Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Journal
- Korrespondenzblatt des Verbandes der Deutschen Juden
- Volume
- 4 (1910)
- Issue
- 7 (6.1910) (Apologetische Sondernummer)
- Date
- 1910-06-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zwischen flcr Begehrung des Eigentums und dor des Woibes durch ein neues Wort für die letztere Begierde ein Unterschied hervorgehoben. Offenbar wollte die Schrift diese beiden Arten der Begierde, die nach Eigentum ,und die in der Geschlechtsliebe wurzelnde auch durch einen Terminus unterscheiden. Wenn . in den Zehn Geboten ein solches, eine besondere Art der menschlichen Leidenschaft bezeichnendes neues Wort auftritt, so sollte das doch wahrlich beachtet werden, schon weil es an sich sittengeschichtlich und moralpsychologisch wichtig ist; wie ja schon die Voranstellung des Weibes sich aus diesem Gesichtspunkte erklärt. Wie kann ein solcher ethisch wichtiger Unterschied sich der Beachtung entziehen? Man befleissigt sich doch sonst der gründlichen Erforschung des genauen Wortlauts. Der Verfasser hat gar kein Hehl daraus gemacht, mit welcher Voraussetzung er die Zehn Gebote liest: „Ins Innere der-Gesinnung" kanfn das alte Testament nicht eingreifen; das wäre „merkwürdig". Bcr\ solcher allgemeinen Voraussetzung wird der einzelne Wortlaut nicht für würdig bi landen, in seinem Tätbestande bemerkt zu werden. Wie wichtig dagegen, ■ wie unentbehrlich unsere eigene Bibelexegese, die unserer Grossen des Mittelalters, uns bleiben muss gegenüber aller dieser Gelehrsamkeit der modernen Bibelkritik, das möge an diesem Beispiel deutlich gemacht /werden. < Ihn Esra (gest. 1167) lehrt zu diesen Versen:1) „Das Wort lön hat in der heiligen Sprache zwei Bedeutungen: die eine geht auf die gewalttätige Bemächtigung von anderem Eigentum, die zweite aber auf die Begehrung im Herzen, die nicht zur Tat hinausgeführt wird,- Gegenüber der -Ansicht t dass es kein Vergehen gijbe tür^ -das Sinnen; wes Herzens, und daher darauf auch nicht Vergeltung, hat Mose in diesem Buche, in dem er die Thora erläutert, für TB/TU S1? gesagt:, mxnn . - Ibn Esra will nicht langer bei dieser Frage verweilen, verweist aber dennoch auf einige Bibelstellen, welche das Herz als die Quelle der Handlungen bezeichnen, wie das Wort: „In Deinem Munde und' in Deinem Herzen, es auszuführen", und er schliesst die Erklärung mit dem Worte: „Und die Hauptsache aller Gebote ist, das Herz redlich zu machen." ■ni5K2!l ^3 "Ip'SI a^n -m*b.) Mit einer solchen Aufmerksamkeit auf den sittlichen Inhalt hatte die Bibelkritik in Ibn Esra begonnen. Aber schon bei Spinoza hat sie den falschen Weg der Tendenz eingeschlagen, und von dieser Befangenheit hat sie sich auch heute noch trotz aller ihrer Verdienste nicht methodisch zu befreien vermocht. Sehr wichtig ist auch, was Mose ben Nachman (Nachmanides, geb. (gegen Ende des 12. Jahrhunderts), hier bemerkt: „Unter den Oberbegriff dor Chemda gehört auch die Thaewa: denn wenri" ihn gelüstet, seinen Nächsten zu berauben, er es aber nicht kann, da dieser sein Nächster stärker ist als er, oder die Furcht vor der Obrigkeit ihn abhält, so vergeht er sich dennoch gegen dieses Verbot"*). Die blosse Begehrung ohne Handlung wird somit als Inhalt des zehnten Gebotos auf Grund der rabbinischen Satzung, nacli der Zählung der 613 Gebote, festgestellt. 1 Kommentar zu der angezogenen Stelle. -) Komm«.ntur zu der angezogenen stelle.