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Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden · 1910-06-01 · 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer) · p. Seite 5

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Journal
Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
Volume
4 (1910)
Issue
7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
Date
1910-06-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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— 6 — ■ ■'] i - v ■ " ■ . Geist als das, was hier den Alten gesagt ist", (nur den Alten, nicht auch dem christlichen Religionsunterricht?) „auch die Frömmigkeit des A. T. hat anderwärts tiefer gegraben (vgl. Dt. 6, 4, f)^. Fangen wir mit dem Letzten an, worin das Alte Testament gelobt wird. Es sind dies die Verse vom Höre -Israel und die folgenden Sätze von der Liebe zu Gott. Sie werden an Tiefe über die Zehn Gebote gestellt; die nur eine „geschickte Zusammenstellung der für Religion und Sittlichkeit in Frage kommenden Gebiete" bedeuten sollen. Dieses stumpfe schulmeisterliche Urteil wird über den Dekalog in diesem Bibelkommentar verhängt; aber dass die Sittlichkeit hier in das Recht eingreift; dass durch ein neues Wort die Sünde des Herzens getroffen wird; wo von Sjjj-ten des Rechts kein Anstand besteht, das wird nicht hervorgehoben/^das wird nicht ^philologisch angegeben, das bleibt unerwähnt. Und dabei halt man es für geschmackvoll, das epitheton ornans „geschickt" auf diese Grundlage der monotheistischen Religion anzuwenden. i. Liegt nicht für diese ganze Art der Bibelauslegung der eigentlich treibenjde Grund in dem Worte: „Nicht nur das Evangelium hat einen anderen Geist" klar ausgesprochen? So lange man unter dem Banne dieser Perspektive steht, ist keine sachliche, keine philologisch genaue Erklärung des A. T. zu erhoffen. Die Philologie steht hier im Zwange der Geschichte, und die Geschichte in dem des unfreien konfessionellen Glaubens; So kann es geschehen, dass man den Eintritt eines neuen Wortes nicht angibt, mit dem eine Vertiefung der Sittlichkeit sich ankündigt, weil damit eine Tiefe unverkennbar de, die zu der hergebrachten Unterscheidung zwischen Altem und Neuem Testament nicht mehr passen würde. Ich analysiere einen typischen psychologischen Vorgang, keineswegs eine individuelle Beabsichtigung. Ni# noch einen Punkt, den vom sogenannten Nächsten, dürfen wir auch hier nicht unbeachtet lassen, obwohl er zum Ueberdruss verhandelt ist: „Namentlich wenn „der Nächste" eben nur der Volks- und Stammesgenosse ist". Ist das ernstlich die Ansicht der Gelehrten des Christentums, dass der Nächste im Dekalog der Volksgenosse sei? So wäre das falsche Zeugnis gegen die Nichtjuden zulässig? und es wäre auch das Verbot von Mord, Ehebruch und Diebstahl auf diese Art von Nächsten einzuschränken? i Die vernünftige, nach allgemeinen Stilgesetzen verfahrende literarische Erklärung hat vor allem den komplizierten Charakter des A. T. zu beachten, die in ihm vorhandene Mischung von Sage, Geschichte und Poesie mit Politik, Recht, Moral und Glaubenssatzung. Ihr kann es daher auch nicht zu Sinne kommen, einen Unterschied zu machen zwischen den Geboten, in welchen nur „Du" steht, und denen, in welchen der Nächste emphatisch genannt wird. Bei Mord braucht er nicht hervorgehoben zu werden; aber beim Begehren und Gelüsten, da ist es leider gar nicht überflüssig; und^laher ist es absurd, den Nächsten hier anders zu verstehen als in der Beziehung auf denselben Jedermann, den man nicht morden und bestehlen darf. Nur wird zwischen dem Strafcodex und dem Moralgesetz in dieser naiven Literaturquelle keine Unterscheidung hervorgehoben. . \ ]■. ,.\: /.\^;l,

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