Mannheim
Compact Memory

Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1910-06-01 · 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
4 (1910)
Issue
7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
Date
1910-06-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908657-6349524-6349563--100-4908747
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

form, ja sein Dasoinswert als die vollkommene Religion am bündigsten erwiesen* Dem gegenüber wird hier gezeigt werdou, wie bereits im alten Judentum die allgemeine Menschenliebe gepredigt, und Gott als der Vater aller Wesen erkannt worden ist. ' . Vollständigkeit in den Belegstellen wird nicht angestrebt. Ist es doch nach einem bekannten französischen Worte das untrüglichste Mittel zu langweilen, wenn man alles sagen will, was man über einen Gegenstand im Kopfe oder auf dem Herzen hat. Die alten talmudischen Lehrer liebten es in Religionsgesprächen, die Grundwahrheiten des Judentums als schon auf dem ersten Blatte der heiligen Ufkunde enthalten aufzuzeigen. In der Tat enthalten der Bericht von der Weltschöpfung und die Ursprungsgeschichte der Menschheit im Keime die Grundideen der ganzen Thora. Alle Menschen sind Nachkommen Adams und Evas, dea einen Elternpaares, Ebenbilder und Kinder Gottes und Brüder untereinander. „Deswegen ward nur ein Mensch geschaffen, als Ahnherr aller späteren, damit sie nicht heftig einander befehden. Streit und Feindschaft herrscht auch jetzt; welcher heisse Kampf würde wogen, stammton die Menschen von verschiedenen Ureltern ab!" (Talm. Sanh. 37a). Auch Muhatnmed lehrt in seinem Koran diese tiefsittliche Tendenz der biblischen Erzählung vom ersten Menschenpaar: ,.0 Ihr Menschen, "wirhabe,n Euch von einem Manne und einem Weibe erschaffen und Euch hernachzu Völkern werden lassen, damit Ihreinander zur Liebe kennen möget". JJann wird die Urgeschichte der Menschheit von der heiligen Erzählung in grossen Zügen dargestellt und in einer Völkertafel (Genfisis Kap. X) ein Bild der Verzweigung und Verästelung des Menschengeschlechtes a*uf Erden gegeben. Dieser alle Nationen umspannende Stammbaum, der alle Völker unter dem Gesichtspunkt eiuer grossen Familio betrachtet, ist schlechthin eine eigenartige und einzigartige literarische Erscheinung. Wo wäre es je einem heidnischen Geschichtsschreiber eingefallen, die verschiedenen Nationen von einem gemeinsamen Stammhanse abzuleiten und sie damit alle als in gleicherweise adlig zu. bezeichnen! Selbst in der hindostanischen Mahabharata und in Schriftwerken des christlichen Mittelalters rinden sich' nur schwache Ansätze zu einer Anschauung, wie die hier in köstlicher Deutlichkeit ausgesprochene. Unter den Völkern haben die Nachkommen des Semiten Abraham die von Gott ihnen zugewiesene Aufgabe, für die Menschheit ein Segen zu werden, dass durch sie.Heil finden alle Familien der Erde (Genesis XII, 21. Kann wohl gleich beim ersten Auftreten des jüdischen Urahns schärfer betont werden, dass Israels ganzes Dasein nur Sinn hat in der treuen Hingabe an die höchsten Interessen der gesamten Menschheit? . Diese Wahrheit wird bei der Gesetzgebung auf dem Sinai, wo Israel die Grundlage seiner Volkskultur Empfängt, ihm noch einmal in feierlicher Eindringlichkeit eingeschärft. .Mir gehört die ganze Erde; Ihr aber sollt mir sein ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk" — eine Aufforderung, die einerseits hervorhebt, dass Israels Gott Herr aller Lande ist, andererseits die Heiligkeit Israels im Interesse der übrigen Nationen, deren Lehrer und Priester es sein soll, verlangt (Ex. 19, 5 und'6).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.