniger in die Augen fallenden aber darum nicht minder verantwortungsvollen Posten in zahlreichen Fällen tun. Aus der Tätigkeit des Verbandes im Berichtshalbjahr. 1. Über die Passverhältnisse im Verkehr mit Russland ist weiter Material gesammelt und einem Reichstagsabgeordneten wie früher zugestellt worden, der die Beschwerden im Reichstage vorgebracht hat. 2. Im Hinblick auf den erwarteten Entwurf eines neuen Reichsgese^z'es über den Erwerb und Verlust der Staatsangehörigkeit ist eine Eingabe an den Reichskanzler gerichtet worden. 3. Auf Pressenachrichten über die beabsichtigten neuen reichsgesetzlichen Vorschriften über die Sonntagsruhe ist eine Eingabe an den Reichsstaatssekretär des Innern gerichtet - worden, in der um weitergehende Berücksichtigung der an Sohnabenden und jüdischen Feiertagen geschlossenen Geschäfte gebeten wird. Im Hinblick auf die beabsichtigte kommunale Regelung der gleichen Frage ist einschlägiges Material zusammengestellt und versandt worden. 4. Zum Schutz des Schächtens ist durch ein Mitglied des Ausschusses mit Mitgliedern der Justizkommission des Reichstages, welche über neue Strafgesetzvorschriften gegen Tierquälerei zu beraten hatte, verhandelt worden, um eine Klarstellung zu erzielen, dass das Schächten nicht unter Tierquälerei falle. Die Fassung der Vorschrift durch die Kommission hat dem Rechnung getragen. 5. Den israelitischen Konsistorien in Elsass und Lothringen ist Material zu einer Eingabe auf Wiedereinführung der Religionsprüfung jüdischer Kandidaten des höheren Lehramts in den Reichslanden zugestellt worden. Auf die Eingabe hat die Regierung die Wiedereinführung der Prüfung für 1911 in Aussicht gestellt. 6. Betreffend die grundsätzliche Ausschliessung der Juden vom Reserveoffizierstände ist eine Eingabe an den Preuss. Kriegsminister eingereicht worden, der die in früheren Jahren im' Reichstage überreichten Zusammenstellungen von Zurücksetzungsfällen beigefügt wurden. iN * '