Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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— 10 — Israel das Dritte im Bunde sein mit Aegypten un 1 Assyrien, ein Sez<on inniitfcrt der Lande, sodass der E«i{:e der Scharen dann sie segnet: Gesegnet Mein Volk Aegypten, Meiner Hände "Werk Assyrien und Mein Erbe Israel". (Jesaj. XIX, 24—25) — ,,Und die Tyrier, die jetzt das arme Israel verachten, werden dann gern mit ihren reichen Handelsschätzen den Tempel schmücken" — (Jesaj. XXIII, 18). Israel lernt sich als den Gottesknecht begreifen, der anfänglich verachtet und verfolgt, schliesslich ^dennoch von den Völkern in seiner Herrlichkeit anerkannt wird und die Genugtuung empfindet, dass die Nationen seine Sittenlehre annehmen und befolgen^ „Siehe, das ist mein Knecht, den Ich erfasse, mein Liebling, den Ich erwählet Meiner Seele, Ich lege Meinen Geist auf ihn, Gerechtigkeit' soll er-den Nationen künden. Nicht schreit er und nicht lärmt er, ,nicht lässt er auf der Gasse schallen seine Stimme. Geknicktes Rohr bricht er nicht und glimmenden Docht löscht er nicht aus, zur Wahrheit (d. h. unverfälscht) kündet er das Recht. Nicht ermüdet er und nicht ermattet er, bis er feststellt auf Erden Gerechtigkeit und seiher Lehre harren die Eilande" (Jesaj. XLII, 1—4). Schon im babylonischen Exil verwirklichte sich ein Teil dieser Hoffnungen. Wie nachmals zur Zeit, da Israel's zweites Heiligtum durch Rom in Trümmer . gelegt ward, Millionen griechischer und römischer Proselyten durch die jüdische Diaspora gewonnen wurden, so spricht mancher Hinweis dafür, dass auch in Persien und Babel im sechsten vorchristlichen Jahrhundert das Judentum unter den Heiden begeisterte Anhänger fand. Im 56. Kapitel des Jesaias richtet sich die prophetische Predigt an sie: „Nicht spreche der Fremde, der .-ich dem Ewigen zuwendet: Mich hat der Ewige von Seinem Volke abgesondert, und nicht spreche der Verschnittene: Siehe, ich bin ein dürres Holz. Denn so spricht der Ewige zu den Verschnittenen: die meinen Sabbat hüten und erwählen, woran ich Gefallen habe und festhalten an Meinem Bund: Ich gebe ihnen in meinem Hause und in meinen Mauern -Hand und Namen, besser als Söhne und Töchter, einen ewigen Namen gebe Ich Ihnen, der nicht ausgerottet werden kann. Und die Fremden, die sich dem Ewigen angeschlossen, Ihm zu dienen und den Namen des Ewigen zu lieben, Ihm Diener zu sein, jeden, der den Sabbat halt und Meinen Bund wahret, sie bringe Ich zu Meinem heiligen Berge und erfreue sie in Meinem Bethause, ihre Opfer und Gaben sind wohlgefällig auf Meinem Altar, denn Mein Hans ist ein Bethaus ftjr alle Völker'". Diesem bedeutsamen-Thema sind zwei biblische Bücher gewidmet. Die liebliche altpalästinische Dorfidylle Ruth lässt den Messiaskönig von einer moabitischen Proselytur abstammen, deren hingebende Liebe überaus innig geschildert wird: und das Buch Jona rügt die Engherzigkeit Jener, die sich um die sittliche Gesundheit der Heidenvölker nicht kümmern,. und zeigt, wie der Ewige an der Bekehrung der Heidenstadt Ninive seine Freude hat. In den Sprüchen Salomo's sind die Sittenlehren allgemein menschlich gefasst. Im „Prediger Salomo" ist die philosophische Erwägung keineswegs national beschränkt. Im Buche Hiob wird die Frage, warum es den Frommen hie"hieden oft schlecht geht, au einem edlen Heiden zur Darstellung gebracht. Und in den Psalmen, wo sich die jüdische Volksseole so gewaltig und ergreifend ausspricht, wo sie ihre Freuden ausjubelt und ihre Schmerzen ausweint, wo J