Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
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Bei aller vom Gesetz bewirkten Abgeschlossenheit der biblischen Gotte^sgemeinde gegen jedwedon Einfluss des sie umgebenden Heidentums war sie doch wieder von Anfang an offen für den Fremdling. Die Rücksicht, die da^ Gesetz auf die inmitten des Bundesvolkes lebenden Fremden nimmt, sind nach Kaissler's „Biblische Altertümer" Beweise hochherziger Toleranz und edelster allgemeiner Menschenliebe. Der Ausländer, der in den Städten Israels weilte, lebte ohne Verpflichtung zur Annahme der Beschneidnng als Beisass unter dem heiligen Volke mit dem Recht des Opfers und Gebets im Heiligtum (Lev. XXIII, 25) Das Gebot „Du sollst lieben Deinen Nächsten wie DicIMhjlbst" (Lev. XIX, 18), wird, um Missverständnissen vorzubeugen, (Lev. XIX, 34) als auch auf denFremden anzuwenden hervorgehoben. „Wenn bei Euch in Euren Landen ein Fremder weilt, sollt Ihr ihn nicht bedrücken. Wie der Einheimische sei Euch der Fremde, der bei Euch weilt, und Du sollst ihn lieben wie Dich selbst. Auch Ihr wäret ja Fremde im Lande Aegypten. Ich bin der Ewige, Euer Gott." (Lev. XIX, 34). Die Verpflichtungen, denen der heidnische Fremde unterworfen war( begreifen sich aus dem Bestreben, das jüdische Volk vor Verführung zu götzendienerischen Unsitten zu schützen. So sind die auch, für die Fremden verbindlichen Verbote, die Untfcrsagung des Blutgenusses, der Gotteslästerung, des Kindosöpfers zu bewerten. Treffend sagt Lazarus: „Israel musste partikularistisch bleiben, um universalistisch wirken zu könneir". Zu einer Zeit, wo die übrige Kulturmenschheit keinerlei Schonung und Rücksicht gegen die Fremden kannte, betete ein israelitischer König (I. Reg. 8, 42—43): „Und auch der Ausländer, der nicht Von Deinem Volke Israel ist und aus fremdem Lande um Deines Namens willen komm^-^dtmn sie werden ' hören von Deinem grossen Namen und Deiner starken Hand und Deinem ausgebreiteten Arm — und betet in diesem Hause, so höre Du im Himmel, der Stätte Deines Sitzes, und tue/ wie zu Dir ruft der Heide, auf dass alle Völker der Erde Deinen Namen erkennen und Dich verehren wie Dein Volk Israel!" " Man fühlt aus diesen Worten, die übrigens das katholische Rom beim Portiunculafest in der Kirche Santa Maria degli Angeli sich angeeignet hat, die glühende Sehnsucht heraus nach jener Zeit, da die Fülje der Heidtn die jüdischen Heilswahrheiten anerkennt. Und schon in früher Königszeit wird uns wirklich von einer ergreifenden Bekehrungsgeschichte berichtet. Der mit Aussatz behaftete Syrerfeldherr Naeman wird durch eine jüdische Kriegsgefangene auf die Gotteskraft des Propheten Elisa gewiesen. Dieser heilt ihn körperlich und seelisch, und Naeman bekennt: „Keinen Gott g^ebt es aller Lande, nur in Israel! Nicht wird Dein Diener mehr fremden Göttern opfern nur dem Ewigen allein!'1 (H. Reg. 6, 15). Durch den israelitischen Prophetismus wurde in Israel das Bewusstsein, die Heilsgüter für die gesamte Menschheit zu bewahren und dereinst alle Völker zum Dienste des Ewigen zu rufen, immer mehr vertieft: „Der Ewige ist Adonai, Zebaot, Gott aller Völkerscharen. Er wird in der Zeit der Erlösuog sogar die Erzfeinde Israels, Aegypten und Assyrien in Frieden mit ihm einen uiul alle weiden in der Liebe zw Gott verbunden sein: An jenem Tage wird